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Dienstag, 2. März 2021

Bruckner/Wagner - Streichquintett/Wesendonk-Lieder

Wesendonk-Lieder mit Michelle Breedt


Label/Verlag: Pan Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Wesendonk Lieder klingen in Breedts Wiedergabe intim, verträumt und sehr dezent.

Im Frühling 2004 kam das 'Wiener Streichsextett' in Schloss Grafenegg im österreichischen Haitzendorf zusammen, um eine letzte gemeinsame Aufnahme zu machen – zur Feier des 25-jährigen Bestehens des Ensembles und als Schlusspunkt einer langen, künstlerisch erfolgreichen Zusammenarbeit.

Auf dem Abschiedsprogramm standen neben dem Streichquintett Anton Bruckners – dem einzigen großen Kammermusikwerk des Komponisten – die berühmten Wesendonk Lieder von Richard Wagner; hier zu hören in einem Arrangement für Streichsextett von Rudolf Leopold, dem Cellisten der Gruppe. Als Solistin für den Liederzyklus konnte man die junge südafrikanische Mezzosopranistin Michelle Breedt gewinnen. Sie ist eine Meisterschülerin von Brigitte Fassbänder, deren Einfluss bis hin in bestimmte Vokalfärbungen überall (aufs Angenehmste!) zu hören ist. Wobei Breedt die berühmte Lehrerin an Ausdrucksintensität und plastischer Textgestaltung (noch) nicht ganz erreicht.

Die Wesendonk Lieder klingen in Breedts Wiedergabe intim, verträumt und sehr dezent. Ihnen fehlt die manische Exaltiertheit, die Agitation (beispielsweise bei ‚Sausendes, brausendes Rad der Zeit’), aber auch der entrückte Trancezustand (bei ‚Sag’, welch wunderbare Träume halten meinen Sinn umfangen?’), den große Wagner-Interpretinnen der Vergangenheit mit dieser Musik erzeugt haben, so zum Beispiel Tiana Lemnitz.

Qua Timbre und Gesangsstil erinnert die Stimme von Michelle Breedt zwar teils an Lemnitz – was wohl das größte Kompliment ist, was man einer jungen Sängerin überhaupt machen kann. Aber wo die große Diva der 40er Jahre mit absoluter Wortverständlichkeit, einem altmodischen (verschleiernden) Legato und vor allem mit ungeahnten Kraftreserven für die dramatischen Klimaxe auffiel, verliert Breedt besonders in der Höhe an Durchschlagkraft und Deutlichkeit. Das fällt in rastlosen Liedern wie ‚Stehe still!’ auf, wo die hohe Tessitura ausgesprochen rau klingt und Breedt gefährlich an die Grenzen ihrer Stimme stößt.

Insgesamt passt ihr zurückgenommener Vortragsstil aber wunderbar zur zurückgenommenen Kammermusikfassung für Streichsextett. Man wähnt sich beim Hören der CD in einem der Säle von Schloss Grafenegg bei einem luxuriösen Hauskonzert anwesend. Was der intimen Liebeslyrik von Mathilde Wesendonk vollkommen entspricht.

Das einleitende Bruckner Quintett passt stilistisch hervorragend zu Wagners hypnotischen Klängen – auch wenn diese hier nicht ganz so hypnotisch gesungen werden (weil es unmodern ist, das in unserer ‚aufgeklärten’ postmodernen Welt zu tun?). Die Wiedergabe ist, sowohl bei Wagner wie auch bei Bruckner, sehr ‚direkt’ von den Toningenieuren eingefangen. Man hört die Instrumentalisten teils atmen. Das erzeugt eine große Nähe zum Hörer. Darum wirken wohl auch die großen Steigerungen und pulsierenden Orgelpunkte bei Bruckner so überrumpelnd und eindrucksvoll. Bei den Wesendonk-Liedern tritt das Streichsextett klanglich etwas zurück hinter die Solistin, ohne das diese akustisch besonders in den Vordergrund gerückt wird.

Als Dokument von Michelle Breedts viel versprechender künstlerischer Entwicklung ist die CD eine wichtige Zwischenbestandsaufnahme. Als letzter Gruß des Wiener Streichsextetts an seine Fans ist die schlicht als ‚Wagner & Bruckner’ betitelte weiße Aufklapp-Box ein schönes, gelungenes Abschiedsgeschenk.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bruckner/Wagner: Streichquintett/Wesendonk-Lieder

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Aufnahmejahr:
Pan Classics
1
01.09.2005
2004
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
7619990101784
PAN10178


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Bruckner, Anton
 - Streichquintett -
Wagner, Richard
 - Wesendonk-Lieder - Bearbeitung für Sopran und Streichsextett


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Interpret(en):Breedt, Michelle


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Pan Classics

Gegründet 1992 vom Musikhaus Pan in Zürich, wurde das Label 1997 von den Tonmeistern Clement Spiess und Koichiro Hattori übernommen. 2011 entschloss man sich zu einem radikalen Neuanfang: Der umfangreiche Katalog wurde gelichtet und die verbliebenen Aufnahmen erhielten ein neues, attraktives Erscheinungsbild. Den CDs wird so ein unverwechselbares Äußeres mit einem hohen Wiedererkennungswert verliehen. Geblieben sind dagegen die Vorliebe für außergewöhnliches Repertoire und der Anspruch, mit renommierten Musikern und Ensembles einen künstlerisch hochwertigen Katalog zu schaffen. Zu diesen Künstlern zählen Namen wie die Hammerklavier-Spezialisten Edoardo Torbianelli und Arthur Schoonderwoerd, der Tenor Jan Kobow u.v.a.


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