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Sonntag, 29. Mai 2022

Beethoven, Ludwig van - Klavierikonzerte Nr.3,4

Nur für Kuriositätensammler?


Label/Verlag: Musicaphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Denn der eigentliche Reiz dieser Aufnahme liegt letztlich in der Vergleichsmöglichkeit mit einer Referenzaufnahme mit großem Orchester.

Derzeit sind wohl einige hundert verschiedene Aufnahmen der Klavierkonzerte Beethovens erhältlich. Die vorliegende Fassung der Klavierkonzerte Nr. 3 und 4 mit Heidrun Holtmann am Piano und dem Ensemble Concertino München stellt insoweit eine Neuerung dar, als sie zum ersten Mal nicht mit großem Orchester, sondern in Kammermusikbesetzung eingespielt ist. Im Booklet wird diese durch die historische Aufführungspraxis legitimiert. Wenn man auch über den Sinn und den musikhistorischen Wert einer solchen Aufnahme sicher streiten kann, birgt sie doch objektiv einen großen Vorteil, aber auch eine gewisse Gefahr.

Naturgemäß ist der Klang eines Streichquintetts viel transparenter als der eines Symphonieorchesters. So bietet diese Fassung denn auch ungewohnte Höreindrücke von den beiden Klavierkonzerten. Besonders hörenswert ist der dritte Satz des c-Moll-Konzerts, dessen Struktur wohl keine andere Interpretation je so zutage gefördert hat wie diese. Dazu trägt auch das absolut präzise Spiel der Streicher bei. Die Mitglieder von Concertino München - laut Booklet allesamt in führenden Positionen in Münchner Symphonieorchestern tätig - intonieren sauber und sicher, und die Gestaltung der Dynamik und der Tempi ist stimmig und durchaus mit Orchesterfassungen vergleichbar. Die Solistin Holtmann liefert ihren Part souverän ab, wie man es bei einer guten Einspielung erwarten kann.

Dem ungewohnten Klang steht allerdings die Gefahr gegenüber, dass die Streicher leicht vom Klavier überdeckt werden. Leider ist gerade im ersten Satz des dritten Klavierkonzerts die Balance recht unausgewogen, und die Streicher haben teilweise Mühe, sich gegen das Soloinstrument durchzusetzen.

Das Booklet versammelt zweisprachig (in Deutsch und Englisch) die wichtigsten Informationen zu den beiden Konzerten, dazu Kurzbiografien der Interpreten. Dass es kaum Hinweise zur Geschichte der Konzerte sowie keine über den Komponisten Beethoven enthält, lässt den Eindruck entstehen, die Aufnahme wende sich primär an Beethoven-Spezialisten. Insgesamt bleibt leider der Anschein einer - mit Einschränkungen durchaus empfehlenswerten - CD für Kuriositätensammler. Denn der eigentliche Reiz dieser Aufnahme liegt letztlich in der Vergleichsmöglichkeit mit einer Referenzaufnahme mit großem Orchester.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Michael Kühne,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Klavierikonzerte Nr.3,4

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Musicaphon
1
02.12.2005
Medium:
EAN:

CD
4012476568492


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Musicaphon

Ende der 50er Jahre gründete Karl Merseburger, Inhaber des Tonkunstverlages in Darmstadt, das Label CANTATE. Etwa zur gleichen Zeit rief Karl Vötterle (Bärenreiter-Verlag) in Kassel MUSICAPHON ins Leben. In beiden Fällen sollte vorrangig das jeweilige Verlagsprogramm auf Tonträgern dokumentiert werden. Nachdem Merseburger den Tonkunstverlag 1963 aufgeben mußte, übernahm Bärenreiter das Label CANTATE und führte beide gemeinsam unter dem Dach der 1965 gegründeten Vertriebsfirma "Vereinigte Schallplattenvertriebsgesellschaft Disco-Center" fort. Auf beiden Labels erschienen in den 60er und 70er Jahren bedeutende Aufnahmen. Besondere Schwerpunkte setzte Wilhelm Ehmann, Leiter der Westfälischen Kantorei in Herford, mit seinen historischer Aufführungspraxis verpflichteten Interpretationen der Werke von Heinrich Schütz. Bach-Kantaten wurden von Helmuth Rilling mit der Gächinger Kantorei und dem Figuralchor der Gedächtniskirche Stuttgart eingespielt. MUSICAPHON gewann daneben Profil mit der Veröffentlichung musikethnologischer Aufnahmen, herausgegeben von der UNESCO (Musik des Orients und Musik Afrikas) bzw. vom musikwissenschaftlichen Institut der Universität Basel (Musik Ozeaniens und Musik Südostasiens). 1994 erwarb der Musikwissenschaftler Dr. Rainer Kahleyss (Kassel) die Label, 1996 auch die Vertriebsfirma von Bärenreiter, die jetzt als "Klassik Center Kassel" firmiert. Seitdem werden auf CANTATE geistliche Musik, auf MUSICAPHON weltliche Musik vom Frühbarock bis zur Gegenwart veröffentlicht. Auch für die Rezeptionsgeschichte bedeutsame Aufnahmen der Altkataloge werden sukzessive auf CD umgestellt.


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