> > > 20 Große Pianisten: Ausgewählt und kommentiert von Carsten Dürer
Donnerstag, 18. Juli 2019

20 Große Pianisten - Ausgewählt und kommentiert von Carsten Dürer

20 Pianolegenden im Schuber


Label/Verlag: Membran
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Booklettexte sind noch das Beste an der Edition.

In den letzten Jahren sind etliche CD-Sammlungen erschienen, die den bedeutenden Pianisten des vergangenen Jahrhunderts gewidmet sind. Unübertroffen in Qualität und Umfang ist bis heute die Reihe ‘Great Pianists Of The 20th Century’: Auf insgesamt 100 Doppel-CDs wurden wegweisende Interpretationen und kostbare Raritäten veröffentlicht.

Leider war diese von Philips Classic initiierte Sammlung schon nach kurzer Zeit vergriffen.

Andere Firmen folgten mit ähnlichen, aber deutlich schlankeren Editionen. Zuletzt erschienen zwei Sammlungen für den schmaleren Geldbeutel und mit auffällig ähnlichem Konzept:

die ‘Kaiser-Klassik’-Box in der Mediathek der Süddeutschen Zeitung und ‘20 Große Pianisten’ beim Hamburger Label ‘Membran International’. In beiden Fällen zeichnen sich ausgewiesene Klavierkenner für den Inhalt verantwortlich: zum einen der Kritiker-Papst Joachim Kaiser, zum anderen der ‘Piano-News’-Chefredakteur Carsten Dürer. Persönliche Vorlieben stehen bei diesen Vorhaben im Vordergrund – sowohl was die Beschränkung auf bestimmte Pianisten betrifft als auch was die Auswahl der Interpretationen angeht.

Carsten Dürer porträtiert zwanzig verschiedene Pianisten, darunter vier Pianistinnen, auf je einer CD. Da ‘Membran International’ lediglich Aufnahmen veröffentlicht, für die die urheberrechtliche 50-Jahre-Frist abgelaufen ist, konnte Dürer nur auf Tondokumente, die bis Anfang der 1950er entstanden, zurückgreifen. Man fragt sich, warum sich Dürer auf dieses zweifelhafte Unternehmen eingelassen hat. Um für sich und seine Zeitschrift ‘Piano News’ Werbung zu machen? Fakt ist: In dieser Form schadet die vorliegende Sammlung seinem Ruf eher als sie ihm nützt, und das hat verschiedene Gründe: Ein Großteil der veröffentlichten Aufnahmen hat ‘Membran International’ bereits vor sechs Jahren ‘verbraten’, und zwar in der Reihe ‘The Piano Masters’. Damals hieß das Hamburger Unternehmen noch ‘The International Music Company’. Wenn ‘Membran International’ die neue Edition nun als ‘einzigartig’ bewirbt, so ist das, zumindest in Bezug auf die enthaltene Musik, eine bewusste Täuschung des Kunden.

‘Membran International’ weist ferner darauf hin, dass die historischen Aufnahmen ‘mit Hilfe modernster Technik’ remastert sind und ‘durch ein gutes Klangbild’ bestechen. Auch dies erweist sich als Irreführung: Die Tonqualität ist unterdurchschnittlich bis mangelhaft, teilweise sogar unzumutbar. Ein Beispiel: Schuberts Klaviersonate, interpretiert von Clara Haskil. Hier sind die forte-Stellen im ersten Satz dermaßen übersteuert, dass es scheppert. Philips hat die gleiche Aufnahme in einer mehrteiligen Clara-Haskil-Box veröffentlicht – ohne diese klanglichen Verzerrungen. Noch ein Beispiel, diesmal ein harmloseres: Claudio Arraus legendäre Einspielung des ‘Carnavals’ von Schumann wird bei ‘Membran International’ von einem permanten LP-Kreisbewegungsrauschen begleitet, ganz im Gegensatz zu der klanglich hervorragend überarbeiteten Version bei ‘Dante Productions’ (1994). Davon abgesehen fragt man sich an vielen Stellen der Kompilation, ob man wirklich bedeutende Interpretationen vor sich hat, die angeblich Generationen von Pianisten inspiriert haben. Wieder ein Beispiel: Shura Cherkasskys lahme Deutung des Tschaikowsky-Klavierkonzerts – mit Sicherheit keine seiner Glanzleistungen. Schlimmer noch hat es Wanda Landowska getroffen. Natürlich ist nichts dagegen einzuwenden, Landowska zu den größten Interpreten des 20. Jahrhunderts zu zählen. Doch keine der ausgewählten Aufnahmen wird ihrem eigentlichen Talent gerecht. Landowskas Spiel wirkt auf der ihr gewidmeten CD erstaunlich unausgeglichen, wirr und nachlässig. Wahrscheinlich hatte Carsten Dürer bei vielen seiner Lieblingspianisten Mühe, aus dem begrenzten Fundus von ‘Membran International’ repräsentative Aufnahmen auszuwählen. Als Hörer hat man das unbefriedigende Gefühl, weder pianistische Sternstunden zu erleben noch verborgene Schätze zu entdecken, da die Überschneidungen mit der oben erwähnten früheren Reihe ‘Piano Masters’ beträchtlich sind.

Die Booklettexte sind noch das Beste an der Edition. Carsten Dürer verfügt zwar nicht über die präzise Formulierungskunst Joachim Kaisers, gleicht dies aber aus durch umfangreiche, akribisch recherchierte Lebensbeschreibungen der einzelnen Pianisten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Felix Stephan,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    20 Große Pianisten: Ausgewählt und kommentiert von Carsten Dürer

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Membran
20
02.10.2008
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4011222231048
223104


Cover vergössern

Albeníz, Isaac
Bach, Johann Sebastian
Beethoven, Ludwig van
Brahms, Johannes
Chopin, Frédéric
Couperin, Francois
Debussy, Claude
Franck, César
Liszt, Franz
Mendelssohn Bartholdy, Felix
Mozart, Wolfgang Amadeus
Ravel, Maurice
Scarlatti, Domenico
Schubert, Franz
Schumann, Robert


Cover vergössern

Dirigent(en):Ormandy, Eugene
Munch, Charles
Toscanini, Arturo
Ludwig, Leopold
Swoboda, Henry
Karajan, Herbert von
Furtwängler, Wilhelm
Kubelik, Rafael
Ronald, Landon
Stokowski, Leopold
Orchester/Ensemble:New York Philharmonic Orchestra
London Symphony Orchestra
Orch. d. l. Société d. Concerts d. Cons.
Berliner Philharmoniker
Philadelphia Orchestra
Philharmonia Orchestra
NBC Symphony Orchestra
Interpret(en):Cutner, Solomon
Cherkassky, Shura
Serkin, Rudolf
Rubinstein, Arthur
Horowitz, Vladimir
Cortot, Alfred
Casadesus, Robert
Kempff, Wilhelm
Backhaus, Wilhelm
Gilels, Emil


Cover vergössern

Membran

Die Hamburger Vertriebs- und Entertainment Gruppe

Membran, ursprünglich als Tonträger-Einzelhandelskette mit über 30 Shops 1968 gegründet, ist ein internationaler etablierter und Industrie-unabhängiger Musikvertrieb. 2010 richtet Membran seine Strategien neu aus und expandiert zur Membran Entertainment Gruppe.

Ansässig in der Medienstadt Hamburg, konnte Membran seit der Gründung 1968 seine Services beständig ausbauen: Vom Musikvertrieb mit A&R Management, Konzeption und Produktion über das Lizenz- und Rechte-Management von Musik- und Filmtiteln, über Buchverlag und Buchhandel, zum Digitalvertrieb und als Vertriebspartner vieler internationaler Labels: der independent Vertrieb ist mit seinen Katalogen und Produktionen weltweit tätig.

Über 40 Mitarbeiter entwickeln ständig neue Medienprodukte, Einzel und Sammel-Editionen aus einem mittlerweile über 10.000 Artikel umfassenden aktiven Katalog. Für die Auswertung über die gesamte Bandbreite an Medienformaten kann das Unternehmen auf einen Lizenz- und Rechte Pool mit über 250.000 Titeln zurückgreifen.

Produkte und Kataloge eigener sowie renommierter Label wie Ars Musici, NCA, Nuova Era, Documents, Classico, Motema oder Must Have Jazz erreichen die Endkunden weltweit direkt oder über internationale Handelspartner.

Die Labels aus dem Hause Membran bieten Produktionen in allen Musikrichtungen und Preisklassen. Man findet Jazz, Klassik, Pop, Rock, HipHop und Schlager und ein breites Spektrum an Genre-Kopplungen sowie ausgesuchte Buchprodukte und Sammel-Editionen.

Vor allem spezialisiert ist Membran im Klassikbereich und hat mit Labels wie NCA - New Classical Adventure und Nuova Era in diesem Segment eine führende Rolle. Es werden hochwertige und seltene Werke geboten, und neue Talente etabliert.

Für ihre Produktionen wurde die Membran Gruppe bereits mehrfach ausgezeichnet. So erhielten sie zweimal den LEOPOLD  Medienpreis des Verbandes deutscher Musikschulen und für Beethovens Streichquartette, eingespielt von dem Leipziger Gewandhaus-Quartett, den Jahrespreis 2004 beim Preis der deutschen Schallplattenkritik, wo sie mit weiteren Titeln die Bestenliste erreichten.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Membran:

  • Zur Kritik... Einzigartige Strauss-Aufnahmen der Geschichte: Der zweite Teil der Opern-Gesamtaufnahme Richard Strauss' überzeugt mit weiteren herausragenden Interpretationen und einem extra Wiener Schmankerl. Weiter...
    (Tanja Geschwind, )
  • Zur Kritik... Ins Schwarze getroffen: Carl Maria von Weber ist besonders durch ein Werk bekannt geworden: den 'Freischütz'. Erich Kleiber hat dieses Werk 1955 in seiner Gesamtheit mit einem illustren Ensemble eingespielt und damit einen künstlerischen Volltreffer gelandet. Weiter...
    (Dirk Weber, )
  • Zur Kritik... Selig, hehr und milde: Die Heldentenor-Legende Wolfgang Windgassen erfährt durch das Label Documents mit der Veröffentlichung einer umfangreichen 10-CD-Box eine Hommage an seine Frühphase. Weiter...
    (Daniel Eberhard, )
blättern

Alle Kritiken von Membran...

Weitere CD-Besprechungen von Felix Stephan:

  • Zur Kritik... Zwiespältiges Ergebnis: Korsticks vielgerühmter Beethoven-Zyklus geht in die voraussichtlich vorletzte Runde - mit zwiespältigem Ergebnis. Weiter...
    (Felix Stephan, )
  • Zur Kritik... Bewundernswert attraktiv: Tolles Konzept, gelungenes Layout, immense Informationsdichte, enorme Bandbreite: Trotz ein paar kleineren Schwächen im Detail ist Amons "Lexikon der musikalischen Form" zu empfehlen. Weiter...
    (Felix Stephan, )
  • Zur Kritik... Gepflegte Langeweile: Brav, vorhersehbar und teilweise unausgereift - so wirkt dieser Schubert-Live-Mitschnitt des Amerikaners Jonathan Biss aus der Londoner Wigmore Hall. Weiter...
    (Felix Stephan, )
blättern

Alle Kritiken von Felix Stephan...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Inspiriert: Das United Continuo Ensemble befreit Johann Erasmus Kindermann gemeinsam mit Ina Siedlaczek und Jan Kobow aus seinem Schicksal einer bloß historischen oder papierenen Größe: inspirierte Musik, köstlich gesungen und gespielt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Musik aus Andalusien: Das Orquestra Baroca Sevilla bringt eine CD mit Trauermusik aus dem Andalusien des 18. Jahrhunderts heraus. Weiter...
    (Anneke Link, )
  • Zur Kritik... Les Rarissimes de Gina Bachauer: Die griechische Pianistin Gina Bachauer hätte eine vertiefte diskografische Erkundung verdient. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Johann Wilhelm Wilms: Piano Quartet op. 30 in F major - Allegro

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich