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Freitag, 5. März 2021

Schostakowitsch, Dimitri - Words of Michelangelo

Ein Bass zum Verlieben


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wegen Ildar Abrazakov ist diese CD ein Muss für alle Fans von außergewöhnlichen Bassstimmen.

Was an dieser Aufnahme von Schostakowitschs ‚Suite nach Gedichten von Michaelangelo’ Op. 145a – im Jahr vor seinem Tod 1974 komponiert – sofort auffällt und einen nicht wieder loslässt, ist der ungeheuer einschmeichelnde Klang. Sowohl der des BBC Philharmonic Orchestra unter Leitung von Gianandrea Noseda. Vor allem aber der des jungen russischen Bassisten Ildar Abrazakov. Sein warm dahinströmender Gesang ist nicht anders denn als ‚sensationell’ zu bezeichnen. Die Stimme von Abrazakov erinnerte mich beim ersten Hören an den großen Alexander Kipnis – das gleiche samtweiche Timbre, die gleiche kultivierte Vortragsweise, die gleiche Ruhe im Singen. Man wird geradezu hypnotisiert von diesen Klängen, die sich sehr von dem unterscheiden, was man sonst an russischen Bassisten kennt. Hier tritt zwar ein Sänger mit dunkler Stimme auf, aber es ist kein rabenschwarzer Charakterbass, aus dem die Tiefe der russischen Seele spricht, sondern es ist ein nobler basso cantante. Eher ein Cesare Siepi als ein Feodor Schaljapin. (Und es überrascht nicht, dass eine Paraderolle des auffallend attraktiven Abrazakov der Don Giovanni ist, mit dem er an der New Yorker Met debütierte.)

Abrazakov gestaltet die elf Michelangelo-Lieder wie eine mächtig rauschende Meditation über Leben und Tod. Sicher wären im Idealfall mehr Klangfarben hilfreich, mehr Pointiertheit des Texts, mehr Abwechslung. Trotzdem wirkt diese Wiedergabe selten eintönig. Das liegt auch an der farbigen Orchesterbegleitung, die aber nie grob wird. Der Italiener Gianandrea Noseda nähert sich Schostakowitsch von einer belcantistischen Seite. Und das bekommt diesen teils schroffen Liedern – zur Abwechslung – recht gut.

Allerdings hätte ich mir persönlich nach der ‚Michelangelo Suite’ einen größeren Kontrast gewünscht, nicht noch einmal sechs Romanzen für Bass und Orchester (nach Versen von Raleigh, Burns und Shakespeare, alle auf russisch). Da diese Lieder in der stilistischen Präsentation sehr dem vorangegangen Zyklus ähneln, ermüdet der unbebrochene Wohlklang irgendwann doch.

Etwas deutlich anderes ist das letzte Stück der CD, das Symphonische Gedicht ‚Oktober’ Op. 132. Es entstand 1967 zum 50. Jahrestag der russischen Oktoberrevolution. Ein herrliches Stück. Krachend. Knallend. Aufwühlend. Dramatisch. Dass es so selten gespielt (und noch seltener aufgenommen wird) ist schade. Umso begrüßenswerter, dass Chandos diesen Titel nun im Rahmen seiner Schostakowitsch-Serie veröffentlicht und die schmale Diskographie des Werks erweitert.

Auch hier beeindruckt der sonore Klang des BBC Orchesters. Er erinnert stark an Hollywood, was in diesem Fall als Kompliment gemeint ist. Allerdings fehlt bei allem Schliff doch der Wille zum Extremen, zum Über-sich-hinauswachsen. Was Schostakowitsch da komponiert hat, kann durchaus explosiver klingen, als man es hier erlebt.

Insgesamt: Wegen Ildar Abrazakov ist diese CD ein Muss für alle Fans von außergewöhnlichen Bassstimmen. Der Mann hat das Potenzial ein männliches Äquivalent von Anna Netrebko zu werden. Optisch und stimmlich wären die beiden ein Traumpaar. (Das leider bei verschiedenen Plattengesellschaften unter Vertrag sind.)

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schostakowitsch, Dimitri: Words of Michelangelo

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Chandos
1
24.03.2006
Medium:
EAN:

CD
095115135822


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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