> > > Lehár, Franz: Der Graf von Luxemburg
Donnerstag, 6. Oktober 2022

Lehár, Franz - Der Graf von Luxemburg

Offene Fragen


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Michael Schottenbergs Inszenierung lässt eher Fragen offen, als dass sie Antworten gibt.

Selbst Wien, einst das Mekka der Operette ist scheinbar kein Garant mehr für authentische und mitreißende Operettenereignisse, wie man in der Saison 2005 feststellen musste. Zwar hatte die Presse viel Lob für die Inszenierung von Lehárs ‘Der Graf von Luxemburg’ im Rahmen des Klangbogen Festivals Wien übrig, eine Überprüfung der Produktion anhand der nun bei cpo herausgekommene DVD korrigiert dieses Bild jedoch. Die Inszenierung am Theater an der Wien hielt eine textliche Neufassung von Michael Schottenberg für nötig und beschritt auch in anderer Hinsicht ungewöhnliche Wege.

Genregerechter Basil

Unverständlich erscheint die Entscheidung, die Rolle des René Graf mit einem Bariton zu besetzen. Fehlte es an Tenören, die den Ansprüchen der Partitur gerecht werden konnten oder setzte man in Wien auf die Medienwirksamkeit des Gesangs-Stars Bo Skovhus? In jedem Fall unterliegt Skovhus mit den erwarteten Problemen und seine Interpretation ist erkämpft, leider auch oft erschrien – ganz sicher kein Gewinn für die Stimme des Dänen.

Unausgeglichen ist das Gesangspaar von Rainer Trost in der Rolle des Manfred und Gabriela Bone als Julie Vermont. Trost singt mit gut geführter Stimme und Ausdruck, während seine Partnerin forciert klingt. Spielwitz und spritzige Dialoge bieten jedoch beide. Den Ausgleich zwischen ansprechendem Gesang und spielerischer Begabung erreicht jedoch nur Andreas Conrad in der Rolle des Konsul Basil: der einzige Sänger der Produktion, der genregerecht agiert und dazu noch eine elegante Interpretation abliefert.

Das kann man von Juliane Banse in der verführerischen Rolle der Angelika nicht behaupten. Die Sängerin klebt erdenschwer an opernhafter Dramatik, die sie ordentlich aber ohne Pikanterie und Schmäh erzeugt. Man muss nicht gerade die außerordentlichen Aufnahmen mit der just verstorbenen Elisabeth Schwarzkopf studieren, um zu sehen, an welchen Stellen Banse Nachholbedarf hätte. Auch die verschwenderische Leichtigkeit und Erotik einer Lucia Popp liegen ihr fern.

Kapitulation vor dem Stoff

Michael Schottenbergs Inszenierung lässt eher Fragen offen, als dass sie Antworten gibt. Warum verschiebt der Regisseur die Handlung aus der Zeit des Fin de Siècle in die Epoche der Nachkriegsjahre? Man weiß es nicht, und der Verdacht liegt nahe, es handele sich um eine Kapitulation vor dem Stoff – oder allenfalls eine Reminiszenz an den gerade waltenden Zeitgeschmack. Dazu passen die groben Gesten und Bilder, die den feinen Andeutungen und Mehrdeutigkeiten des Textes Köper verleihen sollen. Mit der Leitung Eschwés, der kaum einmal aus dem Notentext aufzuschauen scheint, und sein Radio-Symphonieorchester Wien oft genug mit der Eleganz einer Kurhauskapelle leitet, ist diese Produktion weder spritzige Tradition noch aufregende Avantgarde.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Lehár, Franz: Der Graf von Luxemburg

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
cpo
1
25.06.2006
135:00
2005
Medium:
EAN:
BestellNr.:

DVD
761203719426
CPO 777 194-2


Cover vergössern

Lehár, Franz
 - Erster Akt, Szene 1 - 'Karneval, ja du allerschönste Zeit'
 - Erster Akt, Szene 2 - Dialog 'Mir ist kalt'
 - Erster Akt, Szene 3 - Dialog 'Guten Abend'
 - Erster Akt, Szene 4 - Dialog 'Die schwarze Hand trifft ein'
 - Erster Akt, Szene 5 - Dialog 'Schebesta'
 - Erster Akt, Szene 6 - Entrée 'Heut noch werd ich Ehefrau'
 - Zweiter Akt, Szene 1 - Introduktion 'Ich danke, meine Herren und meine Damen'
 - Zweiter Akt, Szene 2 - Einlage 'Ich hol dir vom Himmel das Blau'
 - Zweiter Akt, Szene 3 - Dialog 'Jössas, jetzt haben's mich aber erschreckt'
 - Zweiter Akt, Szene 4 - Dialog 'Ich bin etwas zu spät'
 - Zweiter Akt, Szene 5 - Dialog 'Na, sie sind mir aber einer'
 - Dritter Akt, Introduktion, Szene 1 - Dialog 'Ich hoffe, Frau Konsul haben eine angenehme Reise hinter sich'
 - Dritter Akt, Szene 2 - Dialog 'Schönen Guten Abend, wir benötigen ein Zimmer'
 - Dritter Akt, Szene 3 - Dialog 'Her Konsul werden schon erwartet'
 - Dritter Akt, Szene 4 - Dialog 'Ich finde, wir könnten jetzt schon langsam Bruderschaft trinken'


Cover vergössern

Dirigent(en):Eschwé, Alfred
Orchester/Ensemble:Radio Symphonieorchester Wien
Interpret(en):Skovhus, Bo
Trost, Rainer
Bone, Gabriela
Conrad, Andreas
Marold, Eva Maria


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

  • Zur Kritik... Schweriner Schätze: Die Merseburger Hofmusik und Michael Schönheit brechen eine Lanze für Johann Wilhelm Hertel. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Die Tücken der Spieloper: Aller Einsatz von Ulf Schirmer kann Lortzings später Spieloper nicht ganz jenes essenzielle Feuer wiedergeben, die sie verdient. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Angelegentlich: Max Bruch profiliert sich hier nicht als Klavierkomponist. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Miquel Cabruja:

  • Zur Kritik... Erschütternde Rückblenden: Das Label Dux hat das Dokument der ersten russischen Bühnenproduktion von Mieczyslaw Weinbergs Oper 'Die Passagierin' veröffentlicht. Eine wichtige Ergänzung in der Diskografie des Meisterwerkes. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
  • Zur Kritik... Verstörend schön: Das dänische Label OUR Recordings hat Axel Borup-Jørgensen eine Box gewidmet. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
  • Zur Kritik... Muerte en Venecia: Willy Decker zeigte Brittens 'Death in Venice' 2014 im Teatro Real. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
blättern

Alle Kritiken von Miquel Cabruja...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Schweriner Schätze: Die Merseburger Hofmusik und Michael Schönheit brechen eine Lanze für Johann Wilhelm Hertel. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Magischer Mahler: Das BRSO und Simon Rattle mit einer Referenz-Aufnahme der Neunten. Weiter...
    (Oliver Bernhardt, )
  • Zur Kritik... Nicht recht überzeugend: Einzig die Sängerin der Hauptrolle und zwei Nebenfiguren retten eine etwas schwache Keiser-Aufführung. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2022) herunterladen (2700 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich