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Donnerstag, 19. September 2019

Ariadne Daskalakis - Violino Arioso

Glanzstück der Gestaltung


Label/Verlag: Tudor
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Virtuosität der Geigerin steht außer Frage.

Der permanente Wechsel zwischen verschiedenen Musikstilen ist gerade für die Ausführenden mit einigen Problemen verbunden. Welches Instrument soll man für italienische Barockmusik einsetzen, welches für eine Schumann-Sinfonie, welches für ein Bernstein-Musical. Mit der Wahl für ein bestimmtes Instrument muss man sich auch für die entsprechende Technik entscheiden. Mancher Profimusiker löst dieses Problem einfach, indem er für jeden Stil ein- und dasselbe Instrument verwendet und damit natürlich Klangeinbußen hinnehmen muss. Eine Virtuosin wie Ariadne Daskalakis geht den anderen Weg: Sie spielt Musik vom Barock bis in die Gegenwart auf den jeweils zeittypischen Instrumenten, deren verschiedene Bauweisen und Spieltechniken sie mehrere Jahre studiert hat. Zum Repertoirestudium gehört auch die Beschäftigung mit der entsprechenden Aufführungspraxis, in ihrem Fall der Violine, wie sie im lesenswerten Booklet der bei Tudor erschienenen CD erläutert wird. Ariadne Daskalakis ist Primaria des Manon Quartetts, konzertiert mit klassischen Sinfonieorchestern und spielt Musik von Lutoslawski, Kurtag, Ligeti und Matthias Ronnefeld. Zusammen mit Helene Lerch und Gabriella Strümpel hat sie nun eine CD mit Barockmusik auf alten Instrumenten eingespielt. Allein diese Bandbreite ist schon Beachtung wert.

Auf dieser CD, die mit Violino arioso betitelt ist, sind Stücke bekannter und unbekannter Komponisten versammelt. Ihnen allen gemein ist, dass sie im weitesten als Variationen komponiert wurden: einige Grounds von Nicola Matteis (Vater), eine Sonate von Heinrich Ignaz Franz Biber, eine Division von Thomas Baltzar, von Corelli eine Sonate über ein zur Barockzeit beliebtes Thema und die zweite Partita von Bach. Biber kombinierte des öfteren Geräusche aus dem nichtmusikalischen Bereich mit abstrakteren Melodien. Seine Sonata Representativa enthält als Mittelteil einen Satz mit Imitationen von Tiergeräuschen (Vögel, Frosch und Katze) und einen Satz überschrieben mit Musquetier Mars. Dieses Werk gibt genügend Gelegenheit zur Präsentation der geigerischen Virtuosität. Zwei Ausgrabungen aus dem späten 17. Jahrhundert sind die Grounds und die Aria amorosa von Nicola Matteis, einem nach England übergesiedelten Italiener, der vor allem als Violinvirtuose und -lehrer berühmt wurde. Seine Kompositionen sind schlicht, durchaus von pädagogischem Anspruch, vom künstlerischen Anspruch her aber bei weitem nicht vergleichbar mit den Schulwerken von Bach. Auch die Sonate von Corelli passt nur vom Konzept der Komposition her in diese Reihe der Variationenwerke, vom Unterhaltungswert her fällt sie gegenüber den anderen Werken dieser Einspielung deutlich ab, ist sie doch zu schematisch und für die kleine Anzahl der Einfälle zu lang.

Von Thomas Baltzar, einem deutschen Violinvirtuosen, der über Schweden zum englischen Hof kam, sind nur wenige Kompositionen überliefert, hauptsächlich populäre Weisen und Tanzmusik. Seine hier eingespielte Division ist als Ergänzung dieser Sammlung europäischer Barockmusik zu verstehen.

Zum Ausweis ihrer geigerischen Fähigkeiten hat Ariadne Daskalakis ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Man kann ihren forschen Anstrich studieren, ihre meist kurze, entschiedene Bogenführung, ihre variable Tempogebung und ihre schnörkellose Intonation. Im Bereich der Dynamik befriedigt sie nicht die allerhöchsten Ansprüche, man vermisst eine klare Differenzierung zwischen den einzelnen Lautstärkegraden, eine durchdachte Crescendo-Decrescendotechnik im Zusammenspiel mit Cembalo und Violoncello. Die Interpretation der Partita von Bach ist ein Glanzstück der gestalterischen Fähigkeiten der amerikanischen Geigerin. Polyphone Melodiestrukturen, Doppelgriffe, virtuose Sechzehntelpassagen trägt sie ebenso wie ruhige, lyrische Abschnitte unaufgeregt und ohne Effekthascherei vor. Ihre Tempowahl, ihre Expressivität, ihre Tongebung bleiben geschmackvoll variiert, ihre Virtuosität steht insbesondere im Vergleich zu den vorigen Kompositionen außer Frage.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Kritik von Barbara Schönfeld,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ariadne Daskalakis: Violino Arioso

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Tudor
1
22.06.2004
69:16
2000
2000
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
7619911070816
7081

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Bach, Johann Sebastian
Baltzar, Thomas
Biber, Heinrich Ignaz Franz
Matteis, Nicola
 - Ground after the Scotch Humour -
 - Ground D-Dur "la sol re per far la mano" -
 - Allegro -
 - Nachtigal - Cu Cu - Fresch - Adagio - Die Henn, der Hahn - Die Wachtel - Die Katz -
 - Musquetir Mars -
 - Allemande -
 - Ground in E, adagio -
 - Aria amoroso -
 - A division on "John come kiss me now" -
 - Sonate op. 5 Nr. 12 "La Follia" -
 - 1. Allemanda -
 - 2. Corrente -
 - 3. Sarabande -
 - 4. Giga -
 - 5. Chaconne -


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Interpret(en):Daskalakis, Ariadne (Violin)
Lerch, Helene (Harpsichord)
Strümpel, Gabriella (Cello)


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Tudor

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