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Dienstag, 17. September 2019

Berlioz, Hector - Roméo et Juliette

Gut, aber nicht aussergewöhnlich


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es ist Nicolo Paganinis großzügiger Zuwendung von 20 000 Francs an Hector Berlioz zu verdanken, dass sich dieser 1839 ganz der Komposition seiner dramatischen Symphonie ?Roméo et Juliette? widmen konnte.

Es ist Nicolo Paganinis großzügiger Zuwendung von 20 000 Francs an Hector Berlioz zu verdanken, dass sich dieser 1839 ganz der Komposition seiner dramatischen Symphonie ‘Roméo et Juliette’ widmen konnte. Wie groß die Bewunderung des Virtuosen für Berlioz gewesen ist zeigte dieser im Dezember 1838, als er nach einem Konzert am Pariser Konservatorium vor seinem Kollegen niederkniete und ihn als Erben Beethovens pries. Berlioz trat mit seiner musikalischen Auslegung des Shakespeare-Stoffs erstmals im November 1839 vor das Publikum. Der Uraufführung folgten noch zwei Reprisen. Die Partitur hatte zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht ihre endgültige, heute bekannte Gestalt. Nachdem Berlioz das Stück 1846 erstmals wieder - diesmal in Wien - dirigierte, entschied er sich zu tief greifenden Änderungen. ‘Roméo et Juliette’ gilt heute als eines von Berliozs größten und originellsten Werken, das auch zahlreiche Einflüsse wiederspiegelt: Es ist eine Hommage an Shakespeare und Beethoven, im speziellen an dessen neunte Symphonie. Wie ‘Harold en Italie’ ist auch diese Musik von Berliozs Italien Aufenthalt inspiriert, im Rahmen dessen er auch Bellinis ‘I Capuleti e i Montecchi’ kennen lernte, denen er allerdings nichts abgewinnen konnte. Überaus virtuos behandelt ist in ‘Roméo et Juliette’ das Orchester, ganz so, als wolle er seinem Gönner Paganini Tribut zollen. Dieser hatte zu Berliozs Bedauern nebenbei bemerkt nie die Möglichkeit, das von ihm gesponserte Werk hören zu können.

Sir Colin Davis’ Sicht des Werks liegt bereits mehrfach vor, zu den jüngeren Tondokumenten zählen die beeindruckende Studioaufnahme mit den Wiener Philharmonikern sowie der Livemitschnitt mit dem London Symphony Orchestra. Seine hier vorliegende Interpretation fächert die verschiedenen Ebenen der Partitur vom stürmischen Fugato der Einleitung bis hin zu den lyrischen Momenten detailliert auf. Besonderes Augenmerk ist der Instrumentation gewidmet, die stets sehr durchsichtig bleibt. Leider ist das Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks kein Orchester mit klanglichem Raffinement, wodurch die ganze Aufführung etwas akademisch trocken bleibt. Philip Langridges geschmeidige und leicht anspringende Stimme ist für die kurze Tenorpartie eine optimale Lösung. Bei Hanna Schwarzs uncharmantem Mezzo würde man sich mehr Klangsinnlichkeit wünschen. Der 2003 verstorbene Bass Peter Meven setzt Autorität mit Lautstärke gleich - gerade bei seinem wenig ansprechenden Material keine gute Idee. Der bei dem Werk wichtige Chor ist gut studiert, klangliche Brillanz darf man allerdings auch hier nicht erwarten.

Da dieser 1992 aufgenommene Mitschnitt aus der Münchner Philharmonie Colin Davis’ allseits bekannte Interpretation um keine neuen Aspekte ergänzt und die DVD auch in klang- und bildtechnischer Hinsicht nichts Außergewöhnliches bietet, sollte man den Kauf doppelt überdenken; Davis hat bei ‘Roméo et Juliette’ bereits mit exklusiveren Künstlern musiziert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Berlioz, Hector: Roméo et Juliette

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Arthaus Musik
1
16.01.2006
102:00
1991
Medium:
EAN:
BestellNr.:

DVD
807280201796
102 017


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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