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Samstag, 7. Dezember 2019

Asia Piano Avantgarde - Japan Vol. 1

Tradition und Innovation


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Insgesamt ist diese Einspielung reizvoll und durchaus empfehlenswert für Liebhaber.

Das breite Spektrum zeitgenössischer japanischer Komposition für Klavier stellt die Selektion auf der vorliegenden CD zusammen. Obwohl die Komponisten relativ unvertraut sind, wirkt ihre Musik doch vertraut – wie Schleiermacher schreibt; und nach wie vor suchen japanische Komponisten ihre Lehrer im Ausland. Die meisten Musikschreiber der Selektion entstammen der älteren Generation der Avantgarde und sind, bis auf Hosokawa, vor den 50ern geboren. Die meisten der ausgewählten Stücke stammen aus den 60ern und 70ern. Daneben stehen aleatorisch angelegte, sehr offene Werken von Ichiyanagi, die Aphorismen II (1972) von Maki Ishii, ‘Suien’ von Kazuo Fukushima, die gleichsam a-metrische Komposition ‘High Window’ von Jo Kondo und ‘Cosmos Haptic’ von Joji Yuasa.

Und in der Tat scheint die Musik vertraut. Obgleich die Rückgriffe auf die japanische Tradition ein wesentliches Element bilden, scheinen die Kompositionen durchzogen von Ideen, die die westliche Avantgarde prägen/geprägt haben. So sind Ichiyanagis Kompositionen in der Tradition von John Cage – und ‘music for piano No.4’ ist sogar David Tudor gewidmet – angesiedelt, und überlassen dem Pianisten, wie die Stücke 2,4, und 7, fast gänzlich jedwede Freiheit innerhalb der vorgegebenen Rahmenbedingungen. Präparationen kommen zum Einsatz, Maki Ishiis ‘Aphorismen II’ fordern vom Pianisten den Einsatz diverser anderer Schlaginstrumente: Tamtam, Glockenspiel und Claves und Maracas. Hosokawas ‘Nacht Klänge’ spielen mit der Spannung und den extremen Gegensätzen von lauten Klangblöcken und der nachhallenden Stille.

Steffen Schleiermacher, der bekannt ist für sein Engagement und seinen Einsatz für Neue Musik, beweist auch in dieser Einspielung seine Erfahrung und sein reifes Verständnis avantgardistischer Musik, was die CD zu einer ansprechenden Referenzaufnahme macht. Sein Spiel ist – wie stets – genau, auf den Punkt gebracht und fein moduliert. Schleiermacher beweist sein Gespür für feines Timing und subtile Timingdifferenzen, die es erlauben, die fragilen musikalischen Momente auszukosten. Siein Realisation und Interpretation der enormen Freiheitsgrade der Stücke Ichiyanagis ist intelligent und ästhetisch durchdacht.

Durchweg ist das Klangbild der CD schön und voll, und Aufnahme- und Klangqualität lassen nichts zu wünschen übrig. Das Booklet ist schlicht, aber informativ und enthält – neben einer Fotographie Steffen Schleiermachers vor Ort Hintergründe zu den Komponisten und ihren Werken in Deutsch, Französisch und Englisch.

Insgesamt ist diese Einspielung reizvoll und durchaus empfehlenswert für Liebhaber, weil sie einen guten Einblick in japanische Avantgardekompositionen verschafft und eine sehr gute Referenzaufnahme darstellt. Dem Laien wird der Zugang jedoch nicht einfach fallen, da gerade auch die Hintergrundinformationen im Booklet bereits relativ viel Wissen über Avantgardemusik voraussetzen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Marom,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Asia Piano Avantgarde: Japan Vol. 1

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
1
24.03.2006
Medium:
EAN:

CD
760623138527


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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