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Samstag, 5. Dezember 2020

Saint-Saens, Camille - Weihnachtsoratorium

Keine Alternative


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Allerdings ist es auch nicht verkehrt, sich zusätzlich eine Vergleichsaufnahme anzuhören und dann zu entscheiden.

Mit gerade einmal 40 Minuten Laufzeit gerät das Weihnachtsoratorium Camille Saint-Saens kaum in Verdacht, das von Altmeister Bach komponierte Riesenspektakel irgendwann einmal abzulösen, trotzdem lohnt vorab ein Vergleich vieler Unterschiede und Gemeinsamkeiten.

Das mit Opus 12 bezifferte Frühwerk Saint-Saens unterscheidet sich am deutlichsten durch Aufbau und Konzeption vom sechsteiligen Epos Bachs. Gleich zu Beginn, nach dem Prelúde, übrigens unterschrieben mit ‘Dans le style de Sébastian Bach’, findet man in Recitativ und Chor die englische Verkündigungsszene und einzige Vertonung aus dem Kontext der Weihnachtsgeschichte (Luk. 2, 8-14) im Gesamtwerk. Diese wenigen Sätze bilden den Unterbau für alles Weitere, was sich im Unterschied zu Bachs Oratorium weniger als Darstellung, denn als Meditation ausnimmt.

Die Folgenden Teile also bestehen aus, der Bibel entnommenen, Heilsbekundungen und -verheißungen, die in unterschiedlichster Weise, durch Solisten und Chor, Orgel Streicherensemble und Harfe, besetzt werden. Gerade das macht, durch die Entwicklung unterschiedlichster und zum Teil ungewohnter und eigenständiger Klangfarben, dieses Oratorium interessant und abwechslungsreich. Der Verzicht des Komponisten auf Pomp und großartige Anlage und der leicht tänzerische Stil geben ihm ein insgesamt heimeliges und intimes Flair.

Leider mit Abstrichen

An der Umsetzung nun des Saint-Saenschen Oratoriums haben sich Bachchor und –orchester Mainz samt erforderlicher Solisten unter der Leitung Diethard Hellmans erprobt. Das Ergebnis kann man nun, bei ‘Profil – Edition Günter Hänssler’, in Augenschein nehmen.

Dabei wird man eine sehr einfühlsame und durchdachte Interpretation entdecken, die durch abwechslungsreiche und deutlich abgesetzte Dynamik, sowie durch klar gesetzte Akzente den Charakter der Musik deutlich herausstreicht. Schon dem Prélude, das im Vergleich zu anderen Aufnahmen recht schnell gespielt ist, macht sich die intensive Beschäftigung mit der eingespielten Literatur bemerkbar, dadurch nämlich, dass der sehr tänzerische Charakter deutlich erkennbar zu tage tritt, ohne jedoch in den Bezug zur eigentlichen Thematik des Stückes zu verlieren, die ja eine Kirchliche ist.

Ebenso funktioniert das Zusammenspiel zwischen Vokal- und Instrumentalgruppen gut. Die Orgel ist zudem passend zurückhaltend und bereichert durch die Wahl der Register mit sonorem warmem Timbre das Klangbild. Etwas abträglich ist dieser Aufnahme leider das Hervorstechen der Solisten, die durch hervorgehobene klangliche Präsenz und kräftige Stimmgebung mit einem Stück zu viel Vibrato das Klangbild zu stark dominieren, in Folge dessen erdrückend wirken.

 Dazu gesellt sich ein allgemein leicht abgestumpftes Klangbild, was sich durch bessere Aufnahmetechnik oder nachträgliche Arbeit sicher hätte verbessern lassen können. Besonders ärgern sollte das den Bachchor mit immerhin 100 Mitgliedern, die sich durch ihren kräftigen und sicheren Gesang auszeichnen, aber auf dieser Aufnahme etwas verwaschen klingen.

Nichts falsch gemacht..

…hat man, wenn man am Regal zu dieser CD greift. Das enthaltene Material ist durchaus hörenswert und eine große Bereicherung für das Weihnachtliche Programm. Dabei ist aber nochmals hervorzuheben, dass es sich um kein Werk vergleichbar mit dem Johann Sebastian Bachs handelt. Dazu ist es eben nicht angelegt. Dieses ehedem, im Stoff wie auch im Ensemble, viel kleiner angelegte Werk bietet die Möglichkeit, sich den Sinn des Weihnachtsfestes auf meditative Weise noch einmal beschaulich durch den Kopf gehen zu lassen.

Allerdings ist es auch nicht verkehrt, sich zusätzlich eine Vergleichsaufnahme anzuhören und dann zu entscheiden.

 

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Christoph Mann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Saint-Saens, Camille: Weihnachtsoratorium

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Profil - Edition Günter Hänssler
1
01.10.2005
39:43
1976
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
881488502329
PH05023


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Saint-Saens, Camille
 - Weihnachtsoratorium -


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Dirigent(en):Hellmann, Diethard
Orchester/Ensemble:Bach-Orchester Mainz
Interpret(en):Biermann, Barbara
Bartsch, Hans-Joachim
Widmer, Kurt
Melzer, Friedrich
Jungwirth, Helena
Wiens, Edith
Schweizer, Verena


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"Rarität zum Weihnachstfest: Nur wenige Einspielungen des Weihnachtsoratoriums von Saint Saens liegen derzeit vor - das weitgehend unbekannte Werk ist eine Bereicherung der üblichen Weihnachts-Chor-Literatur. "


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Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
Die Repertoire-Politik ist charakteristisch. Eine Auswahl erster internationaler Künstler finden sich im Programm von PROFIL ebenso wieder wie erfolgreiche Newcomer der Klassikszene, darunter das mehrfach preisgekrönte Klenke-Quartett, das in der Interpretation von Kammermusik in den letzten Jahren neue Maßstäbe setzen konnte.
Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
PROFIL: Ein Programm - eine Verpflichtung aus Tradition!


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