> > > Schütz, Heinrich: Musikalische Exequien SWV 279-281
Montag, 15. August 2022

Schütz, Heinrich - Musikalische Exequien SWV 279-281

Englischer Schütz


Label/Verlag: Coro
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dennoch leistet Harry Christophers einen durchaus hörenswerten Beitrag unter der großen Zahl der Schütz-Einspielungen.

Die Werke Heinrich Schütz’ haben seit langem alle an der Alten Musik Interessierten früher oder später in ihren Bann geschlagen: Die deutschen Musiker ohnehin, die ohne den ‚Vater der deutschen Musik’ wichtige Entwicklungen späterer Jahre nicht sinnvoll darstellen und vermitteln konnten, aber auch die Protagonisten anderer Nationalität widmeten sich – wenn auch später und weniger intensiv – dem wichtigsten deutschen Komponisten des 17. Jahrhunderts. Schütz wurde immer stärker als das zentrale Bindeglied zwischen italienischem Stil der Zeit und der großen deutschen Musiktradition verstanden, das er tatsächlich war.

In der englischen ‚Szene’ machte sich neben dem verdienstvoll wirkenden Jeremy Summerly mit seiner ‚Oxford Camerata’ nun auch Harry Christophers mit seinem seit fast drei Jahrzehnten musizierenden Ensemble ‚The Sixteen’ an die Aufnahme einer Schütz-Platte.

Programmatischer Schwerpunkt der Aufnahme sind die Musikalischen Exequien, die Heinrich Schütz als Begräbnisgesang für Heinrich Posthumus Reuß schrieb. Christophers kombiniert sie sinnvoll mit verschiedenen Varianten des ‚Nunc dimittis’, das auch die Textgrundlage für den dritten Teil der Exequien abgibt. Dazu tritt noch eine Aufnahme des ‚Vater unser’ SWV 411, das sich inhaltlich und in seiner Besetzung günstig einfügt.

Diese Auswahl Schützscher Musik repräsentiert das Schaffen des Komponisten überzeugend und taugt trotz manch größerer Geste in den Tutti-Blöcken nicht zum barocken Protzen, Prunken und Darstellen – das verfehlte zwingend den Kern der auf vergeistigte Innerlichkeit und die gedankenvolle Verbindung von Wort und Musik abzielenden Kompositionen.

Zu viel Vordergrund

Harry Christophers hat mit ‚The Sixteen’ ein erfahrenes und stilsicheres Ensemble zur Verfügung, das dem Dirigenten willig folgt: Ein geschmackvoller, homogener, schmal besetzter Chor mit einer gemeinsamen, durchaus auf kernige Klangentfaltung setzenden musikalischen Vorstellung intoniert professionell und überzeugend, phrasiert geglückt und mit viel Verständnis für das musikalische Geschehen. Der insgesamt überzeugende Gesamtklang ist etwas zu sehr raumorientiert und damit vielleicht ein wenig zu diffus. Mit raschen, zupackenden Tempi bringt Christophers die Sänger dazu, in variabler dynamischer Abstufung zu musizieren. Hinzu tritt mit dem Instrumentalensemble ‚The Symphony of Harmony and Invention’ ein dezentes Conzinuo, im Bass-Solostück SWV 352a lösen sich zwei Violinen federnd-leicht als instrumentale Umspielung der Vokalstimme.

Doch mag das Ergebnis trotz all dem nicht ganz zu überzeugen: Zwar finden sich schöne Ensembleabschnitte im ersten Teil der Musikalischen Exequien, fasst Christophers diese Komposition insgesamt geglückt in zyklischer Weise auf – doch trübt ein beinahe sportiver Zugriff, der die Musik bisweilen hart, eckig und allzu direkt versteht, den Eindruck. Die bei Schütz so wichtige poetische Dimension, die sich aus einer behutsamen Annäherung an die Wort-Musik-Verbindung ergeben kann, bleibt unterbelichtet. Manche mögen dasselbe als frische und vitale Musizierfreude beschreiben – dem Rezensenten scheint es, als sei die Interpretation insgesamt zu sehr auf einen affektiven, eher vordergründigen Zugriff begrenzt, der das der Schützschen Musik innewohnende Gleichgewicht zugunsten des äußeren Glanzes verschiebt.

Dennoch leistet Harry Christophers einen durchaus hörenswerten Beitrag unter der großen Zahl der Schütz-Einspielungen, wenngleich sich der eigentliche Kern Schützscher Musik dessen konzeptionellem Zugang weitgehend entzieht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schütz, Heinrich: Musikalische Exequien SWV 279-281

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Coro
1
26.05.2006
Medium:
EAN:

CD
828021603624


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Coro

CORO is the lively and successful record label of Harry Christophers and The Sixteen. Formed in 2001 Coro has re-mastered, re-packaged and re-issued recordings of The Sixteen that were for a short time available on Collins Classics and now releases most of the ensemble?s new recordings. The label also features artists such as The Hilliard Ensemble, Elin Manahan Thomas and Sarah Connolly as well as a ?Live? series and young artists focus. It has recently launched the Acoustic World series of discs which epitomize CORO?s values of excellence of performance, authentic instruments, brilliance of sound and world class musicians.

Celebrated releases include Allegri?s Mierere, Tallis?s Spem in Alium and the complete Eton Choirbook Collection. More recently CORO has released brand new recordings by The Sixteen of Handel?s Coronation Anthems and Fauré?s Requiem with the Academy of St Martin in the Fields. The ensemble?s recording of Handel?s celebrated oratorio, Messiah, with an all-star soloist line-up: Carolyn Sampson, Catherine Wyn-Rogers, Mark Padmore and Christopher Purves, was awarded the prestigious MIDEM Classical Award 2009.

The Sixteen is recognised as one of the world?s greatest ensembles. Comprising both choir and period instrument orchestra, The Sixteen's total commitment to the music it performs is its greatest distinction. A special reputation for performing early English polyphony, masterpieces of the Renaissance, bringing fresh insights into Baroque and early Classical music and a diversity of twentieth-century music, is drawn from the passions of conductor and founder, Harry Christophers.

At home in the UK, The Sixteen are "The Voices of Classic FM", TV Media Partner with Sky Arts, and Associate Artists of Southbank Centre, London. The group promotes an annual series at the Queen Elizabeth Hall as well as The Choral Pilgrimage, a tour of our finest cathedrals bringing music back to the buildings for which it was written. The Sixteen has recently featured in the highly successful BBC Four television series, Sacred Music, presented by actor Simon Russell Beale.

The Sixteen tours throughout Europe, Japan, Australia and the Americas and has given regular performances at major concert halls and festivals worldwide, including the Barbican Centre - London, Bridgewater Hall - Manchester, Concertgebouw - Amsterdam, Sydney Opera House, Tokyo Opera City and Vienna Musikverein and also at the BBC Proms, the festivals of Granada, Lucerne, Istanbul, Prague and Salzburg.

Bringing together live concerts and recording plans has allowed The Sixteen to develop a glittering catalogue of releases, containing music from the Renaissance and Baroque through to great works of our time.


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