> > > Love is strange: Wakefilde on a green
Freitag, 23. August 2019

Love is strange - Wakefilde on a green

Lautenmusik neu definiert


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Musik zu machen, war im Zeitalter Elisabeths I. im Grundkanon aristokratischer Erziehung enthalten.

Arm ist der Plattenmarkt nicht an Aufnahmen mit Musik der elisabethanischen Zeit. Vieles wiederholt sich, vieles hat man bereits dreifach, vierfach in verschiedenen Instrumentengruppierungen gehört. Warum also sollte man ausgerechnet schon wieder zu einer neuen Einspielung greifen, deren Cover ein melancholisch dreinblickender Herr ziert und deren Titel ‚Love is strange’ wenig dazu angetan ist, etwaigen Liebeskummer zu heilen? Ganz einfach: wie hier Musik gemacht wird, hat man schlichtweg noch nie gehört. Vincent Dumestre hat mit Pierre Hantai am Virginal, Eric Bellocq, Massimo Moscardo, Benjamin Perrot an der Laute und Jean-Luc Tamby an der Ceterone eine Gruppe um sich versammelt, die unter dem vielversprechenden Namen Le Poème Harmonique einen Zugriff auf alte Musik wagen, der dem Kapitel Interpretation noch schier Unerhörtes hinzufügen kann.

Das rockt!

Musik zu machen, war im Zeitalter Elisabeths I. im Grundkanon aristokratischer Erziehung enthalten. Zahlreiche Sammlungen mit Lautenliedern sind auf uns gekommen, weithin weniger jedoch Sammlungen, die Stücke für drei oder mehr Lauten überliefern. Eine große Rolle spielte die seinerzeit nicht ungewöhnliche Praxis der Improvisation. Vieles wurde gar nicht schriftlich fixiert und überhaupt war es völlig normal, das eine oder andere Stück auf die jeweils vorhandenen Instrumente zu übertragen. Le Poème Harmonique folgt dieser Praxis mittels eines Lautenconsorts. So weit, so wenig spektakulär und damit könnte die Besprechung bereits enden, wenn da nicht in jedem Stück ein latentes Kribbeln zu spüren wäre, das Kribbeln beim gemeinschaftliche Musizieren, wenn die Musiker merken, dass die Schwelle des Sich-Findens überwunden und die Musik zu sprechen beginnt, wenn aus Musikmachen Musik wird. Dies Kribbeln teilt sich dem Hörer unmissverständlich mit. Hier offenbart sich alte Musik so zu sagen ‚unplugged’. Perfekte Grifftechnik ist über den puren Schönklang erhaben. Das Ensemble atmet gemeinsam diese Musik, lotet das dynamische Potential nuancenreich aus, koloriert die Stücke farbenreich aus. Da werden selbst die immer und immer wieder abgenudelten Stücke von John Johnson, Robert Parsons, John Bull, Anthony Holborne, John Dowland und Thomas Morley wieder lebendig. Diese im besten Sinne des Wortes handgemachte Musik entsteht für den Augenblick wie frisch komponiert, sie bewegt, wühlt auf gar. Sie rockt.

Die Klangtechnik wirkt ganz unmittelbar auf den Hörer. Die Instrumente erscheinen sehr präsent und sind in ihrer Tonwiedergabe herrlich natürlich aufgenommen. Auch das Booklet ist mit seinen informativen Texten und mit einer kunsthistorischen Analyse des auf dem Cover abgebildeten ‚Portrait eines melancholischen Mannes’ von Isaac Oliver bestens ausgestattet.

Empfehlenswert!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Love is strange: Wakefilde on a green

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
1
01.10.2005
Medium:
EAN:

CD
3760014190810


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Coperario, Giovanni
Dowland, John
Holborne, Anthony
Johnson, John
Robinson, Thomas


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Dirigent(en):Dumestre, Vincent


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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