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Samstag, 10. Dezember 2022

Kozeluch, Leopold - Klavierkonzert in D- Dur

Mozart und ein Kollege


Label/Verlag: Brana records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es ließe sich mit einem forscheren und pointierteren Spiel sicher noch viel aus dem Werk herauskitzeln, das sich hier als kaum mehr als solide Einheitsware präsentiert.

Der Böhme Leopold Anton Kozeluch (1747-1818) gehört zu den Komponisten im Schatten der drei großen Wiener Klassiker Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven, die zu Lebzeiten durchaus erfolgreich waren, deren Schaffen in älteren Lexika aber gern pauschal als wenig substanziell und in Folge dessen als zu Recht vergessen abgetan wird. Diese Meinung hat sich zumindest im Falle Kozeluchs geändert, seit in jüngerer Vergangenheit vermehrt Werke dieses Komponisten eingespielt wurden. In erster Linie wurden seine Sinfonien bedacht, unter den verfügbaren CDs finden sich aber auch Kammermusik und sogar ein Oratorium. Und dann gibt es noch die Aufnahme einer bemerkenswerten Sinfonia concertante für die ziemlich abenteuerliche Solisten-Besetzung Trompete, Mandoline, Kontrabass und Klavier.

Vorreiterin

Die polnische Pianistin Felicja Blumental (1908-1991), die in Brasilien, England und Frankreich große Erfolge feierte, hierzulande aber eher unbekannt geblieben ist, kann als Vorreiterin der Kozeluch-Renaissance angesehen werden, denn bereits im Jahre 1970 spielte sie mit dem Salzburger Mozarteum-Orchester das Klavierkonzert in D-Dur ein. Während ein Werk wie die oben genannte Concertante allein durch die verrückte Besetzung gewisse Schwächen in anderen Bereichen vergessen machen könnte, ist das in einem ‚normalen’ Klavierkonzert nicht der Fall. Und tatsächlich wirkt die Komposition etwas blass, was aber auch an dem allzu braven Spiel des von Leopold Hager geleiteten Mozarteum-Orchesters liegen kann. Es ließe sich mit einem forscheren und pointierteren Spiel sicher noch viel aus dem Werk herauskitzeln, das sich hier als kaum mehr als solide Einheitsware präsentiert.

Direkter Vergleich

Zudem dürfte der direkte Vergleich mit einem Meisterwerk Mozarts, dem Klavierkonzert C-Dur KV 467, der Wahrnehmung des ohne Zweifel handwerklich sicher gearbeiteten Kozeluch’schen Opus nicht gerade förderlich sein. In diesem Fall wird Felicja Blumental, die in beiden Konzerten mit einer technisch versierten und überlegen gestalteten Interpretation besticht, vom Prager New Chamber Orchestra begleitet, die Leitung liegt bei Alberto Zedda. Diese bereits 1968 entstandene Aufnahme ist in Sachen Orchesterbegleitung zwar auch nicht unbedingt das, was man sich heute an Klarheit und Prägnanz wünschen würde, insgesamt ist den Musikern aber eine durchaus gefällige Deutung des Klavierkonzerts gelungen, die sich aber auch kaum zwingend von der zahlreich vorhandenen Konkurrenz abheben dürfte.   

Restauration

Die betagten Tondokumente wurden für die Wiederveröffentlichung beim Label Brana Records, das eine ganze Reihe von Aufnahmen mit Felicja Blumental in seinem Programm hat, technisch überarbeitet. Das ändert aber nichts daran, dass das Klavier generell viel zu nah postiert ist und damit nicht nur den Orchesterklang überstrahlt, sondern auch dynamische Grenzwerte erreicht, die Verzerrungen zur Folge haben. Die Abstimmung innerhalb des Orchesters ist in beiden Fällen jedoch gelungen, Streicher und Bläser kommen gleichermaßen gut heraus. Der Ton lässt zwar Natürlichkeit und Brillanz vermissen, weist aber immerhin eine gewisse Transparenz auf; im Falle des Kozeluch-Konzerts kommen jedoch in Form eines ständigen Knisterns und Knackens merkliche Störelemente hinzu, die beim Mozart zum Glück nur sporadisch auftreten.

Mäßige Präsentation

Das Drumherum der Produktion ruft keine Begeisterung hervor. Das Booklet hebt sich mit seinen auch im Inneren befindlichen Blumenmotiven zwar positiv von der nüchtern-langweiligen Gestaltung manchen Konkurrenzprodukts ab, das Ganze kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass man es im Grunde mit nicht mehr als einem Faltblatt zu tun hat, das gerade einmal die nötigsten Informationen bereit stellt. Es wird auch auf die kuriose Webseite des Labels verwiesen, die zwar ein Shop-System aufweist, mit dem aber keine Bestellungen möglich sind – alle Titel sind ‚fiktiv’ zu verstehen –, und die einen in deutscher Sprache begrüßt, als voreingestellte Währung jedoch Dollar anbietet. Man kann nur hoffen, dass die Seite noch im Entstehen begriffen ist und solche Ungereimtheiten zügig ausgeräumt werden. 

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Kozeluch, Leopold: Klavierkonzert in D- Dur

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Anzahl Medien:
Brana records
1
Medium:

CD


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Brana records

Brana Records exists to restore and publish rare recordings by neglected artists and recordings of newly discovered masterpieces.
Our current focus is the life and work of the Polish / Brazilian pianist Felicja Blumental who overcame prejudice to scale the heights of her chosen profession. A champion of the piano music of the early 19th Century outside that of the regular repertory, she recorded works by lesser known composers such as Arensky, Clementi, Czerny, Kuhlau, Hoffmeister, Hummel and Ries, as well as acclaimed recordings of Mozart, Beethoven and Chopin.
It is these wonderful recordings that we are restoring and releasing to create a lasting record of this wonderfully talented pianist.


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