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Donnerstag, 9. Dezember 2021

Atterberg, Kurt - Symphonie für Streicher

Leben zwischen Patentamt und Notenpult


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Camerata liefert eine facettenreiche Interpretation des Werks.

Es muss ein sehr abwechslungsreiches Leben gewesen sein, welches der schwedische Komponist Kurt Atterberg (1887-1974) führte. Tagsüber als Elektroingenieur im Stockholmer Patentamt beschäftigt, war er eine der prägendsten Persönlichkeiten im schwedischen Musiklebens. Als anerkannter Musikkritiker und Cellist war er neben seiner Komponistentätigkeit auch noch an der Gründung der schwedischen Komponistenvereinigung und der schwedischen GEMA federführend beteiligt. Er war bis ins hohe Alter so unermüdlich, dass er mit 81 Jahren, mit vielen Ehrungen bedacht, zwangspensioniert werden musste.

Atterberg verstand sich immer als ‘Nationalklassizist’, da er, nach eigener Aussage ‘niemals ein formloses Stimmungsstück’ geschrieben, sondern immer auf den klassischen Formenkanon zurück- gegriffen hätte. Er kombiniert in seinen Werken geschickt folkloristische Klänge mit einer strengen thematischen Arbeit. Dies macht auch genau den Reiz seiner Stücke aus, da es zu einem interessanten Spannungsverhältnis zwischen volkstümlichen Melodien und deren formal durchstrukturierte Verarbeitung führt.

Das Label cpo setzt mit der vorliegenden CD ‘Sinfonia per archi’ seinen hochgelobten Atterberg-Zyklus fort. Nachdem die Neueinspielung aller neun Atterberg Sinfonien eine gute Resonanz im Feuilleton und bei den Verkaufszahlen gefunden hatte, wurden nun die Werke für Streichorchester von der Camerata Nordica unter der Leitung des Geigers Ulf Wallin neu eingespielt.

Die ‘Sinfonia per archi’ ist die Bearbeitung eines seiner Streichquintettes, die Atterberg 1953 fertig stellte. Das Stück wirkt merkwürdig unschlüssig und pendelt zwischen kammermusikalischen Momenten und langen homophonen Abschnitten. Atterberg war nie mit dem Werk zufrieden und arbeitete es noch mehrfach um, ohne aber noch wirklich etwas am Aufbau zu verändern.

Die Camerata liefert eine facettenreiche Interpretation des Werks. Mit viel Engagement und Schwung arbeiten die Musiker wunderbare Klangeffekte heraus und liefern immer wieder überraschende Wendungen im musikalischen Geschehen, so dass das Hörerlebnis höchst abwechslungsreich ist.

Ein Jahrzehnt später als die ‘Sinfonia’ entstand das ‘Adagio amoroso’ für Violine und Streicher, bei dem Ulf Wallin neben seinem Dirigat auch den Solopart übernimmt. Das verhaltene Stück ist ein ergreifender melancholischer Abgesang, bei dem die Solovioline klagend über dem Orchester schwebt. Wallin gestaltet die Violinstimme mit einfühlsamem Ton. Verhalten und wohl dosiert setzt er Akzente, ohne mit vordergründiger Virtuosität aufzutrumpfen.

Auch die folgenden kürzeren Kompositionen sind in der Einspielung der Camerata Nordica wirklich hörenswert. Fern von verkitschter nordischer Schwermut entfalten die teilweise recht sperrigen Stücke durch die klare und schnörkellose Interpretation des Ensembles ihren ganz eigenen herben Charme. Besonders das feierliche ‘Intermezzo’, welches Atterberg für die Einweihung des neuen schwedischen Patentamtes komponierte, sprüht noch einmal vor Witz und Raffinesse.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Atterberg, Kurt: Symphonie für Streicher

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
cpo
1
13.12.2005
01:02:38
2004
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
6120371562
777 156-2


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Atterberg, Kurt Magnus
 - Symphonie für Streicher op. 53 -
 - Adagio amoroso -
 - Intermezzo -
 - Prelude&Fugue -
 - Suite No. 7 op. 29 -


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Dirigent(en):Wallin, Ulf
Orchester/Ensemble:camerata nordica
Interpret(en):Wallin, Ulf


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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