> > > Smetana, Bedrich: The Bartered Bridge
Montag, 24. Januar 2022

Smetana, Bedrich - The Bartered Bridge

Böhmische Spielerei


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Selten hört man eine so mitreißende Opern-Gesamteinspielung, die den Hörer von der ersten bis zur letzten Note so sehr vor den Lautsprechern fesselt.

Ein absoluter Misserfolg bei der Premiere muss noch lange kein Todesurteil für eine Oper sein. Ganz im Gegenteil sogar: das durchgefallene Werk kann eine späte Blüte erleben und für den anhaltenden Nachruhm des Komponisten sorgen. So passierte es auch mit Smetanas ‘Verkaufter Braut’. Die Oper ist heute eine seiner erfolgreichsten Kompositionen. Doch es dauerte lange, bis sie sich auf den Spielplänen vieler Opernhäuser durchgesetzt hatte. Die leichte Buffo-Oper mit ihrer furiosen Ouvertüre, die ausgelassenen Chorszenen und die fröhlich dörfliche Grundstimmung des Werks enttäuschten zu anfangs die Erwartungen des tschechischen Publikums, das eher eine Art wagnerisches Nationalepos mit viel Pathos und Patriotismus von Smetana wünschte. Doch gerade dagegen wollte sich Smetana absetzen und schrieb die ‘Spielerei’, wie er sie nannte, um sich vom Vorwurf, ein bloßer Wagner-Epigone zu sein, frei zu machen. Die Wiener Hofoper lehnte fast drei Jahrzehnte lang ab, das Werk zu spielen, da böhmische Bauern nichts auf einer seriösen Bühne zu suchen hätten. Diese Zeiten sind zum Glück lange vorbei, und die Oper ist an allen großen Häusern etabliert.

Nun hat der englische Smetana-Experte Sir Charles Mackerras die ‘Verkaufte Braut’ neu eingespielt und zwar komplett in englischer Sprache in einer neuen Übersetzung durch den im angelsächsischen Raum sehr erfolgreichen Kabarettisten und Autoren Kit Hesketh-Harvey. Gefördert wurde das Projekt durch die Peter Moores Foundation, welche es sich zur Aufgabe gemacht hat, Opern einem weiteren Publikum zu erschließen und neue Hörerschichten für klassische Musik zu gewinnen. Deshalb hat man sich auch gegen die tschechische Originalsprache entschieden, die vielleicht eine größere Werktreue garantiert, aber sicher nicht zum besseren Textverständnis in der anglophonen Welt beiträgt. Puristen werden darüber den Kopf schütteln, aber wen dies nicht stört, der ist mit dieser Einspielung wirklich gut beraten.

Selten hört man eine so mitreißende Opern-Gesamteinspielung, die den Hörer von der ersten bis zur letzten Note so sehr vor den Lautsprechern fesselt. Mackerras arbeitet zusammen mit dem Philharmonia Orchestra detailliert die unterschiedlichen Stimmen heraus und präsentiert die Partitur mit beeidruckend analytischem Blick. Schon die ersten Takte der halsbrecherischen Ouvertüre differenziert er gekonnt aus und verliert dabei nie den Blick für die schwungvollen großen Bögen. Seine Interpretation konzentriert sich auf die traurigen, verzweifelten Zwischentöne, ohne aber die alles versöhnende Heiterkeit und Lebensfreude des dörflichen Treibens zu vergessen.

Auch die Sänger überzeugen alle. Allen voran steht Susan Gritton, die eine wunderbar einfühlsame Interpretation der zu verheiratenden Marenka gibt. Ihr steht Paul Charles Clarke als Jenik zur Seite, dessen schöne Tenorstimme sich perfekt mit Grittons klarem Sopran mischt. Des weiteren zählen zu den Aufführenden Peter Rose als komisch tölpelhafter Kecal, Timothy Robinson als minderbemittelter Vasek, Geoffrey Moses als reicher Micha, Yvonne Howard als von der Heirat nicht begeisterte Mutter Ludmilla, Neal Davies als wenig zögerlicher Vater Krusina, Robin Leggate als Zirkusdirektor, Yvette Bonner als kesses Zirkusmädchen Esmeralda sowie der Chor der Royal Opera Covent Garden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Smetana, Bedrich: The Bartered Bridge

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Chandos
2
25.11.2005
Medium:
EAN:

CD
0095115312827


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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