> > > Léhar, Franz: Eva
Sonntag, 25. September 2022

Léhar, Franz - Eva

Hängende Spannungsbögen


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die bislang einzige Gesamtaufnahme der Operette konnte zwar mit Alfredo Kraus glänzen, war aber ausgerechnet auf Spanisch. Abhilfe schafft nun das Label cpo.

Lehárs oftmals als Sozialoperette verpönte ‘Eva’ sorgte bei der Uraufführung 1911 zunächst einmal für Skandale. Dem bürgerlichen Publikum roch es in dem Stück um das Fabrikmädel Eva, das sich dem zudringlichen Fabrikanten Octave entziehen muss, um ihn dann letzten Endes doch zu erhören, zu sehr nach Arbeiterrevolte und sozialistischem Sprengstoff.

Trotzdem hatte Lehárs Operette zunächst Erfolg. Bald aber geriet das Stück fast gänzlich in Vergessenheit und war neben den großen Operettenschlagern Lehárs kaum bekannt. Dabei hat das Stück einiges zu bieten. Neben einem delikaten Orchestersatz und der gewandten Durchführung von Nummern uns Szenen wartet ‘Eva’ mit schmissigen Soli und verführerischen Duetten auf. Lehár in Höchstform!

Ausgerechnet Spanisch

Die bislang einzige Gesamtaufnahme der Operette konnte zwar mit Alfredo Kraus glänzen, war aber ausgerechnet auf Spanisch. Abhilfe schafft nun das Label cpo. Letztes Jahr erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Lehár-Festival Bad Ischl die erste originalsprachige Einspielung, die allerdings technisch nicht durchgängig das hohe Niveau des Labels cpo hält. Im Vergleich zur Musik sind die Dialogszenen viel zu leise geraten. Auch wenn es den Sängern in den gesprochenen Passagen an Spritzigkeit und natürlicher Anmut fehlt, hätte man sie gern verstanden, ohne am Regler drehen zu müssen.

Charmante Momente

Trotz mancher Intonationsprobleme ist Reinhard Alessandri als Octave der überzeugendste Sänger dieser Produktion. Leider kann Moreini Fadayomi in der Hauptrolle da nicht mithalten. Mit flackernder Tonbildung und erkämpfter Höhe lässt sie kaum einmal Walzerseligkeit aufkommen. Leichtfüßigkeit und Eleganz wird sie wohl bei den Flirts mit ‘Lady Macbeth’ und anderen dramatischen Partien in der Vergangenheit eingebüßt haben. Nur wenige Stimmen vertragen so etwas. Darauf nimmt der Markt heutzutage aber in den seltensten Fällen Rücksicht.

Angestrengt ist auch Zora Antonic in der Rolle der Pipsi. Dennoch singt die Kroatin ihre Rolle mit Geschmack und Sinn für das Genre. Zusammen mit dem Buffo Tenor Thomas Malik als Dagobert sorgt sie für die charmantesten Momente der Aufnahme.

Am Pult lässt Wolfgang Bozic zu viel Umsicht walten. Die Feinheiten der Partitur werden durch das Lehár-Orchester zwar exemplarisch verdeutlicht, zwischen den effektvollen Finali hängen die Spannungsbögen aber durch. Dabei hat Lehár selbst auf Platte vorgemacht, wie es gehen kann. Ein paar Auszüge aus ‘Eva’ unter seinem Stab zeigen das enorme Potential, dass dieses Werk auch in Aufnahmen haben kann. So steht eine Referenzaufnahme also noch aus.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Léhar, Franz: Eva

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
cpo
2
20.05.2006
02:06:09
2005
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
761203714827
777148-2


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Lehár, Franz
 - Eva - Erster Akt


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Dirigent(en):Bozic, Wolfgang
Orchester/Ensemble:Franz Lehár-Orchester
Interpret(en):Antonic, Zora
Zisterer, Thomas
Malik, Thomas
Fadayomi, Morenike
Herbst, Karl
Andreev, Kostadin
Widmann, Florian
Giglmayr, Christian
Balluch, Gerhard


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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