> > > Hoof, Jef van: Symphony No. 5 in E major
Sonntag, 5. Dezember 2021

Hoof, Jef van - Symphony No. 5 in E major

Belgische Spätromantik


Label/Verlag: Phaedra CD
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Für alle entdeckungsfreudigen Hörer, die Komponisten wie Dvorak oder Strauss schätzen, ist diese CD empfehlenswert.

‚In Flanders´ Fields‘ heißt eine CD-Reihe des Labels Phaedra, die sich vornehmlich belgischen Komponisten widmet. Die meisten dieser Tondichter haben keine größere Bedeutung, so etwa Peter Benoit (1834 – 1901) oder der immerhin durch sein ‚Symphonisches Konzert‘ für Orgel und Orchester bekannte Joseph Jongen (1873 – 1953). Auch Jef van Hoof (1886 – 1959) teilt dieses Schicksal, außerhalb seines Heimatlandes kaum zur Kenntnis genommen zu werden. Als Symphoniker setzte sich van Hoof nicht während seiner gesamten Laufbahn mit der Gattung auseinander, sondern erst in späteren Jahren: Von 1938 bis zu seinem Tode komponierte er sechs Symphonien, die sich durch ihre Kompaktheit auszeichnen. Die fünfte Symphonie dauert 23 Minuten, die sechste – allerdings unvollendete – gar nur eine Viertelstunde. Beide Werke hat der Dirigent Zsolt Hamar mit dem Pannon Philharmonic Orchestra Pécs eingespielt, dazu noch die zweite Symphonische Suite von 1952 und fünf Orchesterlieder, die beinahe den gesamten Schaffenszeitraum des Komponisten abdecken: Vom 1903 komponierten ‚Es ist still‘ bis zur ‚Lotusblume‘ aus dem Jahr 1957. In den Liedern begleiten Hamar und das ungarische Orchester die Sopranistin Ann De Renais.

Betrachtet man alleine die Dauer der vier Sätze, könnte die fünfte Symphonie auch von Haydn stammen. Die Tonsprache van Hoofs nähert sich allerdings weniger der Klassik als der Romantik an; zu einer Zeit, in der Zwölftönigkeit und Serialismus dominierten, hielt der Belgier an den kompositorischen Prinzipien des 19. Jahrhunderts fest. Konsequenterweise wird die Interpretation Hamars von einem romantischen Geist durchweht, das Orchester folgt dem Dirigenten auf diesem Weg. Viel Streichervibrato und hervorgehobene Holzbläser zeichnen diese Deutung der fünften Symphonie aus, die Anklänge an Schumann und Brahms, vor allem aber an Dvorak aufweist. Selbstverständlich beinhaltet die Feststellung, van Hoof habe rückwärtsgewandt komponiert, kein Qualitätsurteil – die beiden Symphonien sind der beste Beleg für die These, daß tonales und originelles Komponieren auch mitten im 20. Jahrhundert noch möglich war. Die sechste Symphonie präsentiert sich dabei strenger, weniger klangsinnlich als ihre Vorgängerin. Interpretatorisch kann das ungarische Orchester hier ebenfalls überzeugen, allenfalls des zehnsekündige ‚Finale‘ – nach wenigen Takten des letzten Satzes bricht die Partitur ab – wirkt etwas überflüssig, hätte wohl auch weggelassen werden können.

Mit der zweiten Symphonischen Suite wagte van Hoof einen Ausflug in die Programmusik, worauf Titel der einzelnen Abschnitte wie ‚Weiße Hosen‘ oder ‚Tolles Gesicht‘ hinweisen. Das Werk wirkt weniger gelungen als die beiden Symphonien. Die konsequente Gedrängtheit der fünften und sechsten Symphonie ist nun einer Tendenz zur ausufernden Formulierung gewichen, die manche triviale Passage hervorbringt. Hamar müht sich, solche Abschnitte durch ein relativ straffes Tempo erträglich zu halten. Klanglich gibt es dagegen nichts auszusetzen, alle Instrumente des Orchesters wurden hervorragend eingefangen.

Erfreulich anzuhören sind die fünf Lieder, die trotz eines langen Zeitraumes zwischen dem zuerst (1903) und zuletzt (1957) entstandenen Werk eine hohe stilistische Einheitlichkeit aufweisen. Ann De Renais´ Sopranstimme präsentiert sich makellos, Hamar hält das Orchester zu einer subtilen Begleitung an. Besonders hörenswert ist das dritte Lied, ‚Suja, nu Suja!‘. Für alle entdeckungsfreudigen Hörer, die Komponisten wie Dvorak oder Strauss schätzen, ist diese CD empfehlenswert. Man darf hoffen, dass ‚in den Feldern Flanderns‘ noch so mancher musikalische Schatz zu heben ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Hoof, Jef van: Symphony No. 5 in E major

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Phaedra CD
1
20.01.2006
Medium:
EAN:

CD
5412327920445


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Hoof, Jef van


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Dirigent(en):Hamar, Zsolt
Orchester/Ensemble:Pannon Philharmonic Orchestra
Interpret(en):Renais, Ann de


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Phaedra CD

Phaedra is an Ancient Greek name meaning "the beautiful, the bright, the shiny one". It is related to a verb that means "to shine light on". That is why we thought Phaedra an appropriate name for a label that meant proposed to assume a special task: to shine a light on music by composers from the Low Countries, especially from Flanders and Wallonia, and thus to save them from indifference and oblivion.

The idea was realized in 1992, when Phaedra was founded. With its limited means, but with a generous heart, Phaedra was to promote this music, to record it and to publish it. Moreover, Phaedra intended to work with young and highly talented musicians, both from the Low Countries and from abroad.

Phaedra is the first label to consistently and continually draw attention to composers of the Low Countries, regardless of their philosophies or their careers. First their works are read, studied and evaluated; then Phaedra searches out talented musicians who might be interested in studying and recording these works. The series "In Flanders' Fields" was started for this very purpose.

After ten years of hard work, after recordings of over eighty Belgian composers and over one hundred and eighty of their works, came the first official recognition. On March 12, 2002, in a ceremony in the Sabam building in Brussels, Phaedra was awarded the 2001 Fugue Prize of the Union of Belgian Composers. — Another Prize awarded, to Phaedra's founder and producer, Luc Famaey, was the 2010 ANV-Visser Neerlandia Prize, "for his world-wide promotion of music by Flemish composers vial the CD-label Phaedra, especially the impressive series In Flanders’ Fields." Meanwhile this series "In Flanders' Fields" has expanded steadily and has in fact acquired a world-wide reputation. It presents today more than a thousand different compositions of over one hundred and twenty composers.

Whereas Phaedra continues to produce the large majority of its recordings itself, it occasionally works together with Klara, the classical channel of the Flemish Radio and Television (VRT). Thus its catalogue features some of the best and most remarkable radio recordings from the archives of VRT and its predecessors (BRT and BRTN) made in the last few decades. When necessary, older recordings are digitalized such that they meet the expectations of the modern listener. The "Classics" series features local and foreign artists who meanwhile have acquired international reputations, in numerous works from the standard repertoire, both classical and modern. All Phaedra recordings are made using the most recent technology, in the most suitable locations, and by highly qualified professional technicians.


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