> > > Onslow, George: Streichquintett e-Moll, op. 19
Samstag, 10. April 2021

Onslow, George - Streichquintett e-Moll, op. 19

Feine Kammermusikplatte


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Im Falle von Onslow setzt das Label die bereits mit Streichquartetten und Sinfonien begonnene Entdeckungsreise fort.

Wer ein Streichquintett zu komponieren gedachte, musste sich entscheiden, ob er einer zweiten Bratsche oder einem zweiten Violoncello den Vorzug geben wollte; für letzteres entschied sich Luigi Boccherini, der als ‚Erfinder’ des Streichquintetts gelten kann, und dem in dieser Variante viele spätere Komponisten gefolgt sind. Anders Mozart, der die Bratsche verdoppelte; die beiden Möglichkeiten sind als Pariser bzw. Wiener Modell bekannt geworden. Auch Georges Onslow (1784-1853), dessen im Moment wiederentdeckte Musik ein Geheimtipp für Kammermusikfreunde ist, und Luigi Cherubini (1760-1842) folgen in ihren Streichquintetten dem Vorbild Boccherinis. Gleich drei Streichquintette der beiden Komponisten gibt es auf der vorliegenden, mit fast 80 Minuten Spielzeit zum Bersten gefüllten CD des Labels cpo zu entdecken. Im Falle von Onslow setzt das Label die bereits mit Streichquartetten und Sinfonien begonnene Entdeckungsreise fort, mit der Einspielung von Cherubinis Quintett wird die bereits vorliegende Gesamteinspielung seiner sechs Streichquartett abgerundet.

Georges Onslow

Zwei Quintette des Franzosen Georges Onslow gibt es zu hören: das recht frühe Quintett e-Moll op. 19, das spürbar vom seinerzeit populären ‚Quatuor brillant’ beeinflusst ist, weist es doch der ersten Violine eine exponiert-virtuose Rolle zu, während die klanglichen Möglichkeiten der Besetzung ansonsten eher unausgereizt bleiben, und das deutlich reifere Quintett g-Moll op. 51, das, neben einer ausgewogeneren Gestaltung auch durch zahlreiche charakteristische Besonderheiten auffällt. So ziehen sich durch alle vier Sätze choralartige Themen, die einen Ruhepol im ansonsten nicht selten geschäftigen Treiben darstellen und dem ganzen Werk eine eigenwillige Färbung verleihen. Das junge Diogenes-Quartett, durch den Cellisten Manuel van der Nahmer zum Quintett erweitert, kostet die Möglichkeiten des g-Moll-Quintetts dann auch nahezu perfekt aus; gepaart mit technischer Brillanz, aufmerksamem Zusammenspiel und reiner Intonation entsteht eine eindringliche Deutung von großer Intensität. Aus dem Frühwerk hingegen hätte man etwas mehr herauskitzeln können; die Interpretation ist dann doch zu brav, um dem etwas hausbackenen Werk zu Glanz zu verhelfen. Bei erfreulich differenzierter Artikulation und überlegter Phrasierung ist jedoch auch das frühe Quintett weit von reiner Pflichtbewältigung entfernt.

Luigi Cherubini

Luigi Cherubini kennt der Musikfreund in erster Linie wegen seiner Opern – hier hat er als Wegbereiter der Grand Opéra, aber auch als Vorbild für Beethovens ‚Fidelio’ zu gelten – und seiner Kirchenmusik. Seine Vorbilder waren Palestrina und Haydn, wobei natürlich für die Instrumentalmusik in erster Linie der Wiener Klassiker von Bedeutung ist. Gegen Ende seines Lebens plante Cherubini, drei Streichquintette zu komponieren, von denen jedoch nur eines, das hier eingespielte in e-Moll, zur Ausführung gelangte. Cherubini versuchte in seinen Kammermusikwerken verschiedene Einflüsse zu vereinigen; die Konsequenz war ein durchaus eigenständiger Stil, der sich nicht problemlos in die Entwicklungslinien der Gattung einordnen lässt. Die fünf Musiker überzeugen auch hier durch ihren kraftvoll-vitalen Zugriff auf das Werk, die das Hören zum kurzweiligen Vergnügen macht.

Pflichtkauf

Unterstützt durch eine einwandfreie Klangtechnik, die den Quintettklang in größter Transparenz und dynamischer Ausgewogenheit vermittelt, sowie durch ein ausführliches und gut strukturiertes Booklet, das kompetent und verständlich in die Künstlerpersönlichkeiten und ihre Werke einführt, erhebt sich diese Produktion, die alle drei Werke zudem in Weltersteinspielungen erstmals dem Markt zur Verfügung stellt (im Falle Cherubinis gilt das jedoch ‚lediglich’ für die ‚vollständige’ Version), zu einem Pflichtkauf für entdeckungsfreudige Kammermusikfreunde.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Onslow, George: Streichquintett e-Moll, op. 19

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
cpo
1
20.03.2006
01:19:59
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
761203718726
777 187-2


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Cherubini, Luigi
 - Streichquintett e-Moll -
Onslow, George
 - Streichquintett e-Moll, op. 19 -
 - Streichquintett g-Moll, op. 51 -


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Interpret(en):van der Nahmer, Manuel


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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