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Mittwoch, 30. November 2022

Stokowskis, Leopold - Symphonische Transkriptionen

Stokowski Sound aus Bournemouth


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Trotzdem: Es lohnt, diese Orchesterfassungen in dieser Neueinspielung zu kennen, und es lohnt auch, sie andernorts öfter in Konzertprogramme aufzunehmen.

Für Mussorgsky Fans ist diese CD ein Fest – seine ‚Bilder einer Ausstellung’ in einer alternativen Orchesterfassung, und noch dazu einer sehr besonderen. 1939 schrieb der legendäre amerikanische Dirigent Leopold Stokowski eine neue Partitur auf Basis der Originalklavierfassung von Mussorgsky, weil ihm die Version von Ravel aus dem Jahr 1922 ‚zu französisch’ klang. Ob der berühmte Stokowski-Sound nun so viel russischer klingt, sei dahingestellt. Mich persönlich erinnert der Klang eher an Hollywood, im klassischen und edelsten Sinn des Wortes.

Stokowskis ‚Bilder einer Ausstellung’ sind weniger parodistisch überdreht als bei Ravel. Wuchtiger. Massiver. Grandioser. Sie setzen das schwere Blech anders ein und lassen die Streichen greller dazwischen fahren. Die Effekte sind extremer. Weniger verfeinert und parfümiert. Aber dennoch niemals grobschlächtig. Alles klingt nach Psycho-Thriller. Nicht nach Spielzeugladen.

 Es wäre müßig urteilen zu wollen, welche Fassung nun besser sei. Beide haben ihre Reize, und es ist gut, die Stokowski-Alternative nun auf CD zu haben. (Dank der großzügigen finanziellen Unterstützung der Leopold Stokowski Society, wie man dem CD-Booklet entnehmen kann.)

Der Stokowski-Experte José Serebrier dirigiert das Bournemouth Symphony Orchestra mit großer Ruhe und Souveränität. Erhitzte Klangekstasen sind seine Sache nicht – womit er sich deutlich unterscheidet vom großen Vorbild aus Philadelphia. Denn der Maestro mit der markanten Frisur verstand es dann doch besser – auf seine unnachahmliche Weise – Musik zum triumphierenden Erlebnis werden zu lassen. Jeder, der den Disney-Film ‚Fantasia’ kennt, weiß, was gemeint ist. (Aber auch die vielen anderen Aufnahmen Stokowskis geben davon ein beredtes Zeugnis.)

Aus ‚Fantasia’ übernommen für diese Naxos-CD ist ‚A Night on Bare Mountain’. Der Hang zum düster Grandiosen, der Stokowskis eigene Wiedergabe nach wie vor so unwiderstehlich macht, ist hier stark reduziert. Serebrier ist kein charismatischer Klangmagier von Weltformat. Trotzdem ist seine Wiedergabe eindrucksvoll. Was viel über die Kraft dieser Orchesterfassungen sagt.

Hübsch sind die Tschaikowski-Extras: seine ‚Humoreske’ op. 10 (von Stokowski 1941 instrumentiert) und ‚Solitude’(von 1936). Besonders letztere ist von erlesener Schönheit. Man merkt hier aber auch deutlich, dass die Streicher in Bournemouth nicht den Glamour haben, den Stokowski seinen Streichern beim Philadelphia Orchestra andressierte. Besonders in den hohen Lagen fehlt den britischen Geigern jener gleißende Schmelz, jenes Funkeln, das das Markenzeichen von Stokowski und dem Philadelphia Orchestra war.

Trotzdem: Es lohnt, diese Orchesterfassungen in dieser Neueinspielung zu kennen, und es lohnt auch, sie andernorts öfter in Konzertprogramme aufzunehmen. Denn natürlich war Stokowski (1882-1977) ein genialer Musiker und Orchesterdompteur, der wusste, wie man Stücke zur optimalen Entfaltung bringt. Seine hier zusammengestellten brillanten Instrumentationen von Mussorgsky und Tschaikowski spiegeln das wider. Sie verdienen es, von der klassischen Musikwelt ernst genommen und nicht als ‚Kapellmeisterarbeit’ oder ‚Kunsthandwerk’ abgetan zu werden. Denn sie zeugen auch von einer hohen Kreativität im Umgang mit Musik – eine Kreativität, die seither leider etwas verloren gegangen ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Stokowskis, Leopold: Symphonische Transkriptionen

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
01.08.2005
Medium:
EAN:

CD
0747313264520


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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