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Donnerstag, 2. Februar 2023

Schop, Johann - Hamburger Ratsmusik

Meister der städtischen Atmosphäre


Label/Verlag: Thorofon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es gibt viel Raum für die Musik, nichts wird appliziert, man setzt auf eine dosierte Kraftentfaltung und geschmackvolle Zurückhaltung.

Aus dem Barock sind uns überwiegend Komponisten bekannt, die sich mit ihrer Musik in wechselnd prekären Stellungen an fürstlichen Höfen ihr Brot verdienten. Mancher profitierte eine Zeit lang vom Kunstsinn eines Regenten und führte höfische Musik zu hoher Blüte – und konnte trotz großer Erfolge von dessen weniger feinfühligem Nachfolger dennoch ohne weiteres entlassen werden.

Interessante Gegenbeispiele liefern nicht selten jene Tonsetzer, die sich in städtischen Diensten befanden und, wie der allseits bekannte Georg Philipp Telemann zeigt, in der freieren, doch gleichwohl ebenfalls konfliktträchtigen, Stadtluft auf sehr verschiedenen musikalischen Feldern und in der Organisation musikalischer Praxis ihre Tätigkeit langfristig profilieren konnten.

Wie Telemann war der zunächst vor allem als Geiger hervorgetretene Johann Schop (ca. 1590-1667) ebenfalls in Hamburg tätig. Nach längeren Aufenthalten in Wolfenbüttel, in der Kapelle des dänischen Hofes und am Hof des Herzogs von Braunschweig-Lüneburg wandte sich Schop wieder in jene Stadt, in deren Ratsmusik schon sein Vater gewirkt hatte. Seit 1621 leitete er die Hamburger Ratsmusik bis kurz vor seinem Tod im Jahr 1667. Gelernt hatte der vielseitige Instrumentalist vor allem vom englischen Violinvirtuosen William Brade, der sich von 1608 an für zwei Jahre in Hamburg aufgehalten hatte. Aus dessen ästhetischen und kulturellen Vorstellungen schöpfte später auch Johann Schop, als er sich in seinen Instrumentalkompositionen deutlich an die Vorbilder der englischen ‚consort music’ anschloss.

In seiner auf der vorliegenden Platte vorgestellten umfangreichen Sammlung aus dem Jahr 1633 mit dem Titel ‚Erster Theil newer Paduanen, Couranten und Canzonen’ finden sich vor allem eingängige und kleine Formen, die deutlich an die englischen Vorbilder Brades, Dowlands und Holbornes anknüpfen. Ein im Grunde wenig variantes, dezentes Ausdrucksrepertoire verrät dabei auch einiges über den vorsichtig-konservativen Musikgeschmack der Hamburger Bürgerschaft jener Jahre. Doch obwohl Schop die zu Grunde liegenden Tänze mit seinen Sätzen in artifizielle, von jeder vordergründigen Praktikabilität entfernte Bereiche ‚enthebt’, bleiben die kurzen Stücke doch kraftvoll und lebendig.

Dezente Interpreten

 

Dafür sind die Musiker der ‚Hamburger Ratsmusik’ unter der kundigen Leitung Simone Eckerts verantwortlich. Sie musizieren stilsicher, fassen die verschiedenen Grundcharaktere der Musik treffend auf und entwickeln einen warmen, entspannten ‚Consort-Klang’, der eine kammermusikalische Atmosphäre schafft. Mit weicher, nachgiebiger Artikulation folgen die Musiker den kurzen Gliederungen der Tanzsätze und phrasieren angemessen und sinnfällig.

Und so ist möglicherweise auch ihr interpretatorischer Ansatz zu beschreiben: Es gibt viel Raum für die Musik, nichts wird appliziert, man setzt auf eine dosierte Kraftentfaltung und geschmackvolle Zurückhaltung – eine noble Haltung, die den ästhetischen Intentionen des Komponisten wie denen seiner zeitgenössischen Hörer entsprochen haben dürfte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schop, Johann: Hamburger Ratsmusik

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Thorofon
1
12.05.2006
Medium:
EAN:

CD
4003913124647


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Thorofon

In der nunmehr über 40jährigen Tradition von THOROFON wurde ein respektabler, vielfach preisgekrönter Katalog aufgebaut. Eine Schatztruhe für besondere musikalische Raritäten, die die Lücken in der Überlieferung der musikalischen Tradition ein bisschen verkleinern, und außerdem jungen, talentierten Interpreten eine Chance geben. Zu unseren Schätzen gehören ebenfalls Gesamteinspielungen von Ludwig van Beethovens Klaviersonaten, sämtliche Werke für Klavier solo von Johannes Brahms, Gesamtausgabe der Kammermusik von Josef Rheinberger, das Gesamtwerk von Louis Ferdinand Prinz von Preussen, das komplette Klavierwerk von Robert Schumann, eine Gesamteinspielung der Max Reger Kompositionen auf 13 CD, die das abwechslungsreiche Repertoire von THOROFON abrunden.

Auszeichnungen wie der ECHO KLASSIK (17 mal!) oder der Preis der Deutschen Schallplattenkritik versinnbildlichen den Anspruch des Labels und unterstreichen die Qualität der Produkte.

THOROFON ist ein Label der BELLA M USICA EDITION JÜRGEN RINSCHLER.


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