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Donnerstag, 29. September 2022

Rameau, Jean-Philippe - Les Paladins

Break Dance mit Rameau


Label/Verlag: Opus Arte
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Beim nächsten Einkauf muss diese spektakuläre DVD dabei sein!

Jean-Philippe Rameaus vorletzte Oper, die comédie lyrique ‚Les Paladins’ (1760), liegt nun endlich in der erfolgreichen und vielgerühmten Inszenierung und Choreographie von José Montalvo und Dominique Hervieu als Mitschnitt aus dem Théâtre du Châtelet in Paris vor. Und man kann dank einer brillanten Kamera und Bildregie vom ersten Moment an nachvollziehen, was Publikum und Kritik in Paris und London so begeistert hat. Kaum ein Superlativ dürfte zu hoch gegriffen sein, um den Zauber und den Reichtum an Fantasie zu rühmen, den diese Produktion ausstrahlt. Der Londoner Kritiker, der meinte, „ohne Zweifel wird es auf der Opernbühne dieses Jahr nichts Witzigeres, Spektakuläreres oder Hinreißenderes geben“, hat recht behalten. Es ist eine unwiderstehliche Produktion, der man sich nicht entziehen kann – auch nicht auf den vorbildlich ausgestatteten 2 DVDs, die das Ereignis festgehalten haben.

Keine Angst vor ‚modernen Inszenierungen’

‚Les Paladins’ ist das seinerzeit in vielerlei Hinsicht experimentelle, ja vielleicht gar avantgardistische Werk des deutlich über 70-jährigen Rameau. Er und sein Liberettist, Duplat de Monticourt, haben hier (einer Fabel La Fontaines und Ariostos ‚Orlando furioso’ folgend) in einem rasanten  Stilgemisch Oper, Ballett und Elemente des Volkstheaters zusammengebracht und zu einer neuen Einheit geführt. Die Inszenierung und Choreographie José Montalvos und Dominique Hervieus greift das auf und übersetzt es in eine moderne Bühnensprache, die spielerisch mit Stilbrüchen, Anspielungen und Traditionen umgeht ohne dabei das Original der Lächerlichkeit Preis zu geben. Eine spätbarocke Bühnenrevue in neuem Gewand. Unwiderstehlich witzig, faszinierend poetisch und grundmusikalisch.

Das multimedial unterstützte, furiose Spektakel bringt mit atemberaubendem Tempo immer wieder neue Bildwelten und Perspektiven, immer wieder aufs Neue überraschende szenische Einfälle und immer wieder aufs Neue faszinierende Umsetzungen eines sinnlichen, intensiven, körperbetonten Theaters. Die Vielfalt dieser Imaginationswelten, zwischen klassischem Tanz und Modern Dance, zwischen Bewegungsballett, Pantomime und Akrobatik, zwischen Break Dance-Elementen und poetischen (filmischen) Bewegungsarrangements, muss man mit eigenen Augen sehen. All das steht im Dienst der Erzählung und ist auf den Punkt genau mit der Musik zusammen gedacht, ja scheint geradezu aus ihren Bewegungen heraus zu erwachsen.

Besser geht’s nicht

Die Geschichte um Ritter, Chinesen, ein gefangengehaltene Schönheit, ein geplante Verheiratung, Befreiungsversuche, Magie und vielerlei unterhaltsamen Elementen mehr, die schließlich in einem Happy End mündet, ist so angenehm überdreht, wie die gesamte Produktion. Dabei gibt es klar gezeichnete Charaktere, denen die Regie schon auch mal das Augenzwinkern der Ironie schenkt – aber nur um sie noch deutlicher zu konturieren. Da ist die wunderbare Stéphanie d’Oustrac, die als gefangengehaltene Schönheit Argie geradezu überschäumt vor Sing- und Spielfreude. Ihr herbeieilender Ritter Atis, mit viel Ausstrahlung und Frische von Topi Lehtipuu gesungen, wirkt tatsächlich wie die ideale Ergänzung für sie – und Lehtipuu bestätigt auch hier sein großes Talent, das ihn bei den Nachwuchssängern zu Recht ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt hat. Sandrine Piau führt als hilfsbereite Freundin Néris mit ihrem leuchtenden Sopran die Künste der Verzierung und der klaren Stimmführung vor. Laurent Naouri ist - stimmgewaltig und agil - ein herrlich finsterer Bösewicht als Orcan, René Schirrers Anselme steht ihm an Autorität in nichts nach. Francois Piolino als Magier Manto ergänzt die erstklassige Besetzung, bei der niemals der Verdacht aufkommt, hier würden stilistische oder technische Mängel herrschen. Besser läßt sich das nicht singen, spielen und tanzen!

William Christie und Les Arts Florissants sind in ebenso großartiger Form, wie die Gesangssolisten und die Tänzer der Compagnie. Das locker-bewegte Klangbild, das Christie vom ersten Takt an initialisiert,  trägt die kurzweiligen zweieinhalb Stunden wie auf Schwingen. Einmal angestoßen scheint die Musik energievoll von selbst zu laufen, die Wechsel zwischen rezitativischen uns ariosen Teilen werden unwichtig im grossen theatralischen Atem der Aufführung. Unglaublich Vielfältig das Spektrum der Differenzierungen in Tempo, Dynamik und Phrasierung. So lebendig klang Rameau schon lange nicht mehr - und wer hätte das gedacht, als vor 25 Jahren die ersten Gesamtaufnahmen seiner Werke erschienen? Christie ist der derzeit wohl beste Anwalt für Rameaus Opern, das haben schon die Vorgängerproduktionen gezeigt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







Uwe  Schneider Kritik von Uwe Schneider,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rameau, Jean-Philippe: Les Paladins

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Opus Arte
2
14.11.2005
Medium:
EAN:

DVD
0809478009382


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Opus Arte

Opus Arte ist eines der weltweit führenden DVD-Labels. Spezialisiert auf Oper und Tanz, enthält unser Katalog eine Vielzahl musikalischer Erfahrungen. Angefangen bei der Grand Opera hin zu märchenhaften Balletten, von zeitgenössischem Tanz hin zu Künstlerporträts - und nicht zu vergessen zu einer Party im rückseitigen Garten ihrer Majestät!
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