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Samstag, 15. August 2020

Gottwald, Clytus - Vokalbearbeitungen

Produktive Umgestaltung


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


In Gottwalds oft dramatisch überspitzten Sätzen wird dem Chor, dessen vier Stimmcharaktere noch einmal bis zu vierfach geteilt sind, viel abverlangt.

Vor der Kunst der produktiven Umgestaltung eines Franz Liszt verbeugt sich Clytus Gottwald tief. Dabei ist er selbst Meister in jenem Metier, das weniger im Neuschaffen als im Nachschaffen von Musik seine Meriten verteilt. Der 1925 in Bad Salzbrunn (Schlesien) geborene Komponist ist als Bearbeiter von Instrumental- und solistischer Vokalmusik für Chor bekannt geworden. Die größte Wirkung hat wohl die Adaption von Gustav Mahlers entrücktem Lied ,Ich bin der Welt abhanden gekommen’ für 16-stimmigen Chor entfaltet. Die Neuaufnahmen dieser Version scheinen der originalen Gestalt für Sopran und Orchester bald den Rang abzulaufen. Die neueste Einspielung des Werkes gehört zu einer CD, die ganz dem Werk von Clytus Gottwald, der 2005 seinen 80. Geburtstag feiern konnte, gewidmet ist. Der KammerChor Saarbrücken unter Georg Grün gibt sein Bestes, die flirrenden, weit tragenden und üppig unterstimmengefütterten Gesänge zu einem Erlebnis werden zu lassen.

Entscheidend ist das Medium

Das Verfahren Gottwalds wirkt im ersten Moment konservativ. Nimmt er doch ‘alte’ Musik und zaubert aus iht, ohne weit über die Grenzen dessen hinaus zu gehen, was sie harmonisch und strukturell auszeichnet, ‘neue’ Musik. Anders als sein Kollege Sven David Sandström, der Werke von Purcell und anderen benutzt, um sie in seinem eigenen Sinne weiterzukomponieren, bleibt Gottwald seinen Vorlagen treu. Doch entscheidend ist nicht das Material, sondern das Medium – die menschliche Stimme. Durch das Umschreiben auf ein anderes ‘Instrument’ wird aus dem Bekannten tatsächlich etwas Neues, sehr Spannendes. Mehr als auf einer CD, vermittelt ein Livekonzert mit Gottwalds Musik einen Eindruck vom Potential, das der Komponist durch seine Art der Paraphrasierung noch in den vertrautesten Stücken entdeckt.

Überfliegende Frauen

In Gottwalds oft dramatisch überspitzten Sätzen wird dem Chor, dessen vier Stimmcharaktere noch einmal bis zu vierfach geteilt sind, viel abverlangt. Romantik und Spätromantik nimmt sich Gottwald meist vor, Debussy, Ravel, Liszt, Wolf, Wagner, den frühen Berg und Webern. Das bedeutet, dass der Klang als Mischklang, als luzide Einheit mehr gefragt ist, denn als spröder Spaltklang, in dem jede Einzelstimme charakteristisch erfahrbar sein soll. Der KammerChor aus Saarbrücken leistet großartige Arbeit, dennoch stößt dieses Ensemble hier hörbar an seine Grenzen. Nicht so sehr dort, wo man es erwarten würde; in den überfliegenden Frauenstimmen, die Gottwald etwa am Ende von Alban Bergs ,Nachtigall’ fast absurd hoch singen lässt. Die Damen intonieren sauber und treffen sicher die kleinen schwarzen Noten mit den vielen Hilfslinien. Dagegen hätte man sich in den vollstimmigen Passagen einen noch breiteren Sound und klareren Vokalklang gewünscht. Hier hätte die Tontechnik helfen können und tut dies doch nur bedingt, indem sie den Stimmen wenig Hallraum und Tiefe schenkt. Doch das sind kleine Einwände gegen eine CD, die nicht nur Chormusikfans hören können, sondern die sich unbedingt für Leute empfiehlt, die sonst mit singenden Menschen wenig anzufangen wissen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Gottwald, Clytus: Vokalbearbeitungen

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Carus
1
01.11.2005
74:55
2004
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4009350831827
83.182


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Berg, Alban
 - Die Nachtigall -
Berlioz, Hector
 - Sur les lagunes -
Debussy, Claude
 - Les Angélus -
 - Des pas sur la neige -
Liszt, Franz
 - Es muss ein Wunderbares sein -
 - Morgens steh ich auf und frage -
Mahler, Gustav
Ravel, Maurice
 - Soupir -
Wagner, Richard
 - Im Treibhaus -
 - Träume -
Webern, Anton von
 - Tief von fern -
 - Heiter -
Wolf, Hugo
 - Und willst du deinen Liebsten sterben sehen -
 - Das verlassene Mägdelein -
 - Auf ein altes Bild -
 - Der Gärtner -


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Dirigent(en):Grün, Georg


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"Die vorliegende CD dokumentiert erstmals umfassend die Vokalbearbeitungen von Clytus Gottwald, der im November 2005 seinen 80. Geburtstag feiert. Gottwalds Verdienste um die zeitgenössische A-cappella-Musik sind von herausragender Bedeutung. In seinen Chortranskriptionen von Klavier- und Orchesterliedern von Schubert, Berlioz, Wagner, Wolf bis zu Mahler und Debussy überträgt er vokale Satztechniken der Neuen Musik auf traditionelle Kompositionen, wobei er die Strukturen der Werke im äußerst differenzierten Klang ohrenfällig macht. Konkreter Ausgangspunkt dieser Idee war ein 1976 von Boulez dirigiertes Konzert: „während Boulez das erste Ravel-Stück, Soupir , probte,“ so Clytus Gottwald, „erkannte ich daran die Möglichkeit, diese Musik für Stimmen zu transkribieren, wobei mir Ligetis Technik, für Stimmen zu schreiben, als Motivquelle diente. Ich wollte das Neue, wie es mir in Ligetis 1966 uraufgeführtem Werk Lux aeterna begegnet war, dadurch dokumentieren, dass ich dessen écriture auf die Musik von Ravel adaptierte.“ Gottwalds Vokalbearbeitungen haben sich längst weltweit einen festen Platz im Repertoire der führenden Kammerchöre erworben – so auch beim KammerChor Saarbrücken, der unter Leitung von Georg Grün auf höchstem Niveau eine Werkauswahl präsentiert."


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Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


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