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Dienstag, 16. August 2022

Haydn , Joseph - Divertimenti

Unterhaltsame Divertimenti


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dass die Aufnahme generell einen sehr positiven Eindruck hinterlässt, liegt nicht zuletzt am präzisen Zusammenspiel der drei Musiker.

1784 veröffentlichte der Londoner Verleger William Forster unter dem Titel „Six Trios for two Violins and a Violoncello or a German Flute, Violin and a Violoncello [...] Opus XXXVIII“ eine Gruppe von sechs Werken Joseph Haydns, die der Komponist selbst in einer eigenhändigen Notiz als 'Divertimenti' bezeichnet hat. Mit der Wahl dieser Gattungsbezeichnung verweist Haydn ausdrücklich auf den vorwiegend unterhaltsamen und unbeschwerten Charakter der Sammlung, die weder kompositions- noch spieltechnisch hohen Ansprüche stellt und sich somit in erster Linie an den zeitgenössischen Musikliebhaber und musikausübenden Laien wendete. Dieser Ausrichtung entspricht auch der Umstand, dass es sich bei den Divertimenti keineswegs nur um Originalkompositionen, sondern teilweise um Bearbeitungen einzelner Sätze aus älteren Werken Haydns handelt.

Gemäß der Vorgaben im gedruckten Titel und entsprechend der Aufführungspraxis der damaligen Zeit lässt die Interpretation der Londoner Trios die Wahl zweier alternativer Besetzungen zu, von denen die vorliegende Einspielung die sicherlich farbenreichere Variante mit Flöte, Violine und Violoncello präsentiert. Die drei Interpreten Paul Meisen (Flöte), Ernö Sebestyén (Violine) und Martin Ostertag (Violoncello) geben sich alle Mühe, die durchweg dreisätzigen, in Abfolge, Gewichtung und individueller Ausprägung der Einzelsätze jedoch keinesfalls gleichförmigen Kompositionen möglichst abwechslungsreich umzusetzen und durch Herausarbeiten von musikalischen Details der einfachen Machart der Werke ein Höchstmaß an Tiefe zu verleihen.

Dass die Aufnahme generell einen sehr positiven Eindruck hinterlässt, liegt nicht zuletzt am präzisen Zusammenspiel der drei Musiker, das durch ein klanglich ausbalancierte Verhältnis der Instrumente untereinander gekennzeichnet ist und lediglich in einigen Unisono-Passagen aufgrund von Intonationsschwächen minimal gestört wird. Darüber hinaus werden Klangfarbenwechsel und Lautstärkekontraste möglichst lebendig gestaltet und in die Logik der musikalischen Verläufe eingebettet, und auch in bewusst zurückhaltend musizierten Momenten, wie etwa in den langsamen Mittelsätzen aus dem Divertimento II G-Dur und dem Divertimento VI D-Dur, bleibt die Spannung durchweg erhalten. Manchmal lassen die Musiker allerdings auch eine gewisse Flexibilität in der Ausformung der Einzelstimmen sowie ein Verständnis für bewusst angewandte Raffinessen der Artikulation vermissen, was sich vor allem im fugierten Finale aus dem Divertimento III C-Dur in einer allzu forcierten Tongebung niederschlägt. Schließlich könnte auch die Tempowahl mitunter ein wenig rascher sein, so im Kopfsatz des Divertimento VI D-Dur, obgleich dadurch die ohnehin geringe Spieldauer der CD (knapp 48 Minuten) wohl noch weiter vermindert worden wäre.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Haydn , Joseph: Divertimenti

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
1
20.01.2006
Medium:
EAN:

CD
760623036328


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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