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Sonntag, 16. Mai 2021

Schönberg, Arnold - Serenade op.24

Schroff und begeisternd!


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit enormer Kraft und einer schroffen Klanglichkeit hat das Twentieth Century Classics Ensemble New York die Serenade Op. 24 von Arnold Schönberg aufgenommen. Unbedingt zu empfehlen!

‘Wiener Geklimper’ nannte Leoš Janáèek die Serenade op. 24 von Arnold Schönberg, als er sie 1925 während einer Aufführung in Venedig erstmals hörte. Offensichtlich, so der Dirigent Robert Craft in seinem ausführlichem Einführungstext, spielte Janáèek nicht nur auf die im Werk besetzte Mandoline und die Gitarre an, sondern auch auf den extensiven Gebrauch von pizzicato- und col legno Spiel der Streicher und dem häufigen Gebrauch der Flatterzunge in der Klarinettenstimme. Und in der Tat fällt das überaus schroffe, zuweilen wirklich entfernt an Schrammelmusik erinnernde Klangbild der Serenade sofort ins Ohr. Was Janáèek einstmals kritisierte, ist in der vorliegenden, beim Label Naxos erschienenen Aufnahme bis auf die Spitze getrieben. Der erste Satz, ein Marsch, explodiert regelrecht in seiner berstenden Klanglichkeit. Es zirpt und kratzt, jegliche Süßlichkeit ist ausgetrieben und hin und wieder scheinen walzerseelige Floskeln wie verrückt gewordene Fratzen durch den strengen Satz.

Diese ungestüme Aufnahme, es spielt das Twentieth Century Classics Ensemble New York, setzt vollkommen neue Maßstäbe. Enormer Schönklang, und tänzelnder, wienerischer Charme werden auf engstem Raum verzahnt mit wilden Ausbrüchen und stets nach vorne drängender Vitalität. Schon die ersten paar Sekunden des ersten Satzes nehmen den Hörer sofort ein; die Musiker treiben die Musik bis an ihre Grenzen – so ist der Weg zum Geräuschhaften manchmal nicht weit. Die schon beschriebenen Farbmischungen aus Flatterzunge und col legno Spiel der Streicher weisen weit über die Gegenwart Schönbergs hinaus – auch bezüglich der Klangfarbe hat Schönberg sehr viel weiter in die Zukunft gesehen, als so mancher Zeitgenosse. Gerade die ungestüme, fast gewalttätige Kraft der Serenade kann den Hörer für den noch immer oftmals als drögen Neutöner missachteten Visionär Schönberg durchaus einnehmen – insbesondere in dieser erstaunlichen Aufnahme: Das Tempo steht vom Anfang bis zum Ende fest wie ein ehernes Gesetz, die Dynamik erreicht eine unglaubliche Bandbreite, die Einzelleistungen der Musiker (allen voran Peter Press auf der Mandoline!) sind mindestens spektakulär zu nennen und bei allem direktem Ausdruck, scheint doch alles stets kühl kalkuliert – so geht niemals eine Stimme im polyphonen Geflecht unter, alles ist immer und überall hörbar. Das Twentieth Century Classics Ensemble hat eine Meisterleistung hingelegt, die ihres Gleichen suchen muss und selten finden wird.

Möglicherweise ist es ein genialischer Geist, der durch die Londoner Abbey Road Studios weht und die dort arbeitenden Musiker zu Höchstleistungen inspiriert: Dort wurden auch Schönbergs Variationen für Orchester, Op. 31 durch das Philharmonia Orchestra unter Robert Kraft aufgenommen. Die Aufnahme dieses Werks steht der etwas älteren Aufnahme der Serenade in nichts nach: die Durchsichtigkeit der Aufnahme ist absolute spitze. Man kann wirklich jedes Detail hörend nachvollziehen und nichts geht in einem sumpfigen Klangbrei unter – denn diese Gefahr besteht in Schönbergs mit starkem Blech besetzten Stücken ja durchaus. Wie sich hohe Streicher, tiefes Blech und Holzbläser in mittlerem Register etwa in der fünften Variation gegenseitig ergänzen, anstatt sich in gefälligem Einerlei auszulöschen, das ist enorm und begeisternd! Die Meisterleistung besteht jedoch nicht nur in der rein analytischen Wiedergabe, sondern darin, dass gerade durch die Schärfe und Präzision ein enormer Ausdruck zum tragen kommt. Waren die Initialen Johann Sebastian Bachs schon in den Variationen klingend zugegen, so wird diese überaus empfehlenswerte CD durch Schönbergs Instrumentation einiger Bachscher Choralvorspiele abgerundet, die neben Schönbergs analytischem Denken auch dessen instrumentatorische Meisterschaft zeigt. Auch diese Bach Bearbeitungen sind hervorragend gespielt und ein weiteres Abenteuer für offene Ohren.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Gordon  Kampe Kritik von Gordon Kampe,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schönberg, Arnold: Serenade op.24

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
27.03.2006
Medium:
EAN:

CD
747313252220


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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