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Dienstag, 27. Juni 2017

Debussy, Claude - Zwölf Etüden

Beeindruckendes Debüt mit Debussy


Label/Verlag: Salycus Music Productions
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Japanerin Mako Okamoto interpretiert die Douzes Etudes aufreizend schön.Mit großem Geschick hält sie das Gleichgewicht zwischen dem sogenannten ?impressionistischen Schweben? und einer analytischen, das Verständnis der Musik erschließenden Sichtweise.

Dass man bei Etüden von Debussy mehr erwarten darf als die reine Bezeichnung ‘Etüden’, Übungsstücke also, zu versprechen scheint, liegt u. a an ihrem Entstehungszeitpunkt: Gerade einmal drei Jahre vor seinem Tod, im Sommer 1915, während des ersten Weltkrieges. Zeitlich gesehen lässt sich also von einem Spätwerk sprechen. Den Anreiz für die Komposition mag Debussy in seiner damaligen Beschäftigung gefunden haben. Sein Verleger hatte ihn mit der Bearbeitung der kompletten Neuausgabe der Werke Chopins beauftragt. Interessanterweise finden sich dann auch grade unter dem Titel der Etudes die Worte , ‘A la memoire der Frederic Chopin’. Hatte Debussy in Chopins Etüden etwa eine Quelle der Inspiration gefunden?

Diese Frage bleibt wohl für immer unbeantwortet. Kompositorisch und auch musikalisch allerdings sind keinerlei Anklänge vorhanden. Die douze etudes bieten dem Hörer in mehr als einer Hinsicht ein individuelles Zeugnis des eigenwilligen französischen Tonschöpfers. Das liegt vor allem an dem faszinierenden Doppelwesen, das die Stücke allesamt prägt. Zwar handelt es sich bei ihnen durchaus um Klavierübungen, die 12 technische Problemstellungen behandeln, mit dieser Feststellung alleine jedoch bleibt sowohl das Meiste als auch das Wesentliche ungesagt. Denn diese Übungsstücke sind von so einzigartiger und virtuoser Beschaffenheit, das die reine Bezeichnung ‘Etüde’ fast vollkommen in den Hintergrund gerät. Nur das erste der zwölf Stücke, frei nach Czerny, bietet mit seinem amüsanten Beginn eine Hommage an die Etüde als Übungsstück.

Im ersten Livre trifft man beinahe ausschließlich auf Intervalle. Scheinbar endlose Aneinanderreihungen von Terzen, Quarten, Sexten und Oktaven, die man aufgrund der perfiden Handhabung der musikalischen Bauten jedoch kaum als solche bemerkt. Im Gegenteil, die zu befürchtende Monotonie wirkt völlig selbstverständlich, so dass man es für geradezu notwendig erachtet, dass die Musik immer nur aus einem Intervall besteht. Debussy schöpft den denkbar geringen Vorrat, man will es kaum glauben, bis in den Himmel aus. Im zweiten Livre sind dann nicht mehr Intervalle, aber immer noch grundlegende Elemente des Klavierspiels das Thema: Akkorde, Tonwiederholungen, Arpeggien und Halbtöne. Dass es sich dabei nur um Grundlegendes handelt, vergisst man auch hier sofort. Vielmehr hört man im wahrsten Sinne des Wortes freie Fantasien, fern von harmonischer Stabilität, fern von Gemeinplätzen und Allzubekanntem. Und das ist, Mako Okamoto herausragendem Spiel sei Dank, aufregend schön! Man hört Klangverläufe und Klangspannungen, Klangschattierungen und Klangballungen, Klangwelten.

Allerspätestens in den esoterisch anmutenden Etüden Nr. 10- 12 weiß man dann, warum Mako Okamoto u. a beim internationalen Wettbewerb für Klavier in Epinal einen Spezialpreis für französische Musik erhalten hat. Ihr Spiel flüchtet sich nie in die bei Debussy gefährlich nahe liegende Effekthascherei. Auch geht ihr in der Vielfalt des Klanggeschehens nie die Souveränität der Übersicht verloren. Mit großem Geschick hält sie das Gleichgewicht zwischen dem sogenannten ‘impressionistischen Schweben’ und einer analytischen, das Verständnis der Musik erschließenden Sichtweise. Die Phrasen stehen bei ihr stets miteinander verknüpft, sehr selten in Vereinzelung. Das was als Verzierung gespielt nur dekorativ wirkt, deutet sie als individuelles Kennzeichen der komplexen Sprache Debussys. Wie komplex diese ist, merkt man daran, dass gerade die Etüden Nr. 10- 12 in ihrer Eigenwilligkeit noch ein wenig fremd bleiben. Auch hier hilft Mako Okamotos Durchblick und verringert die Distanz des Zuhörers zur Musik.     

Schade ist jedoch, dass das noch verhältnismäßig junge Label Salycus von Mako Okamotos Debussy nicht mehr zu bieten hat. Mit Beschränkung auf die Douze Etudes ist die Länge der Aufnahme mit knapp 50 Minuten recht kurz. Die leere Zeit auf der CD hätte man für noch mehr Klanggenuss und noch mehr Klangerfahrungen nutzen können. So muss man sich nach den douze etudes mit der Vorfreude auf Makomotos nächste Einspielung zufrieden geben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Debussy, Claude: Zwölf Etüden

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