> > > Rachmaninoff, Sergej: The Piano Concertos
Dienstag, 16. August 2022

Rachmaninoff, Sergej - The Piano Concertos

Stilsicher und einfühlsam


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine Interpretation von nie gehörter Schlankheit und neuer Klangbalance.

Als Tastenlöwe ohne Allüren wurde der Pianist Bernd Glemser von der Fachpresse bezeichnet, an seinem Klavierspiel die mühelose Leichtigkeit gelobt. Zudem ist Glemser wohl derzeit der einzige junge deutsche Pianist, dem reihenweise Gesamteinspielungen angetragen werden. Neben den Klavierkonzerten Rachmaninovs nimmt er gerade sämtliche Klaviersonaten von Prokofieff und Skrjabin auf.

Seltsamerweise hält das Label Naxos den Dirigenten Antoni Wit und das Polish National Radio Symphony Orchestra auf dem Cover nicht für erwähnenswert, eine der vielen kleinen Herausgeberpannen und ein schwerwiegender Fauxpas aus meiner Sicht, da sich der Dirigent als stilsicherer und einfühlsamer Begleiter des Solisten erweist. Zusammen erschaffen sie eine Interpretation von nie gehörter Schlankheit und neuer Klangbalance zwischen Pianist und Orchester, die durch klangliche Schönheit und klar hörbare formale Gliederung besticht. Beispielsweise ist der erste Satz des dritten Klavierkonzertes atemberaubend straff gespielt; schade allerdings, dass sich Glemser für die wuchtige, überladene Ossia-Kadenz entscheidet, die zwar pianistisch höchst anspruchsvoll sein mag, doch musikalisch weit hinter der Genialität der filigraneren ersten Variante zurückbleibt, da ihr gerade der Reiz der kompositorischen Reduktion fehlt.

Die technische Möglichkeiten des Pianisten sind zweifellos beeindruckend, dennoch bewirkt die virtuose Leichtigkeit in Glemsers Spiel das Fehlen dessen, was dem Komponisten überaus gut bekannt war: das Sich-Quälen mit der Musik. Geplagt von Zweifeln an der Qualität seiner Kompositionen hat Rachmaninov nicht nur das erste Klavierkonzert so grundlegend überarbeitet, dass die beiden Fassungen formal und in der Orchestration erheblich voneinander abweichen, sondern auch das vierte Konzert nach der Uraufführung enorm gekürzt. Generationen von russischen Pianisten bemühten sich darum, diese emotionale Schwere zum Ausdruck zu bringen. Daher ist man etwas verwundert über die unprätentiöse Schlichtheit, die in Glemsers Interpretation vorherrscht, zumal er selbst in einem Interview erwähnt, bei seinem Lehrer gelernt zu haben, die Extreme der musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten auszuloten. Manchmal wären in dieser Stilistik ebendiese Extreme wünschenswert, um wirklich von der Persönlichkeit dieses Interpreten vollends überzeugt zu werden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rachmaninoff, Sergej: The Piano Concertos

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Naxos
1
31.07.2000
2:34:19
1996
2000
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
4891030510579
8.551057

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Rachmaninoff, Sergej


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Dirigent(en):Wit, Antoni
Orchester/Ensemble:Polish National Radio Symphony Orchestra
Interpret(en):Glemser, Bernd (Piano)


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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