> > > Kraus, Joseph Martin: Sonate in E-Dur
Dienstag, 17. September 2019

Kraus, Joseph Martin - Sonate in E-Dur

Kraus' Bereicherungen


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Klaviermusik von Joseph Martin Kraus bietet eine interessante Abwechslung zur Wiener Klassik, die vorliegende Einspielung kann aber neben zwei hervorragenden Sonaten nicht gänzlich überzeugen.

Wenn das gesamte pianistische Schaffen eines Komponisten auf einen einzigen Silberling passt, so kann es kein Mozart sein. Doch ganz so weit sind wir nicht davon entfernt, der ’schwedische Mozart’, ist sein etwas überholter und musikalisch größtenteils auch unangebrachter Spitzname, die Rede ist von Joseph Martin Kraus – in den Lebensjahren 1756-1792 Mozart näher als in weiten Teilen seiner Kompositionen.

Nun liegt also die gesamte Klaviermusik Kraus’ vor mit dem niederländischen Pianisten Ronald Brautigam, der beispielsweise mit seinen Einspielungen der Beethoven’schen Klaviersonaten hohes Interesse auf sich zog. Ein wenig mehr Nische des Repertoires und immer noch auf dem wohlklingenden Hammerflügel widmet sich Brautigam den selten gespielten Werken und wie bei vielen Werken Kraus’ muss man sich fragen, warum vor allem die beiden Hauptwerke, die Sonaten in E-Dur (VB 196) und Es-Dur (VB 195), ein derartiges Schattendasein fristen. In ihren Anlagen sind sie eine gewaltige Mischung aus Barock-Erinnerungen, Gedankengut der Klassik und romantischem Fortschritt, insbesondere jene in E-Dur mit der die CD beginnt.

Flexibel den musikalischen Gedanken Kraus’ folgend lässt sich Brautigam auf die nicht immer den klassischen Formen gehorchenden Melodien ein und präsentiert mit seinem historisch angehauchten Hammerflügelklang eine ansehnliche, durchweg logisch aufgebaute Interpretation. Auftrumpfend und voller Spielwitz entwickeln sich die Schlusssätze der beiden Sonaten, insbesondere die sich kreativ verstrickenden Variationen gehören zusammen mit dem ’Scherzo con variazoni’ (VB 193) zu den tänzerisch gehaltvollen Seiten dieser Einspielung.

Der Komplettierung zu einer Gesamteinspielung der Klavierwerke fehlen dann noch neben einem zurückhaltenden, sensiblen, aber auch etwas monotonen Rondo in F-Dur (VB 191) einige kleinere Werke, namentlich die etwas gehaltlosen Schwedischen Tänze VB 192, sowie ein 40sekündiges, aber in seinem Mollcharakter berührendes Larghetto VB 194 und die ’Zwey neuen Kuriosen Menuette fürs Clavier’ (VB 190). Von angekündigter Kuriosität ist hier plakativ nichts zu spüren, das informative Booklet verrät aber, dass sich Kraus hier auf Kosten eines unliebsamen Kritikers lustig macht und die banalen Entwicklungen des knappen Stückes auf ihn gemünzt sind. Nichtsdestotrotz kein humorvolles, sondern langweilendes kurzes Stück, welches auch Ronald Brautigam nicht retten kann, da er zu subtil kleine Schärfen hervorzukehren sucht.

Insgesamt besonders dank der beiden Sonaten eine interessante Entdeckung, die so manches Ungehörte für den Mozartfan (und andere) mit sich bringen dürfte, wenn auch die restlichen Werke zur Rechtfertigung als ’Gesamteinspielung’ mehr Biss, Innovation oder eindringlicher Gestaltung bedurft hätten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Kraus, Joseph Martin: Sonate in E-Dur

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
24.03.2006
Medium:
EAN:

CD
7318590013199


Cover vergössern

BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag BIS Records:

  • Zur Kritik... Für Studienzwecke geeignet: Schumanns Streichquartette sind Meisterwerke der Kompositionskunst. Das Engegård Quartet aus Norwegen nähert sich akademisch. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Chinesische Erinnerungen: Zwei Violinkonzerte zeigen den Komponisten Tan Dun von ganz verschiedenen Seiten. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Meisterliche Mugge: Freunde der romantischen Kammermusik für Klavier und Streicher dürften mit dieser hybriden SACD ihre Freunde haben. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
blättern

Alle Kritiken von BIS Records...

Weitere CD-Besprechungen von Alexander Gurdon:

  • Zur Kritik... Robert Simpsons unbekannte Sinfonik: Elf unbekannte Sinfonien ziehen den Hörer zu dieser CD-Box, doch neben den eindrucksvollen Interpreten wissen die Kompositionen nicht immer zu überzeugen. Weiter...
    (Alexander Gurdon, )
  • Zur Kritik... Charme und Staub: Zwei rare Konzertmitschnitte von Carl Schuricht belegen seine dirigentische Größe, ein umfangreicher Portraitfilm hingegen kommt nicht über den Status eines blassen Zeitdokuments hinaus. Weiter...
    (Alexander Gurdon, )
  • Zur Kritik... Grauen- und seelenvolle Quartette: Das St. Lawrence String Quartet widmet sich drei düsteren Streichquartetten Dmitrij Schostakowitschs, größtenteils mit Kraft und plastischem Schrecken, aber auch mit zu seltenen intimen Momenten. Weiter...
    (Alexander Gurdon, )
blättern

Alle Kritiken von Alexander Gurdon...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Üppige Symphonik aus Frankreich: Das Philharmonische Orchester Freiburg unter Fabrice Bollon legt hier Magnards dritte und vierte Symphonie in lebhaften Aufnahmen vor. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Besonderes Erlebnis: Auf ihrem Debüt-Album kann Moné Hattori ihr immenses Talent voll ausspielen. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Starke Crossover-Platte: Das WDR Funkhausorchester Köln serviert drei Symphonic-Jazz-Leckerbissen für Klarinette und Orchester. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (8/2019) herunterladen (3670 KByte) Class aktuell (3/2019) herunterladen (8670 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich