> > > Schop, Johann: Hamburger Ratsmusik
Mittwoch, 17. August 2022

Schop, Johann - Hamburger Ratsmusik

Meister der städtischen Atmosphäre


Label/Verlag: Thorofon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es gibt viel Raum für die Musik, nichts wird appliziert, man setzt auf eine dosierte Kraftentfaltung und geschmackvolle Zurückhaltung.

Aus dem Barock sind uns überwiegend Komponisten bekannt, die sich mit ihrer Musik in wechselnd prekären Stellungen an fürstlichen Höfen ihr Brot verdienten. Mancher profitierte eine Zeit lang vom Kunstsinn eines Regenten und führte höfische Musik zu hoher Blüte – und konnte trotz großer Erfolge von dessen weniger feinfühligem Nachfolger dennoch ohne weiteres entlassen werden.

Interessante Gegenbeispiele liefern nicht selten jene Tonsetzer, die sich in städtischen Diensten befanden und, wie der allseits bekannte Georg Philipp Telemann zeigt, in der freieren, doch gleichwohl ebenfalls konfliktträchtigen, Stadtluft auf sehr verschiedenen musikalischen Feldern und in der Organisation musikalischer Praxis ihre Tätigkeit langfristig profilieren konnten.

Wie Telemann war der zunächst vor allem als Geiger hervorgetretene Johann Schop (ca. 1590-1667) ebenfalls in Hamburg tätig. Nach längeren Aufenthalten in Wolfenbüttel, in der Kapelle des dänischen Hofes und am Hof des Herzogs von Braunschweig-Lüneburg wandte sich Schop wieder in jene Stadt, in deren Ratsmusik schon sein Vater gewirkt hatte. Seit 1621 leitete er die Hamburger Ratsmusik bis kurz vor seinem Tod im Jahr 1667. Gelernt hatte der vielseitige Instrumentalist vor allem vom englischen Violinvirtuosen William Brade, der sich von 1608 an für zwei Jahre in Hamburg aufgehalten hatte. Aus dessen ästhetischen und kulturellen Vorstellungen schöpfte später auch Johann Schop, als er sich in seinen Instrumentalkompositionen deutlich an die Vorbilder der englischen ‚consort music’ anschloss.

In seiner auf der vorliegenden Platte vorgestellten umfangreichen Sammlung aus dem Jahr 1633 mit dem Titel ‚Erster Theil newer Paduanen, Couranten und Canzonen’ finden sich vor allem eingängige und kleine Formen, die deutlich an die englischen Vorbilder Brades, Dowlands und Holbornes anknüpfen. Ein im Grunde wenig variantes, dezentes Ausdrucksrepertoire verrät dabei auch einiges über den vorsichtig-konservativen Musikgeschmack der Hamburger Bürgerschaft jener Jahre. Doch obwohl Schop die zu Grunde liegenden Tänze mit seinen Sätzen in artifizielle, von jeder vordergründigen Praktikabilität entfernte Bereiche ‚enthebt’, bleiben die kurzen Stücke doch kraftvoll und lebendig.

Dezente Interpreten

 

Dafür sind die Musiker der ‚Hamburger Ratsmusik’ unter der kundigen Leitung Simone Eckerts verantwortlich. Sie musizieren stilsicher, fassen die verschiedenen Grundcharaktere der Musik treffend auf und entwickeln einen warmen, entspannten ‚Consort-Klang’, der eine kammermusikalische Atmosphäre schafft. Mit weicher, nachgiebiger Artikulation folgen die Musiker den kurzen Gliederungen der Tanzsätze und phrasieren angemessen und sinnfällig.

Und so ist möglicherweise auch ihr interpretatorischer Ansatz zu beschreiben: Es gibt viel Raum für die Musik, nichts wird appliziert, man setzt auf eine dosierte Kraftentfaltung und geschmackvolle Zurückhaltung – eine noble Haltung, die den ästhetischen Intentionen des Komponisten wie denen seiner zeitgenössischen Hörer entsprochen haben dürfte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Schop, Johann: Hamburger Ratsmusik

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Thorofon
1
12.05.2006
Medium:
EAN:

CD
4003913124647


Cover vergössern

Thorofon

In der nunmehr über 40jährigen Tradition von THOROFON wurde ein respektabler, vielfach preisgekrönter Katalog aufgebaut. Eine Schatztruhe für besondere musikalische Raritäten, die die Lücken in der Überlieferung der musikalischen Tradition ein bisschen verkleinern, und außerdem jungen, talentierten Interpreten eine Chance geben. Zu unseren Schätzen gehören ebenfalls Gesamteinspielungen von Ludwig van Beethovens Klaviersonaten, sämtliche Werke für Klavier solo von Johannes Brahms, Gesamtausgabe der Kammermusik von Josef Rheinberger, das Gesamtwerk von Louis Ferdinand Prinz von Preussen, das komplette Klavierwerk von Robert Schumann, eine Gesamteinspielung der Max Reger Kompositionen auf 13 CD, die das abwechslungsreiche Repertoire von THOROFON abrunden.

Auszeichnungen wie der ECHO KLASSIK (17 mal!) oder der Preis der Deutschen Schallplattenkritik versinnbildlichen den Anspruch des Labels und unterstreichen die Qualität der Produkte.

THOROFON ist ein Label der BELLA M USICA EDITION JÜRGEN RINSCHLER.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Thorofon:

  • Zur Kritik... Schaurig schön: Diese Einspielung setzt die Wiederentdeckung des Melodrams durch Peter P. Pachl fort. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Rarstes und Unbekanntes: Auch in der dritten Folge der Melodramen-Edition von Thorofon ist das auch nur halbwegs Bekannte kaum existent. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Große Geigenkunst: Intelligent, sauber, mit Format gegeigt: Herwig Zack überzeugt auf ganzer Linie. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
blättern

Alle Kritiken von Thorofon...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... Noch immer avanciert: Das Chorwerk Ruhr und die Bochumer Symphoniker präsentieren Musik von Stockhausen und Kagel mit Überzeugung und Vermögen – als noch immer relevante Positionen und kennenswerte Etappen musikalischer Entwicklung. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Kammeroper in milder Dramatik: Roland Wilson hat mit seinen Ensembles einen so interessanten wie lohnenden Versuch unternommen, klingendes Leben in das Rätselraten um Heinrich Schütz' Oper 'Dafne' zu bringen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Englische Madrigalkunst: So delikat möchte man sich gern unterhalten lassen: In kunstvollem Satz, emotional berührt, nobel in der Gesamtwirkung. I Fagiolini mit einem schönen, lohnenden Wilbye-Porträt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Mendelssohns Feuerwerkmusik aus Paris: Lars Vogt verpasst den beiden Mendelssohn-Klavierkonzerten eine dramatische Wucht, die den Werken eine überraschend düstere Aura geben. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
  • Zur Kritik... Aufgetürmter Neubau: Telemanns Michaelis-Oratorium 1762 zeigt den Hamburger Komponisten auch in seinem letzten Lebensjahrzehnt auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Zwei Komponisten des Hochbarocks begegnen einander: Heinrich Ignaz Franz Biber und Georg Muffat lebten etwa zur selben Zeit und könnten sich in Salzburg begegnet sein. Dora Szilágyi und Flóra Fábri spüren Verwandtes und Unterschiede in der Kammermusik beider Komponisten auf. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7-8/2022) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich