> > > Sullivan, Arthur: In memoriam
Donnerstag, 1. Oktober 2020

Sullivan, Arthur - In memoriam

Sphärenhaft und feinfühlig


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Musik macht in dieser Interpretation riesigen Spaß!

Sir Arthur Sullivan ist heute nur noch einigen wenigen Spezialisten bekannt. Seine ‚Savoy Operas' HMS Pinafore, Der Mikado oder Die Piraten von Penzance dürften - was den Bekanntheitsgrad angeht - die erste Stelle einnehmen. Dabei war Sullivan auch ein ‚ernsthafter' Komponist, der ab 1858 immerhin am Leipziger Konservatorium studiert und dort den Geist Mendelssohns noch durch die Gänge wehen ‚gehört' hatte. Am Ende seines Lebens wurde er von Zweifeln geplagt, ob er sein Leben nicht doch sinnvoller hätte füllen können. Die zahlreichen Operetten hatten ihn davon abgehalten, auf den Gebieten der Oper, der Sinfonie und der Kammermusik ein umfangreiches Oeuvre zu hinterlassen. So würde es Sullivan heute sicher freuen, dass seine ‚ernsthaften' Werke nun wieder Interesse wecken und immerhin so renommierte Musiker wie Richard Hickox an das Dirigentenpult locken. Der hat mit dem BBC Philharmonic Orchestra bei dem Label Chandos Sullivans E-Dur Sinfonie - die sogenannte Irische -, die Ouvertüre In Memoriam und die Suite Der Sturm eingespielt. Was gleich zu Beginn erwähnt werden soll, ist etwas, das eigentlich nebensächlich erscheint, hier jedoch sofort ins Auge sticht: Die Verarbeitung der CD und die graphische Gestaltung sind überaus gelungen. Das ist eine Platte, die es sich lohnt, mit ganzer Breitseite ins Regal zu stellen, um sich immer wieder an dem liebevollen und stilistisch einwandfreien Design zu erfreuen. Was in der hübschen Hülle steckt, ist nicht minder gut: Das BBC Philharmonic - ein mit perfektem Marketing und Imagepflege versorgtes Orchester - spielt süffig, leidenschaftlich und präzise; eben so, wie es man von ihm gewohnt ist. Hickox schafft es, interessante Klangeffekte zu erreichen und die nicht selten etwas stereoptype Musik spannend klingen zu lassen. Kantable Melodien wechseln sich mit schmissigen Rhythmen ab, auf die wiederum kantable Melodien folgen; ebenso, wie es in Sullivans Operetten der Fall ist. So mitreißend, wie etwa seine begnadete Ouvertüre zu Die Piraten von Penzance ist die Musik indes nicht. Vieles ist abseh' - nein: abhörbar - aber doch erfrischend. Langweilig wird einem hier nur selten. Shakespeares Der Sturm wurde von Purcell bis Sibelius immer wieder gerne vertont. In Sullivans Musik lebt der Geist Mendelssohns wieder auf. Der Geist des Sommernachtstraums klingt hier durch: flirrende Geigen, aufschäumende Crescendi mit darüberliegenden Holzbläsern: Elfen werden vom Sturm durch eine laue Sommernacht geweht. Hier klingt nach, was Sullivan in den Gängen des Leipziger Konservatoriums nachklingen gehört hatte; aber ohne Epigone zu sein.

Im Allegro des Kopfsatzes der E-Dur-Sinfonie klingt es dann aber noch deutlicher nach Mendelssohn: Die Staccati des Holzes über den Streicher könnten aus der Schottischenstammen. Das Finale der Sinfonie erinnert überaus deutlich an den zweiten Satz - das Scherzo - aus Mendelssohns Reformations-Sinfonie.

Das BBC Philharmonic musiziert sphärenhaft, feinfühlig und - wenn es angebracht ist - wuchtig. Die einzelnen Stimmen werden von Hickox wunderschön differenziert. Eine absolut runde Sache, die die Entdeckung mehr als Wert ist. Diese Musik macht in dieser Interpretation riesigen Spaß!

Die Aufnahmequalität ist ebenfalls ganz hervorragend. So ist diese CD für alle Musikfreunde entdeckenswert, die Interesse haben an den Nebenpfaden der Musikgeschichte; abseits der schon so häufig beschrittenen Wege - aber dafür mit Überraschungen, die Beethoven, Mozart, Schubert und Brahms uns in der heutigen diskographisierten Welt leider nur noch selten bieten können.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Sullivan, Arthur: In memoriam

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Chandos
1
16.11.2000
75:11
2000
2000
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0095115985922
CHAN 9859

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Sullivan, Arthur


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Dirigent(en):Hickox, Richard
Orchester/Ensemble:BBC Philharmonic Orchestra


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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