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Sonntag, 20. Oktober 2019

Purcell, Henry - Dido and Aeneas

Dido und Aeneas blass


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Als Resumee bleibt eine Aufnahme, die in sich konsistent ist, künstlerisch aber auf mittlerem Niveau bleibt. Leicht zu hören und leicht wieder zu vergessen.

Purcells Dido and Aeneas gehört nicht gerade zu den Orchideenwerken des Plattenmarktes. Gut sortierte Läden halten über 20 Aufnahmen bereit. Unter den Interpretinnen der Dido finden sich fast alle großen Sängerinnen, die sich der englischsprachigen Literatur angenommen haben: Kirsten Flagstad, Janet Baker und Anne Sophie von Otter haben sich schon in das Schicksal der Königin Karthagos eingefühlt. Um deren Liebesgeschichte und deren tragisches Ende im Selbstmord, Gelegenheit für das wunderbar schmerzerfüllte Lamento, dreht sich diese dreiaktige Kurzoper.

Die vorliegende Aufnahme ist 2004 beim Muziek Festival Utrecht entstanden. Jed Wentz, der dirigentgewordene Flötist der früher bei der Musica Antiqua Köln tätig war, dirigiert die Musica ad Rhenum. Dieses Ensemble kümmert sich seit 1992 um „authentische“ Einspielungen von frühen Opern und Kammermusik und ist auf der Aufnahme in Streichquartettbesetzung vertreten plus Gitarre für die Tänze und Cembalo für die Rezitative. Die Interpretation zeichnet sich durch Unauffälligkeit aus. Weder besonders entzückende Momente noch grobe Schnitzer reizen das Ohr. Das ganze wirkt eher glanzlos und erinnert an die Meinung meiner alten Deutschlehrerin, Barockopern seien entspannend. Es genügt die Ouverture, um zu wissen wie das Ensemble mit dieser Musik umgeht. Sie fließt in einem Kontinuum dahin, das zwar die Fähigkeit zum perfekten Zusammenspiel beweist, dafür aber kaum Glanzlichter oder Tiefenkontraste kennt. Nach Auskunft des etwas schmalen Booklet orientiert sich die Interpretation an den Vorstellungen, die sich der Musikwissenschaftler Wentz von einer Aufführungssituation im 18. Jahrhundert macht. Ohne „stilistische Anachronismen“ soll das Orchester mittels der „Rhetorik und Ästhetik des 18. Jahrhunderts“ mit dem heutigen Zuhörer kommunizieren. Die in diesem Zusammenhang versprochene Emotionalität und belebende Kraft strahlt die Aufnahme leider nur in wenigen Momenten aus. Das mag unter Anderem daran liegen, dass Jed Wentz das Werk penibel an den Doppelstrichen der Partitur zerschneidet, egal wie kurz ein Abschnitt ist oder ob sich der Chor an eine Air beantwortend anschließt.

An Charakter mangelt es leider auch den Sängern. Die drei so unterschiedlichen Frauengestalten, die tragische Dido, ihre muntere Vertraute Belinda und die schauderhafte Zauberin unterscheiden sich im Ausdruck nur in Nuancen. Nicola Wemyss als Dido schmückt das Lamento mit gelernten Manierismen, was in kleinerem Ausmass auch für die Nummern von Francine van der Heijden (Belinda) und Helene Rasker (Zauberin) gilt. Auch die anderen Sänger passen in dieses Bild. Matthew Baker als Aeneas bleibt blass und scheint nicht einmal selbst sehr von seiner Leistung überzeugt zu sein. Der Gesang geschieht zu technisch, worunter die Darstellung leidet. Als Resumee bleibt eine Aufnahme, die in sich konsistent ist, künstlerisch aber auf mittlerem Niveau bleibt. Leicht zu hören und leicht wieder zu vergessen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Alexander Rapp,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Purcell, Henry: Dido and Aeneas

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
01.03.2005
Medium:
EAN:

CD
5028421925387


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Purcell, Henry


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Dirigent(en):Wentz, Jed


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Brilliant classics

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