> > > Smetana, Bedrich: Piano trio in G minor
Mittwoch, 22. Januar 2020

Smetana, Bedrich - Piano trio in G minor

Grossartige Tradition


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dabei versuchen die Interpreten den dramatischen Zugriff auf das Suk-Trio gegenüber dem Smetana-Trio fast noch zu erhöhen.

Tradition ist Schlamperei. So lautet ein berühmter Ausspruch Gustav Mahlers. Beim Hören der außergewöhnlichen CD mit Klaviertrios dreier tschechischer Komponisten, interpretiert vom Smetana-Trio aus Prag, zieht man dieses Bonmot ernsthaft in Zweifel. Denn im Angesicht der Supraphon-Aufnahme klingt dieser Ausspruch wie Hohn. Das Smetana-Trio führt seine Tradition auf die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts zurück. Aus drei hervorragenden Solisten formierte sich damals die Gruppe um den Spiritus rector, den Pianisten Josef Pálenícek. Dessen Cello spielender Sohn Jan übernahm nach dem Tod des Vaters 1991 den ,symbolischen Staffelstab’, wie es das schöne Booklet so treffend auszudrücken versteht. An der Seite des Cellisten spielen heute die impulsive Geigerin Jana Nováková und die Pianistin Jitka Cechová. Die fast 70-jährige Tradition des Trios scheint der vitalen Interpretation von Musik Bedrich Smetanas, Josef Suks, und Vítezslav Nováks nicht hinderlich. Vielmehr ist eine aus Beständigkeit herrührende Sicherheit und ein hohes Selbstvertrauen die wichtige Zugabe für diese leidenschaftlichen, ungemein präsenten Interpretationen.

Leidenschaftlich

Dramatisch modern, ausgreifend kühn und leidenschaftlich wird das bekannte g-Moll Trio, op. 15, von Bedrich Smetana gespielt. Schon das eröffnende Thema formuliert die Geigerin Jana Nováková äußerst klangreich. Mit enormem Zugriff und orchestralen Wirkungen wird der Satz zu einem packenden Erlebnis. Nie bekommt man eine Ahnung von kammermusikalischer Sprödigkeit. Mutig wagt sich die Pianistin daran, Passagen im 1. Satz fast nach Ravel klingen zu lassen. In seinem Gestus tritt der Satz im Geiste gleichwertig neben die ergreifenden Augenblicke in Smetanas bekenntnishaftem Streichquartett ,Aus meinem Leben’. Nicht weniger überzeugend gelingen die beiden übrigen Sätze, gerade das finale Presto besticht durch ein rasantes Tempo, das die Musiker nicht hindert, sich im elegischen 2. Thema herrlich auszusingen. Zu den hellen Streichern tritt dabei das etwas weicher grundierte Klavier als breites klangliches Fundament. Die Tontechnik hängt sich beinahe an die Saiten der Streicher. Das Klavier ist indes etwas aus dem Fokus gerutscht. Im Vergleich zu den übrigen beiden Trios Suks und Nováks wirkt Smetanas fast 40 Jahre ältere Komposition von 1855 wie das eigentlich modernste Werk.

Dabei versuchen die Interpreten den dramatischen Zugriff auf das Suk-Trio gegenüber dem Smetana-Trio fast noch zu erhöhen. Die Striche sind entsprechend rauer und härter ausgefallen. Für Kammermusikfans bietet sich hier die Möglichkeit eine echte Entdeckung zu machen, denn das Stück enthält nicht nur viel Reizvolles, sondern nachgerade Begeisterndes, etwa das kraftstrotzende Vivace. Als Komposition blasser ist das Trio, op. 27, von Vìtezslav Novák. Doch die spätromantische Aura dieser gar nicht morbiden Fin-de-siecle-Schöpfung bereichert das bisherige Bild treffend. Schon vermutet man, dass es an den Interpreten liegen muss, dass zu Gold wird, was eben noch metallen glänzte. Tradition ist eben doch nicht Schlamperei, sondern Ansporn. 

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Smetana, Bedrich: Piano trio in G minor

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
1
24.06.2005
Medium:
EAN:

CD
0099925381028


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Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


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