> > > Smetana, Bedrich: Piano trio in G minor
Mittwoch, 14. November 2018

Smetana, Bedrich - Piano trio in G minor

Grossartige Tradition


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dabei versuchen die Interpreten den dramatischen Zugriff auf das Suk-Trio gegenüber dem Smetana-Trio fast noch zu erhöhen.

Tradition ist Schlamperei. So lautet ein berühmter Ausspruch Gustav Mahlers. Beim Hören der außergewöhnlichen CD mit Klaviertrios dreier tschechischer Komponisten, interpretiert vom Smetana-Trio aus Prag, zieht man dieses Bonmot ernsthaft in Zweifel. Denn im Angesicht der Supraphon-Aufnahme klingt dieser Ausspruch wie Hohn. Das Smetana-Trio führt seine Tradition auf die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts zurück. Aus drei hervorragenden Solisten formierte sich damals die Gruppe um den Spiritus rector, den Pianisten Josef Pálenícek. Dessen Cello spielender Sohn Jan übernahm nach dem Tod des Vaters 1991 den ,symbolischen Staffelstab’, wie es das schöne Booklet so treffend auszudrücken versteht. An der Seite des Cellisten spielen heute die impulsive Geigerin Jana Nováková und die Pianistin Jitka Cechová. Die fast 70-jährige Tradition des Trios scheint der vitalen Interpretation von Musik Bedrich Smetanas, Josef Suks, und Vítezslav Nováks nicht hinderlich. Vielmehr ist eine aus Beständigkeit herrührende Sicherheit und ein hohes Selbstvertrauen die wichtige Zugabe für diese leidenschaftlichen, ungemein präsenten Interpretationen.

Leidenschaftlich

Dramatisch modern, ausgreifend kühn und leidenschaftlich wird das bekannte g-Moll Trio, op. 15, von Bedrich Smetana gespielt. Schon das eröffnende Thema formuliert die Geigerin Jana Nováková äußerst klangreich. Mit enormem Zugriff und orchestralen Wirkungen wird der Satz zu einem packenden Erlebnis. Nie bekommt man eine Ahnung von kammermusikalischer Sprödigkeit. Mutig wagt sich die Pianistin daran, Passagen im 1. Satz fast nach Ravel klingen zu lassen. In seinem Gestus tritt der Satz im Geiste gleichwertig neben die ergreifenden Augenblicke in Smetanas bekenntnishaftem Streichquartett ,Aus meinem Leben’. Nicht weniger überzeugend gelingen die beiden übrigen Sätze, gerade das finale Presto besticht durch ein rasantes Tempo, das die Musiker nicht hindert, sich im elegischen 2. Thema herrlich auszusingen. Zu den hellen Streichern tritt dabei das etwas weicher grundierte Klavier als breites klangliches Fundament. Die Tontechnik hängt sich beinahe an die Saiten der Streicher. Das Klavier ist indes etwas aus dem Fokus gerutscht. Im Vergleich zu den übrigen beiden Trios Suks und Nováks wirkt Smetanas fast 40 Jahre ältere Komposition von 1855 wie das eigentlich modernste Werk.

Dabei versuchen die Interpreten den dramatischen Zugriff auf das Suk-Trio gegenüber dem Smetana-Trio fast noch zu erhöhen. Die Striche sind entsprechend rauer und härter ausgefallen. Für Kammermusikfans bietet sich hier die Möglichkeit eine echte Entdeckung zu machen, denn das Stück enthält nicht nur viel Reizvolles, sondern nachgerade Begeisterndes, etwa das kraftstrotzende Vivace. Als Komposition blasser ist das Trio, op. 27, von Vìtezslav Novák. Doch die spätromantische Aura dieser gar nicht morbiden Fin-de-siecle-Schöpfung bereichert das bisherige Bild treffend. Schon vermutet man, dass es an den Interpreten liegen muss, dass zu Gold wird, was eben noch metallen glänzte. Tradition ist eben doch nicht Schlamperei, sondern Ansporn. 

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Smetana, Bedrich: Piano trio in G minor

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
1
24.06.2005
EAN:

0099925381028


Cover vergössern

Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Supraphon:

  • Zur Kritik... Hausmusik von herber Schönheit: Diese Aufnahme ist mit Sicherheit keine hochpolierte Massenware, die im Schönklang ertrinkt, sondern eine kraftvolle und persönlichkeitsstarke Lanze für eine vernachlässigte Kunst: Hausmusik in ihrer schönsten Ausprägung. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Gesang der Instrumente: Tomás Netopil und das Prague Symphony Orchestra überzeugen mit atmosphärischen Suiten aus Janáčeks Opern. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Mit Elan: Das Smetana Trio nimmt sich der Klaviertrios von Bohuslav Martinu an. Das Ergebnis ist voller Frische und lebendiger Gestaltungskraft. Ein optimaler Zugang zu diesen Werken. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
blättern

Alle Kritiken von Supraphon...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Thomas Vitzthum:

  • Zur Kritik... Schönste Wiener Kammermusik: Schwungvoll wienerische Kammermusik, gespielt von einem herausragenden Ensemble mit Wiener Wurzeln. Weiter...
    (Dr. Thomas Vitzthum, )
  • Zur Kritik... Nicht aus der Mode gekommen: So empfiehlt sich diese Aufnahme für Entdecker im Violinrepertoire, aber auch für Freunde knapper, inspirierter Neoklassik. Weiter...
    (Dr. Thomas Vitzthum, )
  • Zur Kritik... Undramatisch bekehrt : Frieder Bernius hat eine farbige, aber sehr undramatische Aufnahme des Paulus vorgelegt. Nichtsänger werden sie dennoch mögen. Weiter...
    (Dr. Thomas Vitzthum, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Thomas Vitzthum...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Himmlisches Hörvergnügen: Die dritte CD des Frauenchores der PH Heidelberg bildet einen bunten Querschnitt aus dem Repertoire für Frauenchor a cappella ab. Weiter...
    (Anneke Link, )
  • Zur Kritik... Expressive Meisterwerke: Das Boulanger Trio kann mit Paul Juons Klaviertrio „Litaniae“ stärker überzeugen als mit Tschaikowskijs berühmtem Mammut-Trio. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Verwandtschaftsverhältnisse: Hörbare Herzensangelegenheit in Sachen Nischenrepertoire – mit winzigen Schönheitsfehlern. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2018) herunterladen (4200 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Max Bruch: Die Loreley - 2. Akt - Woher am dunkeln Rhein?

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich