> > > Bach, Johann Michael: Peace Cantata
Donnerstag, 28. Januar 2021

Bach, Johann Michael - Peace Cantata

Da donnern die Kanonen


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Man kann der Interpretation keine oberflächliche Effekthascherei vorwerfen.

CPO erweitert nun schon zum wiederholten Mal unsere Kenntnis von der Enkelgeneration im Hause Bach. Nach einer Aufnahme mit Werken Friedrich Wilhelm Ernst Bachs liegt jetzt auch eine Einspielung von vier protestantischen Kirchenkantaten Johann Michael Bachs (1745-1820) vor. Ausführende sind auch in diesem Fall die Rheinische Kantorei und Das Kleine Konzert unter Hermann Max. Als Solisten sind unter anderem Ingrid Schmithüsen und Gotthold Schwarz zu hören. Johann Michael Bach trägt zwar einen berühmten Namen, mit Johann Sebastian Bach verbindet ihn aber eher eine Ahnherrenschaft als ein konkretes Verwandtschaftsverhältnis. Der hessische Teil der Bach-Familie, aus der er stammt, hat sich bereits früh von der thüringischen Linie getrennt. Trotzdem erregen Kompositionen aus der Familie Bach verständlicherweise auch bei ungeklärten Verwandtschaftsverhältnissen das Interesse der Musikwissenschaftler. Ob aus dem verständlich auch ein berechtigt werden kann, entscheidet sich spätestens an der Frage, ob die Musik der unbekannten Bachenkel auch für sich allein bestehen kann. Für die vorliegenden Aufnahme gilt ein uneingeschränktes ‚Ja!'.

Der studierte Archäologe Hermann Max hat hier nicht nur für wissenschaftlich Interessierte ein schönes Stück Musik ausgegraben. Die Friedens-Kantate, die mit 38 Minuten gut die Hälfte der CD-Gesamtspielzeit ausmacht, beginnt zunächst mit einem beeindruckenden Rezitativ, das die Schrecken des Krieges beschwört. Bach spart nicht mit prallen Orchestereffekten. Da donnern die Kanonen und die Querschläger pfeifen über die Köpfe hinweg. Wer beim ersten Fortissimoschlag nicht zusammengezuckt ist, muss gehörig abgebrüht sein. Ohne die plastische Klangrede der Musiker um Hermann Max wären diese Effekte aber nur halb so schön. Auch wenn bei manch anderer Aufnahme mit alten Instrumenten davor gewarnt werden muss, mit historischer Aufführungspraxis allzu viele Nebengeräusche und technische Unzulänglichkeiten zu entschuldigen - hier mag man insgeheim denken: Lass es krachen, Hermann, bloß keine vornehme Zurückhaltung! Zu meinem Glück erfüllt die gesamte Aufnahme in dieser Hinsicht alle Erwartungen. Auch in der innigen Apotheose des Friedens fehlt es nicht an Überzeugungskraft, so dass man der Interpretation keine oberflächliche Effekthascherei vorwerfen kann.

Die Aufnahmequalität ist leider der schwächste Punkt der Einspielung. Zwar stolpert man diesmal nicht über direkte Fehler wie zuletzt noch bei der Aufnahme mit Werken Friedrich Wilhelm Ernst Bachs. Nichtsdestotrotz ist das Klangbild recht diffus. Solisten, Chor und Orchester sind kaum präsent. Die gute Idee, einige der Kirchenkantaten an historischer Stelle in der Wuppertaler Immanuelskirche aufzunehmen, zahlt sich nicht aus. Der Kirchenraum ist zwar zu recht hörbar. Der Ausgleich zwischen Präsenz der Musik und originalem Raumklang gelingt aber kaum.

Wenn CPO in diesem Punkt künftig nachbessert., wäre die Freude auf weitere Entdeckungen aus der Familie Bach gänzlich ungetrübt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Michael: Peace Cantata

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.09.2000
74-52
1998
2000
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0761203967124
999671-2

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Bach, Johann Michael


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Dirigent(en):Max, Hermann
Interpret(en):Rheinische Kantorei,
Westerkamp, Beate (alto)
Schlesiger, Grit (soprano)
Mertens, Klaus (bass)
Abele, Ekkehard (bass)
Scheffel, Bernhard (tenor)
Schüller, Carmen (alto)
Winter, Veronika (soprano)
Schubert, Claudia (alto)
Schwarz, Gotthold (bass)
Crook, Howard (tenor)
Schmithüsen, Ingrid (soprano)
Das Kleine Konzert,
Orchester/Ensemble:Das Kleine Konzert


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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