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Freitag, 5. März 2021

Mahler, Gustav - Sinfonie Nr. 3

Zwiespältiger Eindruck


Label/Verlag: Coviello Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Leider ist der Unterschied zwischen dem Instrumental- und dem Vokalpart sehr deutlich.

Mahlers Dritte Sinfonie, ein kosmogonischer Riesenklotz von gewaltigen Ausmaßen in Länge und ‘Inhalt’, lässt auch versierte Dirigenten des öfteren im Regen stehen. Wer die riesenhafte Länge nicht in den Griff bekommt, kann diese Sinfonie nicht als geschlossenes Bild darstellen, sondern nur als Reihung disparater Elemente. Daher erstaunt es nicht wenig, dass das Staatsorchester Braunschweig sich in seinen Sinfoniekonzerten unter seinem Chefdirigenten Jonas Alber an dieses Werk wagte. Die vorliegende Doppel-CD präsentiert sich als Live-Mittschnitt zweier Konzertabende im September 2004. Ein Wagnis, das teils glückte, teils misslang.

Erstaunlich gute Orchesterarbeit

Das Orchester wirkt auf dieser bei dem Label Coviello Classics erschienen Aufnahme stets souverän. Jonas Alber investierte augenscheinlich viel Arbeit in die Orchesterproben. Dass die Hörner selbst nach neunzig Minuten noch auf der Höhe sind, zeugt von großem Durchhaltevermögen – und auch von einer meisterlichen Einteilung der Kräfte. Allerdings wird dies erkauft auf Kosten eines teils nicht recht vom Fleck kommenden ersten Satz. Jonas Alber nimmt diesen Marschsatz recht getragen, was ihm Zeit lässt, alle Details plastisch herauszuarbeiten. Im Gegenzug zu der hohen Transparenz des Orchesterklangs zerfällt die Struktur des Satzes eher in einzelne Episoden als dass ein großes zusammenhängendes Ganzes präsentiert würde. Die kraftvolle Kantilene der Solo-Posaune etwa steht etwas regungslos zwischen den sie umgebenden Teilen.

Der zweite Satz im ‘Tempo di Minuetto’ wird von Alber sehr kammermusikalisch durchsichtig interpretiert, das Tempo ist gemächlich. Auch das Spiel mit aparten Instrumentenkombinationen arbeitet Alber in diesem und dem folgenden Satz gekonnt heraus. Leider fehlt jedoch auch hier der große Bogen, der die unterschiedlichen Momente zusammen hielte.

Enttäuscht wird man leider im dritten Satz, dem Nachtlied aus Nietzsches ‘Also sprach Zarathustra’. Brigitte Pirners Altstimme klingt seltsam forciert und glanzlos. Die Altistin scheint den Text sehr deutlich deklamieren zu wollen, was allerdings die stimmliche Gestaltung hier merklich einschränkt. Womöglich mag die Akustik der Stadthalle Braunschweig hier eine Rolle gespielt haben, allerdings kann dieser im Tempo eher zögerlich genommene Satz nicht überzeugen. Etwas träge zieht sich der Strom dahin, mit schönen dunklen Klangfarbenen, kontrastiert von der harten Tongebung Brigitte Pirners. Das Vokalpart fällt hier deutlich gegenüber der ansprechenden Orchesterleistung ab.

Gleiches gilt für den Knaben- und Frauenchor im folgenden Satz ‘Lustig im Tempo und keck im Ausdruck’. Gerade hier merkt man doch recht deutlich, dass es sich bei den Chören nicht um Deutschlands erste Riege handelt. Dieser doppelbödig-witzige Satz fällt hier zu plump und auch intonatorisch leicht unsauber aus. Schade, denn das Orchester hält auch hier seine hohe Qualität.

Besonders gelungen ist schließlich der Finalsatz, den Mahler in einem frühen Entwurf mit ‘Was mir die Liebe erzählt’ überschrieb. Alber lässt seine Streicher hier ein kammermusikalisch dichtes Geflecht ausbreiten, das diesen Satz zu dem spannendsten der Sinfonie macht.

Etwas glanzlos

Die Leistung des Staatsorchesters Braunschweig ist durchweg auf höchstem Niveau. Auch die Blechbläser zeigen in den für sie äußerst vertrackten Passagen keine intonatorischen Schwächen, die Phrasierung wurde sorgfältig erarbeitet und wird detailgenau umgesetzt. Auch die dynamische Schattierung ist vortrefflich gelungen. Die große Stärke dieser Einspielung liegt an der hohen Transparenz des Orchesterklangs. Jonas Alber fächert die einzelnen Stimmen gekonnt auf und bringt sonst vernachlässigte Details zum Klingen. Leider vermisst man den großen Bogen, der die verschiedenen Elemente unter sich zusammenführte.

Leider ist der Unterschied zwischen dem Instrumental- und dem Vokalpart sehr deutlich. Daraus ergibt sich ein zwiespältiges Urteil, das das überzeugende Orchester nicht verdient hätte. Aber auch klanglich kann diese Produktion nicht mit den Großen mithalten, denn der Orchesterklang wirkt – bei aller Durchsichtigkeit – durchweg trocken und etwas glanzlos. Mag sein, dass hier die Akustik Braunschweiger Stadthalle einen Teil beiträgt, vielleicht auch die tontechnische Realisierung. Restlos überzeugend gelang der Klang nicht. Allerdings trotzdem eine Höchstleistung des Orchesters, die von hoher Qualität und Probendisziplin zeugt. Schließlich sollte auch das informative Booklet nicht unerwähnt bleiben, das einen guten Überblick über Mahlers riesenhafte Sinfonie bietet.

Somit ist hier eine Produktion gelungen, die nicht nur regionalen Stellenwert besitzt, sondern gerade für das Orchester eine überzeugende Visitenkarte abgibt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mahler, Gustav: Sinfonie Nr. 3

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Coviello Classics
2
01.11.2005
Medium:
EAN:

CD
4039956305132


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Mahler, Gustav


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Dirigent(en):Alber, Jonas
Orchester/Ensemble:Staatsorchester Braunschweig
Interpret(en):Pinter, Brigitte


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Coviello Classics

Für Coviello Classics steht bei einer Musikproduktion immer das besondere Hörerlebnis im Vordergrund ? alle technischen und organisatorischen Entscheidungen müssen sich diesem ästhetisch definierten Ziel unterordnen. Wesentliche Entscheidungen treffen bei coviello classics nicht gewinnorientierte Manager, sondern kreative Musik-Gestalter: zum einen die Gründer, Geschäftsführer und prägenden Köpfe Olaf Mielke und Moritz Bergfeld, die als Diplom-Tonmeister und Aufnahmeleiter den coviello classics-Produktionen ihr ?klangliches Gesicht? geben, zum anderen die Interpreten, die für coviello classics immer die wichtigsten Partner sind. Ihre künstlerische Aussage ist das zentrale Kriterium für die Qualität einer Aufnahme; sie sind in alle ästhetischen Fragen einer Veröffentlichung einbezogen.

Hoher Repertoirewert

Grundvoraussetzung für unsere Neuproduktionen sind die besonderen Anforderungen an Künstler und Repertoire. Um dem Klassikmarkt neue Impulse zu geben, produziert coviello classics bislang wenig beachtetes Repertoire, oftmals in Weltersteinspielungen, und sorgt damit immer wieder für überraschende Entdeckungen. Bekanntere Werke erscheinen durch ungewöhnliche Interpretationen in neuem Licht ? hier gibt es keine ideologischen Grenzen oder vermeintlichen Authentizitäts-Anspruch; lebendige Musikkultur zeigt oft das vertraute in ganz anderem klanglichem Gewand. Ein besonderer Schwerpunkt ist die seit einigen Jahren etablierte Reihe coviello contemporary, in der sich die Nähe zum weltbekannten Darmstädter Institut für neue Musik in ganz aktuellen Kompositionen bemerkbar macht.

Technische und ästhetische Kompetenz

coviello classics ist das Label, unter dem die Aufnahmen der Produktionsfirma MBM vertrieben werden ? ob als CD, DVD oder SACD. Durch einen ganz speziell für die Anforderungen hochwertigster Musikproduktionen konzipierten Übertragungswagen sind die Voraussetzungen für die Aufnahmequalität bei MBM optimal. coviello classics bietet darüber hinaus in jedem Bereich und in jeder Phase der Realisierung einer Musikproduktion ? bis hin zu grafischer Gestaltung und Textredaktion bei den begleitenden Druckmedien ? sowohl Logistik und hochwertiges Gerät wie auch technisches und ästhetisches Know-how.

Grafiken, Texte und weltweite Wege

Zu einer Musikveröffentlichung gehört nicht nur der gespeicherte Ton ? da gibt es noch einiges mehr zu gestalten. Das Cover einer CD, DVD oder SACD muss nicht nur grafisch ansprechend gestaltet sein, sondern auch einen sinnvollen Zusammenhang mit dem musikalischen Inhalt herstellen. Das begleitende Booklet soll umfassend über Werke, Künstler und Aufführungspraxis informieren; die Texte müssen wissenschaftlicher Prüfung standhalten, aber trotzdem allgemein verständlich und auch noch unterhaltsam sein ? schwierige Herausforderungen auch über die Musik hinaus, für die coviello classics mit erfahrenen Grafikern und Textautoren zusammenarbeitet. Schließlich muss das fertige Produkt an möglichst vielen Orten der Welt erhältlich sein. Dafür haben wir in vielen Ländern in Europa, Asien und Nordamerika Partner vor Ort, die ihren Markt genau kennen. Sie werden laufend mit Neuheiten, Informationsmaterial und Rezensionen aus der Presse versorgt ? auch wenn die Produktion eigentlich fertig ist, macht sie uns noch viel Arbeit.


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