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Donnerstag, 6. Oktober 2022

Gottwald, Clytus - Vokalbearbeitungen

Vokales Weiter-Komponieren


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Bearbeitungen finden im KammerChor Saarbrücken unter der Leitung von Georg Grün einen idealen Interpreten.

Die Chorbearbeitung Clytus Gottwalds von Mahlers ‘Ich bin der Welt abhanden gekommen’ findet sich auf so mancher Aufnahme internationaler Spitzenchöre. Dass Gottwald jedoch auch eine stattliche Anzahl weitere Werke, darunter auch ursprünglich rein instrumentale, für Chor arrangierte, davon legt die vorliegende Einspielung ein spannendes Zeugnis ab.

Nachdem Gottwald mit ersten Vokalbearbeitungen Erfolg hatte, folgen alsbald Bestellungen aus aller Herren Länder. Der Arrangeur Gottwald konnte mit diesen Bearbeitungen eine Repertoirelücke für A-capella-Chöre füllen; denn ab Mitte des 19. Jahrhunderts nahm die Bedeutung eines Vokalensembles für Komponisten spürbar ab. Kaum jemand schrieb interessante Chorwerke. Gottwald macht sich diesen Umstand zu nutze. Er komponiert Vokalwerke mit Instrumentalbegleitung oder originäre Instrumentalwerke weiter. Vergleichbar etwa mit dem ‘Weiter-Komponieren’ eines außermusikalischen Stoffs, das für Liszt den Mittelpunkt programmmusikalischer Werke bildet oder den vielfältigen Bearbeitungen Liszts, in denen er fremde Werke nach eigenen Vorstellungen entwickelnd verwandelte. Für Gottwald bleibt zwar der Ausgangspunkt ‘innermusikalisch’, doch gilt es oft, sich die kompositorische Substanz für eigene Zwecke anzuverwandeln: Begleitstimmen werden zu quasi-Melodiestimmen aufgepeppt oder Texte den rein instrumentalen Werken unterlegt. Dies sind deutliche Eingriffe in die Originalgestalt. Eigentlich kein Wunder, dass die Erben bestimmter Komponisten diesen Eingriff nicht dulden (siehe Strauss und Messiaen). Aber wahrscheinlich hatten sie vor dem Verbot einer Publizierung einfach noch keine Vokalbearbeitung Gottwalds gehört. Denn sonst hätten sie sich – sofern sie interessante Veränderungen spannend finden – Gottwald gleich zu einer Reihe weiterer Arrangements aufgefordert.

Glockenhell und sternenklar

Die Bearbeitungen finden im KammerChor Saarbrücken unter der Leitung von Georg Grün einen idealen Interpreten, der vor allem die klanglichen Zuckerseiten dieser Werke farbenfroh zu realisieren versteht. Luftig leichte Melodielinien werden gekonnt kontrastiert mit erdigen Bassstimmen, allerdings nie schwer oder dumpf klingend. Dass Georg Grün diese Lieder im Tempo eher bedächtig nimmt, hat seinen Grund in der betonten Herausarbeitung der schwebenden Harmonien, die sich durch die Bewegung der Einzelstimmen ergeben. Was durch das zögerliche Tempo möglicherweise an dramatischem Gestus und an Plastizität der Stimmen verloren geht, wird allerdings auf klanglicher Seite mehr als wett gemacht. Denn Georg Grün formt die zuweilen 16 Einzelstimmen der Stücke zu farbenfrohen Harmonien, was diesen Bearbeitungen sehr gut bekommt. Manche Passagen hätte eine eher transparente Darstellung nicht geschadet, da hier mehr oder weniger alle Stücke zu Zeugnissen feinsinniger Klangmodellierung werden. Aber allein, dass Grün mit seinem Saarbrückener KammerChor das schafft, verdient hohes Lob, auch wenn das Ergebnis auf Dauer etwas eindimensional ausfällt. Die Stimmgruppen des Kammerchores sind sehr gut balanciert und agieren auf gleich hohem Niveau, ohne Einbußen bei den Männerstimmen (was leider oft unangenehm auffällt). Dass sich dieses Ensemble mit 9 Ersteinspielungen (von 20 aufgenommenen Werken) sehr mutig und neugierig auf die Erschließung neuen Repertoires gibt, kann nur hoch gelobt werden.

Ohne Hall

Diese im Großen Sendesaal des Funkhauses Halberg in Saarbrücken aufgenommene Produktion wirkt klanglich ausgeglichen, die Stimmen mischen sich optimal zu einer betörenden Klanglandschaft. Dass für diese Aufnahme ein Saal ohne viel Hall gewählt wurde, zahlt sich sehr positiv aus. Trotzdem haben die Stimmen genug Raum, sich zu entfalten. Man höre nur den Schluss von Maurice Ravels ‘Soupir’, der in den Frauenstimmen wie farbiger Nebel verklingt.

Das Label Carus festigt damit seinen Ruf als Produzent hervorragender Choraufnahmen. Und der KammerChor Saarbrücken setzt nach seiner klangschönen Aufnahme von Cornelius’ Chorwerken seine Suche nach abgelegenen Repertoireecken fort. Man wartet gespannt auf Neues.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Gottwald, Clytus: Vokalbearbeitungen

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Carus
1
01.11.2005
Medium:
EAN:

CD
4009350831827


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Berg, Alban
Berlioz, Hector
Debussy, Claude
Liszt, Franz
Mahler, Gustav
Ravel, Maurice
Wagner, Richard
Webern, Anton von
Wolf, Hugo


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Dirigent(en):Grün, Georg


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Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


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