> > > Weigl, Karl: Symphony No. 6
Mittwoch, 1. April 2020

Weigl, Karl - Symphony No. 6

Gehobener Schatz


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das fabelhaft disponierte Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung von Thomas Sanderling scheint der ideale Interpret dieser Musik zu sein.

Das schwedische Label BIS macht dem deutschen ‘Schatzgräberlabel’ cpo auf dem Gebiet der Neuentdeckungen und Ersteinspielungen reichlich Konkurrenz. Nachdem vor drei Jahren schon eine erste Aufnahme mit Orchestermusik des österreichischen Komponisten Karl Weigl erschien, folgt nun eine weitere, ebenfalls mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung von Thomas Sanderling.

Wenn man diese großartige Musik hört, stellt sich unweigerlich die Frage, wieso solch faszinierende Werke so lange auf ihre Aufführung warten mussten. Die hier aufgenommene Sechste Sinfonie wurde zwar bereits 1947 in Amerika vollendet, musste jedoch mit einer Aufführung auf Thomas Sanderling warten, der nun alle Schönheiten dieser Partitur temperamentvoll und detailgenau herausarbeitet.

Anachronistisches Komponieren

Bedenkt man die Entstehungszeit dieser Sinfonie, so wirkt diese Musik hoffnungslos anachronistisch. Zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges noch Werke zu schreiben, die mit beiden Füßen in der Tonalität stehen (auch wenn die Grenzen bis zum Zerreißen gedehnt werden), erscheint so, als hätte der Jude Weigl im amerikanischen Exil versucht, die Zeit anzuhalten. Dass Weigls Sechste Sinfonie dennoch vollauf überzeugen kann, liegt an der kompositorischen Finesse, von der dieses Stück geprägt ist. Weigl konnte kunstvoll mit dem Orchesterklang umgehen, er wusste wie man Spannungsbögen von langer Hand vorbereitet, Höhepunkte hinauszögert, Erwartungen schürt, motivischen Zusammenhang schafft und durch all dies ein organisches, anrührendes Werk schafft.

Hochspannung

Das fabelhaft disponierte Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung von Thomas Sanderling scheint der ideale Interpret dieser Musik zu sein. Der Klangfarbenreichtum ist unglaublich groß, das Spiel geschmeidig, die Phrasierung konturenreich, die Balance des Orchesterklangs perfekt. Der große Orchesterapparat wird von Sanderling zu einem homogenen, vollen Klang geformt. Gepaart mit diesem betörenden Orchesterklang ist ein bebender Ausdruck, der Weigls Sinfonie zu einem tief berührenden Werk bekenntnishafter Wucht werden lässt. Jede Phrase, jede Melodie, jede Verzierung ist erfüllt von leidenschaftlichem Gestaltungswillen und energischem Impetus.

Ebendies gilt auch für das alte Zeiten heraufbeschwörende ‘Old Vienna’, komponiert 1939, als Weigl sich bereits ein Jahr in Amerika aufhielt. Diesmal geleitet von Alun Francis, zeigt sich auch hier das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin von seiner besten Seite. Wunderbar elegisch werden die Walzermelodien in weiten Bögen gespannt, klanglich satt und reich schattiert.

Tadellose Aufnahmetechnik

Wie schon in den letzten Jahren zu beobachten, reiht sich BIS mit seinen klanglich hervorragenden Produktionen in den oberen Reihen der audiophilen Labels ein. Der differenzierte und doch voluminöse Orchesterklang wurde bestens eingefangen, die Klangfarben der Holzbläser kommen bestens zum Tragen, der weiche Blechklang erstrahlt hell und geschmeidig. Das breite Panorama der Streicher ist exzellent abgebildet, durchweg ein Hörgenuss erster Klasse.

Werden unbekannte Werke – gerade dieser vernachlässigten Komponistengeneration – in solch engagierter Weise vermittelt, so kann man sich auf weitere Schatzhebungen freuen. Hört man die Sechste Sinfonie mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, so kann man das Urteil Schönbergs, Weigl sei einer besten Komponisten der ‘alten Schule’ gewesen, nur allzu gut verstehen. Hervorragend!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Weigl, Karl: Symphony No. 6

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
18.11.2005
Medium:
EAN:

CD
7318590011676


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Weigl, Karl


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Dirigent(en):Sanderling, Thomas
Francis, Alun
Orchester/Ensemble:Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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