> > > Schubert, Franz: Streichquintett D. 956
Sonntag, 31. Mai 2020

Schubert, Franz - Streichquintett D. 956

Fabelhaft!


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Insgesamt ist diese Hymne unbedingt gerechtfertigt, die Produktion uneingeschränkt zu empfehlen und lässt auf eine interessante Entwicklung der Musiker hoffen.

Es kommt doch ganz selten vor, dass man Werbetexten ganz einfach zustimmen möchte. Im Fall einer bei Genuin erschienen CD mit zwei sehr unterschiedlichen Streichquintetten ist das tatsächlich der Fall: Das Produkt hält, was es verspricht. Dem berühmten Streichquintett in E-Dur (Op. 13, Nr. 5) von Luigi Boccherini – dem Meister des galanten Rokoko – wird das Streichquintett von Franz Schubert C-Dur (D 956, Op. post. 163) gegenübergestellt. Und beide Werke ergänzen sich auf wunderbare Weise. So heißt es im Werbetext: ‘Dadurch, dass die jungen Musiker beide Werke gleich ernst nehmen, dass sie frisch, zügig und ohne falsche Sentimentalität Schuberts ‘göttlichen Längen’ genauso wie dem vermeintlich allbekannten und durch die ‘Ladykillers’ scheinbar auf ewig abgestempelten Boccherinischen Menuett zu Leibe rücken, richten sie unseren Blick neu aus. Unterhaltung und tiefes Bekenntnis, Gefühl und Geist: Man sollte die CD (nicht nur) beim ersten Mal ganz hören – dann ergibt sich eine beglückende, nicht in Worte zu fassende Einsicht in eines der großen Geheimnisse der Musik.’

Und es stimmt! Die fünf jungen Musiker des Schubert-Quintetts (Simone Zgraggen, Maya Koch, Richard Weitz, Isolde Hayer und Arvo Lang) spielen das Boccherini Quintett mit einer hinreißenden Freude und ohne jeglichen Kitsch und ohne jede ‘pseudo’ Emotionalität. Die Tempi sind alle recht zügig gewählt, der Ton immer sehr klar, sehr schlank – die Artikulation bis ins Detail immer messerscharf. Da wird nicht gepfuscht, da gibt es keine Schlenker, keine übertriebenen Vorhalt-Hervorhebungen, keine Posen, kein Versinken in aufführungstechnische Klischees. Sämtliche kitschgefährdeten Stellen – gerade auch das schon angesprochene Menuett – werden in einer Natürlichkeit gespielt, als hätte man das Stück noch nie zuvor gehört. Wie selbstverständlich sich etwa die plötzlichen Dynamikstufen-Wechsel im letzten Satz ereignen, das zeugt von einer ganz glasklaren Vorstellung der Musiker, wie ihr Boccherini zu klingen hat. Überhaupt hat sich das kleine Ensemble brillant aufeinander eingespielt und schafft einen homogenen Gesamtklang, der einerseits den individuellen Ton und Klang der Spieler nicht in einem wohligen Einheitsbrei versinken lässt, aber andererseits, etwa durch ähnlich starkes Vibrato und sehr genaue, einheitliche Phrasierung geprägt ist.

So ist das Schubert-Quintett ein wirklicher Gewinn, ein lebendiger Organismus mit starken Individuen. Mögen – zumindest aus der Ferne betrachtet – im Boccherini-Quintett weniger große interpretatorische Hürden liegen und es eher ein Ausweis für eine sich auf höchstem Niveau befindende Spielkultur sein, so ist das Streichquintett von Franz Schubert ein weitaus härterer Brocken: Es ist das ‘schlechthinnige’ Streichquintett, das ein jeder liebt – und schlimmer: zu kennen glaubt. Doch auch hier versinken die Musiker nicht vor Ehrfurcht, weder vor dem Werk, noch vor diversen Aufnahmen großer Meister. Sie finden auch hier ihren sehr eigenen und ganz und gar unpathetischen, von falscher Sentimentalität (auch hier hat der Texter der Werbung unbedingt recht!) befreiten Ton. Testfall ist zweifellos der im Wortsinne himmlische zweite Satz – er wird so zauberhaft schlicht und bescheiden gespielt, wie es nur sehr selten gehört wird. Insgesamt ist diese Hymne unbedingt gerechtfertigt, die Produktion uneingeschränkt zu empfehlen und lässt auf eine interessante Entwicklung der Musiker hoffen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Gordon  Kampe Kritik von Gordon Kampe,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schubert, Franz: Streichquintett D. 956

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
25.08.2006
Medium:
EAN:

CD
4260036255218


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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