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Freitag, 5. März 2021

Dvorak, Anton - Violinwerke

Dvořák mit Pop-Appeal?


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Šporcl spielt all diese Werke durchaus innig und intim, aber ihm fehlt der lyrisch-schmelzende Ton großer Geiger der Vergangenheit

Auf dem Cover dieser CD mit Aufnahmen von Dvořáks kammermusikalischen Geigenkompositionen sieht man ihn schon, den jungen neuen ‚Star-Violinisten’ aus Prag, Pavel Šporcl: leger ausgestreckt liegt er da, als herausfordernd guckender Rebell mit schwarzem Anzug (!), weißem Abendhemd ohne Manschetten (!), feierabendlich gelockerter schwarzer Krawatte, einem schwarzen Hut mit weißer (!) Bordüre und langen rotblonden Haaren (den Stoppelbart und die Geige vorm Bauch natürlich nicht zu vergessen). Im Booklet der Supraphon-CD wird dieses ‚jazzige’ Outfit, das ans ehemalige Fernsehballett der DDR erinnernde, so erklärt: ‚Pavel Šporcl (ist einer) der markanteste Geiger der jungen Generation, (der) dank ... seines unkonventionellen Auftretens ... große Erfolge bei Zuhörern aller Altersgruppen (feiert).’

Aha, eine Art tschechischer Nigel Kennedy also. Nur dass Šporcl keine wilde Stoppelfrisur hat und nicht Vivaldis ‚Vier Jahreszeiten’ wild aufpeppt, sondern Dvořáks intime Balladen, Romanzen, Sonatinen und Capriccios im Vergleich dann doch eher brav spielt. Aber scheinbar kommt das beim tschechischen Publikum an, denn diverse CDs Šporcl wurden – wie man ebenfalls dem Booklet entnehmen kann – in der Tschechei mit Platin und Gold ausgezeichnet.

Ob die vorliegende Dvořák-CD diesen Rekord-Status auch erreichen wird? Das mag eher bezweifelt werden.

Denn es ist keine Show-Musik für die Massen, es sind keine Kompositionen, die violinistische Bravour mit ‚Wow’-Effekt erzeugen – vielmehr handelt es sich fast ausschließlich um intime Kammermusik, die Dvořák für den häuslichen Gebrauch geschrieben hat, teils sogar für seine Kinder Otilka und Toník (etwa die anrührende Sonatine Op. 100, in Amerika komponiert, mit einem wunderbaren Larghetto, dass als wehmütiges Wiegenlied an den berühmten langsamen Satz aus der ‚Symphonie aus der Neuen Welt’ erinnert.)

Šporcl spielt all diese Werke durchaus innig und intim, aber ihm fehlt der lyrisch-schmelzende Ton großer Geiger der Vergangenheit (z.B. Jascha Heifetz), um diese Musik auch außerhalb des Hausgebrauchs – also als CD, die für die Klassik-Charts gedacht ist – interessant zu machen. Er verfügt über keinen sirenenhaft ‚singenden’ Ton, so dass man von den berückenden Dvořák-Melodien nicht wirklich hypnotisiert wird. Er verfügt auch nicht über das ungewöhnliche Charisma eine Nigel Kennedy, um den Hörer mit Energie und Drive in den Bann zu ziehen. (Dafür eignet sich Vivaldi besser.)

Was bleibt? Sechs schöne Stücke für Violine und Klavier, denen (in diesem Fall) eine dem eher einfachen Inhalt entsprechende Präsentation besser gestanden hätte, als diese etwas verunglückte Rock’n Roll-Ausgabe ohne Rock-Faktor. Davon abgesehen: Schöne Beispiele von der ‚anderen’, privateren Seite von Dvořáks Oeuvre.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dvorak, Anton: Violinwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
1
24.03.2006
Medium:
EAN:

CD
099925386023


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Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


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