> > > Fux, Johann Joseph: Concentus
Freitag, 5. März 2021

Fux, Johann Joseph - Concentus

Ein prachtvolles Opus 1


Label/Verlag: Arcana
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die vorliegende CD widmet sich dem Opus primum des Hofkapellmeisters, einer Sammlung von Instrumentalwerken mit dem Titel ‚Concentus musico-instrumentalis’.

Im Gedächtnis der Nachwelt ist der kaiserliche Hofkapellmeister Johann Joseph Fux primär durch sein fundamentales Kontrapunkt-Lehrwerk (und Musik-Kompendium) ‚Gradus ad Parnassum’. Diese einseitige Fokussierung auf den Theoretiker hat die kompositorischen Leistungen von Fux in den Hintergrund treten lassen, vielmehr: Das Fux-Bild ist klischeebeladen, als hätte Fux vor allem kontrapunktisch gearbeitete Werke im alten Stil verfasst.

Die vorliegende CD widmet sich dem Opus primum des Hofkapellmeisters, einer Sammlung von Instrumentalwerken mit dem Titel ‚Concentus musico-instrumentalis’. Hier zeigt sich Fux als äußerst geschickter Komponist von Tänzen, instrumentalen Arien und Charakterstücken in der Nachfolge von Schmelzer und Biber, stilistisch vergleichbar mit Muffats ‚Florilegia’-Sammlungen mit einen starken französischen Touch und österreichischem Einschlag, aber durchaus eigenständig. Festlich-pathetische Intraden wechseln mit graziösen Menuetten und schwungvollen Giguen, dann und wann lässt Fux auch den Hang zu kontrapunktischer Durchdringung aufblitzen, so zum Beispiel in einer eingestreuten Fuge und einer ‚Aria in Canone’ – alles in allem ist aber nichts ‚Strenges’ zu vernehmen, sondern kunstvolle höfische Unterhaltungsmusik.

Das Ensemble ‚Armonico tributo Austria’ unter dem Gambisten Lorenz Duftschmid, das seinem Namen einer Drucksammlung von Georg Muffat verdankt, besteht aus herausragenden Musikern der Alte Musik-Szene, darunter vielen Österreichern - praktisch die gesamte ‚Ars antiqua Austria’ inklusive deren Leiter Gunar Letzbor ist mit dabei.

Die Aufnahme fand in einem idealen Rahmen statt: Im Kaisersaal des Benediktinerstiftes Kremsmünster. Entstanden ist eine Einspielung mit einer gelungenen Dramaturgie und voll mitreißendem Schwung. Der Charakter der stilisierten Tänze ist gut getroffen; alle Musiker zeigen hervorragende Leistungen. Zu den Streichern treten abwechselnd Oboen und Dulzian, Blockflöten sowie Trompeten und Pauke; der Continuopart ist mit viel Geschmack eingerichtet worden und wird auf ‚allerley Instrumenten’ musiziert. Besonderes Lob verdienen die beiden hervorragenden Trompeter. Ein Gustostück am Schluss ist die aus mehreren getrennten Sätzen zusammengestellte Turcaria am Schluss, eine ‚musikalische Beschreibung der Belagerung Wiens durch die Türken anno 1683’, bei der sich die Musiker von der Abfolge her sicher an Bibers Battaglia orientierten.

Gediegen wie das musikalische Niveau der Aufnahme ist auch die Gestaltung von Cover und Booklet: alles ist gekennzeichnet von barocker Prachtentfaltung, ganz im Geist der höfisch-repräsentativen Musik. Eine Lanze für Fux wird hier gebrochen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dr. Franz Gratl Kritik von Dr. Franz Gratl,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Fux, Johann Joseph: Concentus

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arcana
1
01.09.2010
Medium:
EAN:

CD
3464858013389


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Fux, Johann Joseph


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Dirigent(en):Duftschmid, Lorenz


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Arcana

Michel Bernstein hat mit ARCANA eine Institution im Bereich der Alten Musik geschaffen, deren Katalog mit einer Vielzahl prominenter Namen der Alten Musik aufwarten kann, darunter prominente Namen wie Rinaldo Alessandrini, Gunnar Letzbor oder Sigiswald Kuijken. Als der Labelgründer 2006 plötzlich verstarb, schien es zunächst so, als würde dies auch unweigerlich das Ende von ARCANA bedeuten. Zum Glück entschied sich der italienische Vertrieb Jupiter zum Kauf des Labels. Selbstverständlich plant man, es im Sinne seines Gründers weiterführen. Nach und nach werden nun Aufnahmen aus dem umfangreichen Backkatalog des Labels in neuer Gestaltung wieder veröffentlicht und der Katalog durch neue Aufnahmen bewährter Künstler und von Neuzugängen (darunter Marco Beasley und das Ensemble Accordone) erweitert.


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