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Samstag, 22. Januar 2022

Mozart, Wolfgang Amadeus - Violin Sonaten

Mozarts Duosonaten in romantisierender Interpretation


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dem diesjährigen Mozart-Jahr verdanken wir eine schon jetzt kaum überschaubare Schwemme neuer Einspielungen.

Dem diesjährigen Mozart-Jahr verdanken wir eine schon jetzt kaum überschaubare Schwemme neuer Einspielungen. Selbst Interpreten, die sich normalerweise weniger häufig mit Mozarts Musik auseinandersetzen, wagen sich an Neuaufnahmen entsprechender Kompositionen. Gil Shaham, meist eher auf Repertoirewerke der romantischen Violinliteratur spezialisiert, hat gleichfalls einen Beitrag zum Kreis dieser Neuproduktionen geleistet: Gemeinsam mit seiner Schwester, der Pianistin Orli Shaham, hat er sich die 'Six Sonates pour Clavécin ou Forté Piano avec Accompagnement d’un Violon' vorgenommen. Mozarts großer Sonatenzyklus für Klavier und Violine, 1778 in Mannheim und Paris entstanden und anschließend in der französischen Hauptstadt gedruckt, gilt heute als Meilenstein in der Entwicklung innerhalb der Gattung Duosonate, da es hier erstmals zu einer musikalischen Gleichberechtigung der beiden Duopartner kommt, obgleich der Werktitel die Violine noch immer als begleitendes Instrument gegenüber dem dominierenden Klavier ausweist.

Gil Shahams Vortrag bleibt dennoch überraschend zurückhaltend: Wenn das Klavier die führende Rolle übernimmt, tritt er mit seiner Begleitung dezent in den Hintergrund, ohne sich dem Hörer durch übertriebene Betonung der Begleitfiguren aufzudrängen, wie dies bei anderen Interpreten leider häufig der Fall ist. So unscheinbar diese Beobachtung auch sein mag, ist sie doch ein brauchbares Indiz für die generelle Qualität des Musizierens. Das Zusammenspiel der Geschwister ist hervorragend und wird immer wieder zum spannenden Austausch musikalischer Gedanken, der durch die Wahrung von Vorder- und Hintergrundstrukturen ganz entscheidend gestaltet wird. Allerdings vertritt das Duo eine etwas zu stark romantisierende Werkauffassung, die sich gänzlich unbeeinflusst zeigt von den Erkenntnissen des Musizierens mit historischen Instrumenten.

In manchen Sätzen kommt die Musik daher ein wenig zu gewichtig daher, denn die Interpretation der Geschwister ist meist von einer emphatischen Tongebung, voller romantischem Espressivo. Manchmal werden die Melodiebögen unter dem dichten Spiel der Violine gar erdrückt und erfahren nur wenig artikulatorische Nuancierungen, was etwa für den ersten Satz aus der Sonate A-Dur KV 305 gilt. Insbesondere die dramatische Sonate e-Moll KV 304 überzeugt daher nicht so recht, und vor allem ihr abschließender Satz, ein stilisiertes Menuett, wirkt passagenweise etwas überzeichnet.

Es gibt jedoch auch andere, ausgesprochen starke Momente: So wird im Kopfsatz der Sonate G-Dur KV 301 aus dem gleichberechtigten Dialog ein fast zärtlich zu nennender Austausch musikalischer Gesten, bei dem die Lautstärke bis zu den äußersten Grenzen zurückgenommen wird, während umgekehrt die unterschiedlichen Stimmungen des abschließenden Allegros mit viel Witz eingefangen werden. Ein musikalisches Ereignis ist auch das Schlussrondo aus der Sonate Es-Dur KV 302, das trotz ruhiger Tempowahl mit zauberhaften, äußerst kontrastreich vorgetragenen Schattierungen aufwartet. Und schließlich gelingt es den Geschwistern Shaham auch, dem konzertanten und daher weniger zurückhaltenden Anspruch der dreisätzigen Sonate D-Dur KV 306 mit einer brillanten und dennoch zugleich auch verspielten Umsetzung gerecht zu werden.

Klanglich ist die DVD, ausgestattet mit den Soundformaten Stereo, Dolby Digital 5.1 und DTS 5.1, ein wenig unbefriedigend. Dies ist nicht auf Mängel der Technik zurückzuführen, sondern resultiert aus den akustischen Verhältnissen des Aufführungsraumes im Wiener Palais Daun-Kinsky, die aufgrund des Nachhalls für den modernen Konzertfügel eher ungeünstig sind. Bisweilen verschwimmt daher in den raschen Sätzen der Klang des Instruments, woraus sich im Zusammenwirken mit der dichten Spielweise der Violine ein etwas verwaschener Gesamtklang ergibt. Erfreulich ist allerdings die Bildregie, die über die ganze Dauer der DVD hinweg sehr zurückhaltend und dezent bleibt: Keiner der beiden Duopartner wird besonders in Szene gesetzt, die Kamera folgt auf sehr unaufdringliche Weise der dialogischen Anlage der Musik, und sinnvoll eingesetzte Zooms unterstützen zudem das partnerschaftliche Musizieren.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Violin Sonaten

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Anzahl Medien:
EuroArts
1
Medium:
EAN:

DVD
880242551887


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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