> > > Dvorák, Antonín: Concerto for Piano and Orchestra in G minor
Mittwoch, 5. August 2020

Dvorák, Antonín - Concerto for Piano and Orchestra in G minor

Massstabsetzend


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Monoaufnahmen sind meisterlich remastered worden.

‚Maestro, ich bitte Sie, lehren Sie mich, wie ich Dvoraks Konzert spielen soll’, bat der 25jährige Mstislav Rostropowitsch den tschechischen Dirigenten Vaclav Talich. Für Talich, der 1883 geboren wurde, stellte es kein Problem dar, den jungen Cellisten in die Klangwelt Dvoraks einzuweisen. In Talich selbst fand Rostropowitsch schließlich einen Künstler, der noch die Authentizität der Aufführungspraxis des 19. Jahrhunderts mit seiner eigenen Ausbildung aufgenommen hatte, studierte er doch ab 1897 am Prager Konservatorium und vor dem ersten Weltkrieg unter anderem bei Max Reger in Leipzig. Der langjährige Leiter der Tschechischen Philharmonie hatte 1952, als er mit Rostropowitsch Dvoraks Cellokonzert auf Schallplatte einspielte, noch mit dem böhmischen Auftrittsverbot zu kämpfen, das verhängt wurde, als man Talich 1945 der Kollaboration mit den Nazis beschuldigte. Im Jahr zuvor nahm Talich mit dem Pianisten Frantisek Maxian Dvoraks Klavierkonzert auf. Beide Aufnahmen, die einst von Supraphon produziert wurden, sind jetzt ebenfalls von Supraphon digital überarbeitet und in der ‚Vaclav Talich Special Edition’ wiederveröffentlicht worden. Und beide Aufnahmen sind Jahrhundertproduktionen.

Tschechische Klavierschule

Frantisek Maxian war nicht nur ein äußerst verlässlicher Pianist, er galt seinerzeit auch als hervorragender Dvorak-Interpret. Frappierendes Dokument ist diese Aufnahme des Klavierkonzerts. Maxian produziert sich nicht als absolutistischer Virtuose, sondern stellt sich von Grunde auf völlig unprätentiös in den Dienst der Sache. Denn selbst wenn auch der Pianist Vilém Kurz den Solopart im Jahr 1919 revidierte, um ihm den scheinbar fehlenden Glanz zu verleihen, bleibt das Klavierkonzert von Dvorak das Konzert eines Symphonikers, nicht das eines Virtuosen. Brillanz gewinnt Maxian durch Exaktheit, durch Auskosten der Phrase und der Kantabilität. Das sind die Stärken seines Spiels, ebenso der kraftvolle Anschlag und die ausgefeilte Kontrastierung der Dynamik. Die Tschechische Philharmonie reagiert auf ‚seinen’ Dirigenten Talich in einer Art und Weise, die einer ‚affair d’amour’ gleichkommt: kein blindes Vertrauen, aber gegenseitiges Einverständnis prägt den Klang des Orchesters. Talich formt seine Idee, dem Konzert epische Breite zu verleihen, mit dem Orchester in unnachahmlicher Weise aus. Und da leuchten die Tugenden wieder auf, mit denen Talich das Orchester zu einem vortrefflichen Klangkörper formte: ausdrucksstarke, satte Streichertöne und noble Klangfärbung der Bläser. Kein differenziertes Episodenbilden zwischen Solist und Orchester tritt hier zutage, sondern die perfekte Synthese in symphonischen Dimensionen, die dem Klavierkonzert von Dvorak so zuträglich ist, wie kaum einem anderen Klavierkonzert des 19. Jahrhunderts, von Tschaikowsky vielleicht abgesehen.

Talent-Dokument

Längst war Mstislav Rostropowitsch zum Publikumsliebling avanciert, als er 1952 mit Talich und der Tschechischen Philharmonie ins Tonstudio ging, um Dvoraks Cellokonzert einzuspielen. Diese Aufnahme ist ein Dokument seines Talents erster Güte. Schon als 25jähriger demonstriert er hier, was seine Auffassung von Musik ist: Demut gegenüber dem Werk. Bescheidenheit gegenüber dem Komponisten. Die Cellisten-Legende am nahen Anfang seiner Karriere erleben zu dürfen, macht diese Veröffentlichung zu einer kleinen Sensation. Er selbst hält diese Aufnahme von Dvoraks Konzert für die Beste, die er je eingespielt hat. Talich mit dem Erfahrungsschatz eines arrivierten Dirigenten, bei dem musikantisch noch einiges aus dem 19. Jahrhundert mitschwingt, und Rostropowitsch, der eifrige junge Cellist des 20. Jahrhunderts ergänzen sich in dieser Aufnahme in perfekter Weise. Die Interaktion zwischen Talich und Rostropowitsch bleibt jede Sekunde spürbar. Melodiebetont phrasiert der Cellist die Sätze aus, führt geschmeidig den Bogen, ohne glatt und oberflächlich zu wirken, mit warmem Ton und subtiler Ausdruckskraft mit dem herausragend klangschön spielenden Orchester. Talich lotet die Partitur aus, setzt weniger auf Transparenz des Klangs als vielmehr auf die diffusorische Verschmelzung des Apparats. So entstehen atmende Wogen innerhalb der Formteile, die alles in einem einzigen großen Zug vereinen. Eine Aufnahme von enormer Ausdruckskraft.

Die Monoaufnahmen sind meisterlich remastered worden. Natürlich darf man heutige Maßstäbe nicht voraussetzen. Das Klangbild ist in Bezug auf das Orchester monaural eng, wohingegen die Solistenparts durchaus Tiefenschärfe und Volumen aufweisen. Das Booklet ist zudem bestens ediert. Eine sensationelle Wiederveröffentlichung und Lichtblick auf dem Plattenmarkt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Dvorák, Antonín: Concerto for Piano and Orchestra in G minor

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
1
21.10.2005
Medium:
EAN:

CD
0099925382520


Cover vergössern

Dvorák, Antonín


Cover vergössern

Dirigent(en):Talich, Václav
Orchester/Ensemble:Czech Philharmonic Orchestra
Interpret(en):Rostropovich, Mstislav
Maxián, Franti?ek


Cover vergössern

Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Supraphon:

  • Zur Kritik... Musikstadt Prag: Supraphon bringt eine Zusammenstellung aus verschiedensten Orchesterstücken mit Bezug zu Prag heraus. Weiter...
    (Anneke Link, )
  • Zur Kritik... Ein Tscheche in Amerika: Jirí Belohlávek bringt mit der Tschechischen Philharmonie Bohuslav Martinus Opernpastorale 'What men live by' und die erste Symphonie zum Leuchten. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Hochexpressive tschechische Sonaten: Vor allem die Sonaten für Violine und Violoncello aus der Feder von Viktor Kalabis (1923–2006) sind höchst gelungene Gattungsbeiträge, die Klarinettensonate hingegen weniger. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
blättern

Alle Kritiken von Supraphon...

Weitere CD-Besprechungen von Erik Daumann:

  • Zur Kritik... Packende Symphonik: Sakari Oramo legt, trotz diskographisch enormer Konkurrenz, mit Elgars Erster Symphonie eine Referenzaufnahme vor. Weiter...
    (Erik Daumann, )
  • Zur Kritik... Fern der tödlichen Realität: Flautando Köln lässt die Tudor-Rose erblühen ? nicht in der Farbe des Blutes, sondern im Zeichen eines differenzierten Blicks auf eine musikalisch reiche Epoche. Weiter...
    (Erik Daumann, )
  • Zur Kritik... Rustikale Schönheiten: Die tschechische Aufnahme des 'Spalicek' von Martinu überzeugt durch farbig-markante Spielfreude aller Beteiligten. Weiter...
    (Erik Daumann, )
blättern

Alle Kritiken von Erik Daumann...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Kroatische Musiktragödie: Die kroatische Nationaloper 'Nikola Subic-Zrinjski' entfaltet auch außerhalb des Landes ihre musikalische Wirkung. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Gesualdo mit Methode: Graindelavoix mit einem neuerlichen Statement gegen vokale Hochglanzkunst, dieses Mal bei Carlo Gesualdo. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Prokofjew einmal sanft: Margarita Gritskova und Maria Prinz präsentieren eine Auswahl der selten zu hörenden Lieder Sergej Prokofjews. Ihre Deutung ist facettenreich, doch der sanfte Aspekt überwiegt. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/8 2020) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Bozidar Kunc: String Quartet in F Major op.14 - Introduzione. Allegro ma non troppo

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Edlira Priftuli im Portrait "Musikalisch praktizierte Ökumene"
Edlira Priftuli hat den Straßburger Wilhelmerchor zur historisch informierten Aufführungspraxis geführt

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich