> > > Paganini, Niccoló: 24 caprices op. 1 arr. for saxophone
Sonntag, 18. August 2019

Paganini, Niccoló - 24 caprices op. 1 arr. for saxophone

Saxophonist spielt alle 24 Capricen von Paganini


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Für Saxophonisten ist diese Aufnahme sicherlich spannender als für andere Instrumentalisten.

Die 24 Capricen für Geige Solo von Niccolo Paganini gehören wohl zu den Prüfsteinen eines jeden Geigers. Aufgrund der enormen technischen Anforderungen ist dieser Zyklus eines der meist gefürchtetsten Werke der gesamten Violinliteratur. Zahlreiche Bearbeitungen geben einen Anhaltspunkt dafür, welche Faszination diese Werke auf Komponisten und auf Interpreten hatten und haben. Schumann und Liszt schreiben Etüden für Klavier und legen diesen die Capricen Paganinis zugrunde. Schumann verfasste außerdem eine Begleitung für Klavier, um die Geige zu unterstützen. Brahms schreibt seine berühmt berüchtigten Paganini-Variationen op. 35, denen er das Thema der 24. Caprice zugrunde legte und darüber seine eigenen Variationen schrieb. Auch Rachmaninow nutzte dieses Thema als Ausgangspunkt für seine Rhapsodie für Klavier und Orchester nach einem Thema von Paganini op. 43. Trotz großer Unterschiede ist allen diesen Werken gemeinsam, dass sie enorme technische Anforderungen an den Instrumentalisten stellen.

Natürlich gibt es auch Bearbeitungen für Viola und Cello, die meist sehr nah am Original bleiben und auf der Bratsche lediglich eine Quinte, auf dem Cello eine Doudezime tiefer gespielt werden. Auch haben sich einige Holzbläser an Bearbeitung der Capricen gemacht, allen voran die Flötisten, die auf ihrem Instrument bekanterweise auch technische Höchstleistungen erbringen müssen. Die hier vorliegende Bearbeitung der 24 Capricen für Saxophon solo ist mindestens ungewöhnlich, wenn nicht sogar einmalig.

Der Saxophonist Raaf Hekkema, der für seine Bearbeitungen bekannt ist, wagt mit dieser Aufnahme einiges. Nicht nur stellt er sich mit seinem Instrument, welches eher selten der Virtuosität verpflichtet ist (Virtuose Werke wie Darius Milhauds Scaramouche sind zwar bekannt, aber eher selten), den enormen Herausforderungen der Capricen, sondern er tut dieses auch öffentlich kund und beschränkt sein Austesten der technischen Möglichkeiten des Saxophons nicht auf das „stille Kämmerlein“.

Die Bearbeitungen, die alle von Raaf Hekkema selber stammen, sind sehr originell und zeigen die Vielseitigkeit des Saxophons. Der enorme Klangfarbenreichtum lässt das Instrument in einem vollig neuen Licht erscheinen. Trompetenähnliche Klänge am Anfang der 3. Caprice über tonvolle Klappengeräusche um das Pizzikato der Violine nachzuahmen bis hin zu Multiphonics, also zwei auf einmal klingenden Tönen, sollen hier beispielhaft für die vielen technisch und klanglich ausgereizten Facetten genannt werden. Auch können viele Feinheiten der Saxophontechnik an den Capricen geübt und deren Meisterschaft im Konzert dargeboten werden. So wird zum Beispiel am Anfang der 5. Caprice ab dem Agitato Permanentatmung benötigt, und bei einigen anderen Capricen ist es unerlässlich, gleichzeitig zu singen und zu spielen (Bei Nr. 6 wird die Melodie von Raaf Hekkema gesungen und als Begleitung dazu ein Terztremolo gespielt.).

Die Nummer 24 ist für Raaf Hekkema nach eigenen Worten die Zusammenfassung, die Apotheose, des ganzen Zyklus, folglich treten auch alle technischen Schwierigkeiten hier noch einmal geballt auf.

Raaf Hekkema zeigt mit dieser Aufnahme eindrucksvoll mit welcher absoluten Perfektion er sein Instrument beherrscht und meistert alle geforderten Schwierigkeiten mit frappierender Leichtigkeit.

Allerdings stellt er sich durch die Bearbeitung der Capricen in den drirekten Vergleich mit allen Geigern, die sich diesen Werken gewidmet haben. Diese für Saxophonisten höchst interessante Aufnahme verblasst in musikalischer Hinsicht, wenn man sie mit den Aufnahmen großer Geiger vergleicht. Raaf Hekkema schafft es zwar zum Beispiel am Anfang der 13 Caprice technisch zu überzeugen, jedoch das Hämische, das Dämonische, das der Capice den Beinamen „Lachen des Teufels“ eintrug, kommt auch unter seinem Spiel, aufgrund der sukkzesiv gespielten Doppelgriffe, nicht richtig zur Geltung. Auch die oft verwendeten Multiphonics, mit Sicherheit eine unwahrscheinlich schwere Spielweise auf dem Saxophon zur Darstellung von Doppelgriffen der Geige, kommen in den Capricen weniger zur Geltung als in einem modernen Saxophonstück, in dem genau diese Klangfarbe verlangt wird. Der eher blubbernde Charakter der Multiphonics mag Saxophonisten beeindrucken, ist aber zur Verwirklichung der Capricen eher ungeeignet, da die durch zahlreiche Aufnahmen gewohnte absolute Klarheit der Doppelgriffe auch mit dieser außergewöhnlichen Technik nicht absolut überzeugend auf diesem Instrumen dargestellt werden kann.

Das Booklet ist, abgesehen vom Lebenslauf des Künstlers, von Raaf Hekkema selber geschrieben, und gibt, in Form von wenigen Sätzen, zu jeder einzelnen Caprice einen interessanten Einblick in die technischen Schwierigkeiten der Umsetzung auf dem Saxophon.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Gunnar Haase,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Paganini, Niccoló: 24 caprices op. 1 arr. for saxophone

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
1
24.02.2006
Medium:
EAN:

CD
760623137926


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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