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Mittwoch, 8. April 2020

Zender, Hans - Cabaret Voltaire & Mnemosyne

Am Rand der Sprache


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit großer Leichtigkeit und großer Stimme meistert sie, unterstützt vom glänzend spielenden Klangforum Wien, facettenreich und ausdrucksstark die vielfältigen Anforderungen.

Die Laut- und Klanggedichte Hugo Balls und die Hymnen Friedrich Hölderlins verbindet nicht viel. ,Jolifanto bambla o falli bambla’ schreibt der eine, ,Nämlich es reichen die Sterblichen eh an den Abgrund.’ der andere. Was trieb Hans Zender, diese so verschiedenen Gedichte zu vertonen? Bei näherer Betrachtung zeigen beide Dichter den selben Ausgangspunkt – die Unzufriedenheit mit der Sprache. Für Ball ist sie untragbar geworden, er benutzt selbst erfundene Worte. Hölderlin hatte mehr zu sagen, als er mit der Sprache sagen konnte, und verzweifelte daran.

Hans Zender als Komponist hat den Vorteil, mit der Musik auszudrücken zu können, was mit Sprache nicht möglich ist. Das ist ihm sehr gut gelungen, gerade mit der Vertonung von Hölderlins ,Mnemosyne’. Es ist, als schaute man Hölderlin beim Dichten zu, als materialisierten sich die Worte aus dem Geiste Hölderlins. Das Streichquartett webt ein seelisches Netz, eine dreidimensionale psychische Struktur um Hölderlins Worte. Gelegentlich illustriert Zender unauffällig. Der Klang ist vielgestaltig, man hört Geräusche, Gespinste, Glissandi, marcato-Arkkorde oder einen lang dauernden gleichmäßigen Rhythmus. Die Sängerin spricht zunächst, in der dritten Strophe wird gesungen.

In den Lautgedichten Hugo Balls versucht Zender die Atmosphäre nachzuzeichnen, was ihm sehr gut gelingt. Beispielhaft im bekanntesten Gedicht ,Karawane’: man hört schwimmend im Wüstensand der Dünenwellen den rufenden Beduinen. Das Kammerorchester ordnet sich der hier dominanten Sängerin unter.

Kongeniale Interpretin

Hans Zender benutzt die ihm eigene Technik der Ringmodulation. Die Stimme der Sprecherin/Sängerin behandelt er sehr virtuos und experimentell. Mit Salome Kammer konnte für die vorliegende Aufnahme eine kongeniale Interpretin gewonnen werden. Mit großer Leichtigkeit und großer Stimme meistert sie, unterstützt vom glänzend spielenden Klangforum Wien, facettenreich und ausdrucksstark die vielfältigen Anforderungen. Selten hört man eine Sängerin so hervorragend modulierend sprechen. Ein gut geschriebenes und ansprechend gestaltetes Booklet rundet diese ausgezeichnete Produktion ab.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Patrick Beck Kritik von Patrick Beck,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Zender, Hans: Cabaret Voltaire & Mnemosyne

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Kairos
1
16.11.2005
Medium:
EAN:

CD
9120010280207


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Kairos

KAIROS, das 1999 von Barbara Fränzen und Peter Oswald gegründete Label mit Sitz in Wien, widmet sich ausschließlich der Veröffentlichung von Werken Neuer Musik. Neben Werk- und Künstlerauswahl sind höchste Ansprüche in der Tontechnik und eine moderne Verpackung, unterstützt durch die Covergestaltung des österreichischen Malers Jakob Gasteiger, wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzepts.
KAIROS ist der erfüllte, der gelingende Augenblick. Mit diesem Wort benannte die griechische Antike die glückliche Übereinstimmung des Hier mit dem Jetzt, den günstigen Moment, der schicksalhaft entgegentritt und entschieden genutzt werden will.
KAIROS will jene erfüllte Zeit, die wir ?Musik? nennen, aufbewahren. Was musikalisch an der Zeit ist, heutigem Hören neue Räume und Erfahrungen öffnet, soll in Interpretationen, die den günstigen Moment ergriffen haben, für unsere Hörer gebannt werden.
Der Augenblick, und wäre er noch so schön, verweilt nicht. Aber er kann wiederkehren, und obwohl wir dann nicht mehr die selben sind, kann er uns erneut ergreifen und verwandeln. In diesem Sinn will KAIROS die Musik der Gegenwart, die unendlichen Abenteuer des Hörens, die sie bietet, der Zeitgenossenschaft zurückschenken. Damit die Gunst des Moments nicht ungenutzt vorüberzieht.
KAIROS will die Musik der Gegenwart wieder zu Musik für die Gegenwart machen. Dabei gehen wir in der Auswahl der Komponisten und ihrer Stücke keine Kompromisse ein: nur Musik, an deren Kraft und Fortbestehen wir glauben, die herausfordernde ästhetische Positionen einnimmt und neue Wege des Klangempfindens erschließt, soll in einer auf das individuelle Werk abgestimmten Aufnahmequalität präsentiert werden. Ausführliche, informative Booklets mit lesbaren Werkkommentaren und Beiträgen von Schriftstellern, die den Komponisten wahlverwandt sind, sollen nicht nur Musikkenner ansprechen sondern auch all jene neugierig machen, die neue künstlerische Entwicklungen unserer Zeit erleben wollen.
Die einzelne CD wird so zu einer Art Gesamtkunstwerk, ausgestattet mit einem Booklet, dessen Texte sich dem Nicht-Sagbaren der Musik auf essayistische, analytische und literarische Weise annähern, und in einer gleichermaßen kunstvollen wie praktikablen Box, deren Cover von dem österreichischen Künstler Jakob Gasteiger gestaltet sind. KAIROS: Musik als Wegbegleitung für den Aufbruch in neue Zeitalter.


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