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Sonntag, 31. Mai 2020

Bach, Johann Sebastian - Cantatas

Seelische Konflikte


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dieses Ensemble ist präzise in Artikulation und Rhythmus.

Mit großem Fleiß und Ehrgeiz spielt das Bach Collegium Japan seit über fünf Jahren Johann Sebastian Bachs Kirchenkantaten für das schwedische Label BIS ein. Die 13. Folge hat vier Werke aus der frühen Leipziger Zeit des Thomaskantors vereinigt, von denen jedes für sich genommen ein kleines Juwel ist, allein wegen der üppigen Eingangschöre und der reichen Holz- und Blechbläserbesetzung. Hört man sie unmittelbar hintereinander, wird ihr dramatischer Zusammenhang umso deutlicher: Der Erzähler vermittelt, wie aus froher Glückseligkeit tiefe Demut, aus selbstzerfleischender Depression zarte Hoffnung, aus strenger Disziplin inständiges Bitten um inneren Frieden werden kann, er schildert seelische Konflikte.

Die Musiker des Bach Collegiums Japan spielen auf hohem Niveau. Sie sind auf den alten Instrumenten technisch versiert, folgen Suzukis schnellen Tempi mühelos, setzen ihre dynamischen Abstufungen gekonnt ein und bilden einen geschlossenen Ensembleklang. Aber - und diese Einschränkung bezieht sich allein auf die Interpretation - um Bach-Kantaten einzuspielen, bedarf es ausgefeilter Detailgenauigkeit, insbesondere bei diesen polyphon verstrickten Chören, die oft mehr als zehnstimmig sind. Es fehlt an der nötigen Hingabe bei der Formung einzelner Passagen, an einer durchdachten Phrasenbildung, am gezielten Einsetzen und Beenden der Stimmen, am zeitgenauen Ein- und Ausschwingen der Töne. Würden solche Feinheiten bedacht, könnte Masaaki Suzuki vermeiden, dass der Gesamtklang verschwimmt und er mit jeder einsetzenden Stimme nur lauter, aber nicht polyphoner wird, dass insbesondere die äußerst filigranen Eingangschöre durchhörbar bleiben und nicht zu einem wohlklingenden Gemisch zusammenschmelzen. Denn bei aller Kritik: Präzise in Artikulation und Rhythmus ist dieses Ensemble, so dass immer noch ein schön gefärbter, vibratofreier Zusammenklang entsteht.

Aber auch an diesem Zusammenklang gibt es einschränkend zu bemerken, dass er doch sehr sopranlastig ist. In allen Chorstimmen gleichmäßig besetzt, haben besonders Alt und Bass große Mühe, ihre Funktion als Harmoniestütze und Fundament auszufüllen, selbst bei fugierten Einsätzen kann man diese Stimmen kaum ausmachen. Denselben Effekt stellt man im Orchesterklang fest: Die Basso continuo-Gruppe tritt kaum in Erscheinung und lässt sich vom Tuttiklang komplett vereinnahmen.

Bei den Solisten sind Yukari Nonoshita und Peter Kooy ausdrücklich zu loben. Nonoshita setzt ihre Stimme wie einen Knabensopran ein, was die Vorteile der ausgebildeten hellen, jungen Stimme mit dem des größeren Lungenvolumens eines Erwachsenen verbindet. Peter Kooij gestaltet seine Basspartien überzeugend in Phrasierung, Artikulation und Textausdeutung.

Die technischen Fertigkeiten dieses Ensembles sprechen durchaus für eine Fortsetzung dieser Reihe. Hier können sich viele Musiker ein Beispiel nehmen. Ob sich die fortlaufende Einspielung der Bach-Kantaten auf dem Tonträgermarkt durchsetzen wird, mag man bezweifeln. Die Konkurrenz mit ausgezeichneten Interpreten wie Gardiner, Herreweghe, Koopman bietet derzeit mehr Hörgenuss.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Kritik von Barbara Schönfeld,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Cantatas

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
23.10.2000
70:58
1999
2000
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
7318590010419
CD-1041

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Bach, Johann Sebastian


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Dirigent(en):Suzuki, Masaaki
Interpret(en):Bach-Collegium Japan, (Choir)


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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