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Dienstag, 2. März 2021

Beethoven, Ludwig van - Fidelio

Hohelied der Gattenliebe


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es ist eine Interpretation für die Ewigkeit, ein Monument. Und als solches in die Plattengeschichte eingegangen.

Was gäbe es über diese ‚Fidelio’-Aufnahme noch zu sagen? Sie ist ein Klassiker. Und zurecht. Was Produzent Walter Legge im Oktober 1953 in Wien im Musikvereinsaal für die EMI an Künstlern versammelte, um Beethovens Revolutionsoper einzuspielen, zählt nach wie vor zum eindrucksvollsten, was es jemals in diesen Rollen gab. Martha Mödl ist eine Leonore von singulärer Willenskraft, die mit großem Pathos und großem Ton von Liebe und Freiheit singt (auch wenn ihr einige Passagen recht unbequem in der Stimme liegen, was ihre Interpretation nur umso berührender macht). Um sie herum, eine zeittypische Traumbesetzung: Wolfgang Windgassen als vorbildlicher Florestan, der seine fiebertraumhafte Arie wirklich singt und nicht heiser deklamiert, Gottlob Frick als unübertroffener Rocco, Otto Edelmann als gefährlicher, aber eleganter Don Pizzarro. Ganz zu schweigen von der wundervollen Sena Jurinac als Marzelline und Rudolf Schock als Jaquino. 

Was der Einspielung jedoch den Rang des Außerordentlichen verleiht, ist das Dirigat von Wilhelm Furtwängler. Er liefert zusammen mit den Wiener Philharmonikern eine heroisch breite Interpretation, die bis ins kleinste Detail ausgefeilt und abgewogen ist. Bei seinem Beethoven gibt es keine ‚schrillen’ Effekte oder Zufälligkeiten. Keine (klanglichen) Überraschungen. Und doch ‚knallt’ die Musik an den entscheidenden Stellen der Handlung mit einer solchen Wucht, dass man auch heute noch staunt, wie Furtwängler diese Effekte erzeugt. Es ist eine Interpretation für die Ewigkeit, ein Monument. Und als solches in die Plattengeschichte eingegangen.

Da nach 50 Jahren das Copyright der EMI abgelaufen ist, hat nun die Firma Naxos die Einspielung in ihrer historischen Opernserie herausgebracht. Klanglich nicht nennenswert anders, als man sie ohnehin kannte. Aber im Preis natürlich ungleich attraktiver. Vielleicht entdeckt so eine junge Generation diesen Klassiker der Schallplattengeschichte neu?

Wer durch diese Wiener Aufnahme neugierig auf andere historische Einspielungen des ‚Fidelio’ wird, der sollte sich unbedingt auch die zweite große, neun Jahre ältere Aufnahme aus Wien anhören – mit Hilde Konetzni als Leonore, Torsten Ralf als Florestan, Paul Schöffler als Pizzarro, Irmgard Seefried als Marzelline und dem jungen Karl Böhm am Pult der Wiener Philharmoniker. Trotz (oder gerade wegen?) des nationalsozialistischen Pathos ist diese Einspielung aus dem vorletzten Kriegsjahr mustergültig. Die jubelnden Töne Konetznis im Finale hat wohl niemand später übertroffen, die Boshaftigkeit Pizzarros kaum jemand so angsteinflößend eingefangen wie Schöffler. Und Seefried ist eine traumhafte Marzelline, die sogar Sena Jurinac in den Schatten stellt. (Genau wie Ralf ein idealer Florestan ist, der den interpretatorischen Vergleich mit Windgassen aushält und zudem die rundere und vollere Stimme hat.)

Vielleicht bringt Naxos diese von Böhm mit elektrisierender Energie dirigierte Aufnahme ja demnächst auch in ihrer Opernserie heraus. Verdient hätte sie es!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Fidelio

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
2
17.10.2005
Medium:
EAN:

CD
0747313302024


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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