> > > Tschaikowsky, Peter Iljitsch: Sinfonie Nr. 5 in e-Moll, op. 64
Dienstag, 17. September 2019

Tschaikowsky, Peter Iljitsch - Sinfonie Nr. 5 in e-Moll, op. 64

Tschaikowskys Fünfte, makellos


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Tschaikowsky - einsichtsvoll und frei von Mätzchen, mit einem der besten Orchester auf Erden. Keine Sensation zwar, aber hörenswert.

Das Wichtigste zuerst: Der Philadelphia Sound ist noch immer vernehmbar, Jahrzehnte nach Stokowskis und Ormandys Tod. Es darf vorausgesetzt werden, dass Christoph Eschenbach (GMD seit 2003) sich verpflichtet fühlt, die klangliche Identität des Orchesters zu wahren. Diese Ondine-Aufnahme der Fünften Tschaikowskys ist immerhin verheißungsvoll geraten. Das Philadelphia Orchestra hebt sich heute wie damals von mitteleuropäischen Ensembles durch rhythmische Kraft und Brillanz ab, von amerikanischen und englischen durch fülligen, bassschwarzen Klang. Dabei kommt es – anders als Chicago Symphony – ohne Schaustellung schieren Volumens aus. Keine schlechten Voraussetzungen für Tschaikowskys sinfonisches Meisterstück. Es stellt sich dar als ‚ein’ Zusammenhang, aus einem Guss – nicht zuletzt durch Eschenbachs gemessene, gleichwohl nicht schleppende Tempi. Trotz satten, süffigen Klangs kommen instrumentale Details, zumal in den Mittelstimmen, bestens zur Geltung. (Keiner hat besser instrumentiert: Brahms und Dvořák eingeschlossen.) Nicht wenige Motive gewinnen unvermutet klare rhythmische Kontur. (Das ist unter anderem einer vorzüglichen Aufnahmetechnik geschuldet.)

Dass Musiker diesen Ranges mit unfehlbarer technischer Präzision – und kontrollierter Emphase – aufwarten, versteht sich von selbst. Ihr straffer, unsentimentaler Zugriff bekommt diesem (immer noch unterschätzten) Werk überaus gut. Eschenbachs Fünfte gehört ohne Zweifel ins obere Drittel der Einspielungen. Dennoch: Vor dem allerhöchsten Maßstab kann sie nicht bestehen. Celibidaches späte Darstellung (EMI) zählt zu den fesselndsten Erfahrungen, die sinfonisches Musizieren jemals vermitteln konnte. Wie die Münchner Philharmoniker die ersten Phrasen des langsamen Satzes aufbauen – das ist architektonische Kunst, die sprachlos macht. Wohlgemerkt: Das ist kein Vorwurf an Eschenbach. Vor diesem Maß muss ‚jeder’ Interpret versagen. Kein lebender Dirigent kommt Celibidache in der Vergegenwärtigung sinfonischer Zusammenhänge gleich. Für Tschaikowsky gilt das noch mehr als für Bruckner.

Eschenbachs pianistische Diskographie ist vergleichsweise spärlich. Umso erfreulicher, dass er der Fünften Tschaikowskys Klavierzyklus ‚Jahreszeiten’ beigibt. Ob manche Passage in der Karnevalsszene des ‚Februar’ noch behänder, geläufiger dargestellt werden könnte – ob Eschenbach an pianistische Grenzen stößt –, darüber mag man streiten. Musikalisch jedenfalls gibt es nichts zu bekritteln: Dies sind durchdachte, wohlartikulierte Lesarten. Eschenbachs Artikulation, Dynamik und Phrasierung sind über jeden Zweifel erhaben. Die makellose Anschlagskontrolle verdient, besonders gewürdigt zu werden. Diese ‚Jahreszeiten’ können als Referenzaufnahme gelten, umso mehr, als an Einspielungen dieses Werks kein Überfluss herrscht.

Interpretation:
Klangqualität:
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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Tschaikowsky, Peter Iljitsch: Sinfonie Nr. 5 in e-Moll, op. 64

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ondine
1
29.03.2010
Medium:
EAN:

SACD
761195107652


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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