> > > Rachmaninoff, Sergej: Sinfonien und Orchesterwerke
Mittwoch, 12. August 2020

Rachmaninoff, Sergej - Sinfonien und Orchesterwerke

Rachmaninov-Wellness im duftenden Klangbad


Label/Verlag: Octavia
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine Meisterleistung der Tontechnik und überdies eine der prägendsten Einspielungen der Orchesterwerke Rachmaninovs der letzten Jahre.

‘Ich war nie ganz in der Lage, mich zu entschließen, was meine echte Berufung sei – die eines Komponisten, Pianisten oder Dirigenten. […] Um ein altes russisches Sprichwort zu benutzen, habe ich ‚drei Hasen gejagt’. Kann ich sicher sein, einen von ihnen getötet zu haben?’. Was der krebskranke Sergei Rachmaninov am Ende seines Lebens formulierte, war der lebenslange innere Konflikt eines Künstlers, der in jungen Jahren unter den Fittichen Tschaikowskys stand und künstlerisch zu früh auf sich allein gestellt war, als der Mentor 1893 starb. Als Komponist war Rachmaninov ohne Zweifel ein vielversprechendes Talent, wenn auch eines, das mit einer wahrscheinlich zu ausgeprägten Sensibilität ausgestattet war. Die Vereinbarkeit des dreifachen Talents als Komponist, Pianist und Dirigent blieb ihm selbst vorenthalten, während die Nachwelt, 63 Jahre nach Rachmaninovs Tod, den Blickwinkel weiten kann. Rachmaninov hat in seinen Orchesterwerken das Erbe Tschaikowskys in das 20. Jahrhundert hineingenommen und erschien am Ende seines Lebens, ähnlich wie Richard Strauss, als Fossil aus vergangenen Zeiten. Seinerzeit wurde noch streng kategorisiert, vermeintlich Überkommenes restriktiv selektiert und schlicht und einfach nicht mehr anerkannt und ernstgenommen. Die musikgeschichtliche Retrospektive auf das 20. Jahrhundert jedoch ist mittlerweile zu einem anderen Schluss gekommen: in jenem Jahrhundert war musikalisch alles möglich, selbst ein Traditionalist und hoffnungsloser Romantiker wie Rachmaninov. Dass seine Symphonien und Orchesterwerke im Übrigen eine packende Kernigkeit besitzen, belegen die Einspielungen von Edo de Waart mit dem Radio Filharmonisch Orkest Holland.

Im Kinosound

Edo de Waart ist seit Jahren ein dirigentisch verlässlicher Handwerker, dessen Einspielung aller Mahler-Symphonien mit dem Radio Filharmonisch Orkest Holland 2004 als bester Mahlerzyklus gepriesen wurde. Der langjährige Chefdirigent und ‚sein’ Orchester setzen nun alles daran, dass auch dieser Rachmaninov-Zyklus Lobeshymnen evoziert. Die Voraussetzungen sind nicht schlecht. Die frühe, in der Tat noch ungelenke erste Symphonie bekommt durch de Waart eine ordentliche Portion Gelenkschmiere verpasst, die jetzt die Bewegungsabläufe der Formteile in flüssige Übergänge überführt und auch das melodische Potential fein zu Gehör bringt. Denn dieses Potential ist ein nicht unwesentlicher Faktor in der Orchestermusik von Rachmaninov. Und de Waart lässt die charaktervollen, unverwechselbaren Themen Rachmaninovs in breiten, romantisch diktierten Phrasen spielen, wobei die Subtilität weniger das Zutun des Dirigenten ist, der eher mit breitem Pinsel den Bogen spannt, sondern vielmehr des Orchesters.

Das Radio Filharmonisch Orkest wartet nämlich mit Stimmgruppen auf, die in ihrem fundamentalen Volumen der Musik zum einen eine klangliche Opulenz und Farbigkeit verschaffen, zum anderen in ihrer stimmigen Abrundung des Klangs und der phänomenal ausbalancierten dynamischen Breite innerhalb der Register und im Gesamtzusammenspiel noch genügend Raum für Transparenz lassen. Edo de Waart unterstützt diese Transparenz wiederum durch markige Einsätze. Er lässt die Streicher mit kerniger Griffigkeit intonieren, so dass man immer wieder den Bogen über die Saiten gleiten hören kann. Klar, dynamisch aufgespannt bieten die Blechbläser sauber artikulierte Spielkultur im Hochglanzklang, ebenso die Holzbläser. Die perkussiven Aspekte bleiben ebenfalls nicht auf der Strecke. De Waart sorgt für eruptive Schlagwerkattacken, wo sie gefordert sind, ohne dass dies plakativ wirken würde. Der Hörer schwelgt förmlich in diesem Rausch aus stringenter Umsetzung der Musik in einem fortwährend binnengespannten Bogen, der an keiner Stelle Schwachstellen aufweist. Und dies alles in einem Raumklang im Kinosound. Selbst, wenn die Surround-Technik im heimischen Wohnzimmer nicht installiert ist, bieten diese Aufnahmen ein exzellentes Klangbild: tiefengestaffelt, transparent ausbalanciert in der Wiedergabe der einzelnen Orchestergruppen, zugleich dynamisch opulent abgemischt im Zusammenklang. Der Hörer taucht ein in diesen Klang, ohne sich in ihm zu verlieren. Eine Meisterleistung der Tontechnik und überdies eine der prägendsten Einspielungen der Orchesterwerke Rachmaninovs der letzten Jahre.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rachmaninoff, Sergej: Sinfonien und Orchesterwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Octavia
4
24.03.2006
Medium:
EAN:

SACD
4526977821562


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Octavia

EXTON & TRITON sind zwei audiophile Reihen von Octavia Records aus Japan, die sich vornehmlich auf europäische Sinfonik, Klaviermusik und Kammermusik spezialisiert haben.

Die Zusammenarbeit mit so bedeutenden Orchestern wie Sydney Symphony, Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, Pittsburgh Symphony Orchestra, Netherlands Radio Philharmonic Orchestra und so berühmten Dirigenten und Künstlern wie Vladimir Ashkenazy, Manfred Honeck, Sakari Oramo, Pascal Rogé, Jaap van Zweden u.v.a. zeugen von derem hohen Anspruch.


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