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Samstag, 4. Februar 2023

Elena Denisova - Wien um 1900

Wien um 1900?


Label/Verlag: Gramola
Detailinformationen zum besprochenen Titel


. Wer die kanonischen Werke Mahlers, Schrekers oder Bergs bereits kennt, der kann von dieser Neuerscheinung profitieren.

‘Wien um 1900’ – so lautet der Titel dieser aufwändig gestalteten Gramola-CD mit dem unvermeidlichen Klimt auf dem Cover. Man lasse sich aber nicht täuschen: Von einer repräsentativen Zusammenschau der musikalischen Landschaft im Wien der Jahrhundertwende kann keine Rede sein. Dafür reichen knapp 60 Minuten Musik wahrhaftig nicht aus. Tatsächlich sind nur zwei Komponisten vertreten: Alexander von Zemlinsky mit der nachgelassenen Serenade A-Dur und Robert Fuchs mit den Sieben Intermezzi op. 82. Fuchs wird 1875 als Professor für Komposition am Wiener Konservatorium bestellt. Dort zählt er Mahler, Korngold, Richard Strauss und Sibelius zu seinen Schülern. Er selbst ist ins Umfeld Schumanns und Brahms’ einzuordnen.

Die Intermezzi schlagen einen milden, unaufgeregten, beinahe volkstümlichen Ton an. Harmonische oder formale Experimente finden nicht statt. Es handelt sich um erstklassiges musikalisches Kunstgewerbe. Das wissen auch Elena Denisova (Violine) und Alexei Kornienko (Klavier), zwei Russen mit Wohnsitz in Österreich. Das ‘Wiener Espressivo’ beherrschen sie perfekt. Jede Phrase wird mit sensiblem Ausdruck erfüllt, keine scheint expressiv überfracht. (‘Russische Seele’ wäre in der Tat nicht am Platze.) In puncto Vibrato- und Anschlagskultur sind Denisova/Kornienko kaum zu übertreffen. Die Tempi und Phrasierungen sind jederzeit sinnvoll gewählt. Kurzum: Eine stilsichere, durchwegs kompetente Interpretation.

Ein Gleiches gilt für Zemlinskys A-Dur-Serenade. Denisova/Kornienko treffen den richtigen Ton, ob im irrlichternden Scherzo, im behaglichen Walzer oder im seltsam vagierenden Finale. Sie verstehen es, Momente harmonischer Irritation sinnvoll hervorzuheben, ohne den seltsam rückwärtsgewandten, zuweilen biedermeierlich idyllischen Charakter des Werks zu verleugnen. Exakte Intonation, rhythmische Sicherheit und subtile Phrasierung verstehen sich für Musiker dieses Kalibers von selbst. Als Dreingabe enthält die CD ein Elena Denisova gewidmetes Notturno des russischen Komponisten Pavel Singer. Der Tonfall ist merklich an die ‚Wiener Moderne’ angelehnt, weniger an Zemlinsky als Berg. Insgesamt eine intelligente Anverwandlung, eine unverzichtbare Hörerfahrung ist dieses Notturno allerdings nicht. Ähnliches lässt sich vom ganzen Recital behaupten. Wer mit der ‚Wiener Moderne’ noch keine Bekanntschaft gemacht hat, wird anderswo aufschlussreichere Programme finden. Wer die kanonischen Werke Mahlers, Schrekers oder Bergs bereits kennt, der kann von dieser Neuerscheinung profitieren. Geistvolle Unterhaltung bietet sie allemal, die Tonqualität ist untadelig. Die Techniker des ORF haben Denisova/Kornienko eine adäquate Klangbühne geschaffen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Daniel Krause Kritik von Daniel Krause,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Elena Denisova: Wien um 1900

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Gramola
1
01.11.2012
Medium:
EAN:

CD
8003643987761


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Gramola

Gramola wurde im Jahr 1924 als Detailgeschäft und Vertrieb der beiden englischen Plattenlabels „Gramola“ und „His Master’s Voice“ gegründet. Durch den damaligen Vertrieb dieser Labels ist eines der ganz wenigen, weltweit noch existierenden Originalbilder des legendären, der Stimme seines Herrn lauschenden Hundes „Nipper“ noch heute im Geschäft zu besichtigen. Das Unternehmen ist heute das älteste Tonträgergeschäft Österreichs und arbeitet inzwischen als Familienbetrieb in der fünften Generation. In internationalen Rankings um das beste Klassikfachgeschäft der Welt nahm Gramola mehrmals Spitzenränge ein. Das denkmalgeschützte Geschäftslokal in Wien am Graben wurde nach einem Jugendstilentwurf von Dagobert Peche in den frühen Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts erbaut.

Vor etwa 10 Jahren wurde bei Gramola die Produktion von Klassik-CDs wieder aufgenommen und konnte seither durch seine international vielfach ausgezeichneten Produktionen den allerhöchsten Qualitätsstandard österreichischer Musikschaffender nachdrücklich unter Beweis stellen. Gramola-CDs sind inzwischen in allen klassikinteressierten Ländern zwischen Tokyo und New York zu haben. Ergänzt wird das Gramola-Angebot durch ein Webshop, das rund um den Kalender bereitsteht, Kundenwünsche auch außerhalb regulärer Ladenöffnungszeiten zu erfüllen.


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