> > > Si tu veux apprendre les pas à danser: Airs & ballets en France avec Lully
Montag, 26. August 2019

Si tu veux apprendre les pas à danser - Airs & ballets en France avec Lully

Drei Unbekannte, aber nicht mehr lange


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sei es im Vokalen, sei es im Instrumentalen, Le Poème Harmonique trifft stets den adäquaten Ton der unglaublich breit gefächerten ?airs?.

Alte Musik. Klingt dieser Begriff nicht paradox angesichts der Tatsache, dass gerade diese Musik im Laufe der letzten Jahre durch herausragende Ensembles einen enormen Qualitätsschub im Hinblick auf ihre Ausführung erlebt hat? Wir erleben gerade eine Zeit, in der musikwissenschaftliche Erkenntnis schneller denn je in die musikalische Praxis umgesetzt wird. Talentierte Ensembles touren regelrecht mit Alter Musik-Programmen durch die Lande und produzieren Aufnahmen mit Unbekanntem, wenig oder noch nie Gehörtem. Vincent Dumestre und sein Ensemble Le Poème Harmonique ist so ein Ensemble, das auf Spurensuche geht und jene Unbekannten aufspürt, die von großen Namen verdeckt werden. Wie zum Beispiel war es um die Musik am französischen Hof vor Lully bestellt? Le Poème Harmonique gibt auf drei CDs beredte Auskunft.

Keine Kleinmeister

Während der Regierung von Henri IV und Louis XIII waren es Pierre Guédron, Anthoine Boesset und Estienne Moulinié, die das musikalische Geschehen bei Hof bestimmten. Guédron folgte Claude Le Jeune als ‚Compositeur de la Chambre du Roy’ an den Hof Henri IV. Guédron starb 1620 und sein Schwiegersohn Boesset wurde sein Nachfolger als ‘Surintendant de la musique de la chambre’ für Louis XIII. Estienne Moulinié arbeitete für des Königs jüngeren Bruder, Gaston von Orléans. Alle drei waren wahrlich keine Kleinmeister (ohnehin ein grauenhafter Begriff), selbst wenn ein wesentlicher Beitrag zur Hofmusikgestaltung in den so genannten ‚airs de cour’ bestand. Diese sind eine spezifisch französische Eigenart: vier- oder fünfstimmige Stücke, die entweder unbegleitet oder aber mit Violen und Lauten begleitet wurden. Die oftmals einprägsamen Melodien fanden gar Verbreitung außerhalb des Hofs, nicht zuletzt durch Drucke, die wiederum nur das spärlichste an musikalischer Information preisgeben. Die Bandbreite dieser ‚airs’ ist sehr groß. Sie reicht von ihrer Aufführung als Teil der ‚ballets du cour’ und in den Salons bis hin zu Trinkliedern und Liebesliedern und so manchen zotigen Einlagen. Das breite Spektrum spiegelt sich in dieser Anthologie wieder.

Differenziert

Sei es im Vokalen, sei es im Instrumentalen, Le Poème Harmonique trifft stets den adäquaten Ton der unglaublich breit gefächerten ‚airs’. Die Dürftigkeit des existierenden Notenmaterials verlangt einmal mehr improvisatorisches Talent und dies beweisen die Instrumentalisten auf ganz bestechende Weise. Gewollt modern ist hier nicht etwa das, was instrumental improvisiert wird. Der Effekt basiert hier nicht auf einem anachronistischen Verunklaren der Faktur der Musik durch Beigaben unserer Zeit, nein der Effekt beruht auf der Frische und dem Witz, dem Elan und der musikantischen Interaktion des Ensembles. Die Vokalisten Claire Lefilliatre, Bruno Le Levreu, Jean-Francois Novelli und Arnaud Marzorati sind wahre Stimmkünstler, fangen die Stimmungen der unterschiedlichen Texte differenziert ein, modellieren Textur wie auch das eigene Timbre je nach Inhalt der Texte. Melancholische Schwere, anzügliche Andeutungen, laszive Zotigkeit – das emotionale Repertoire scheint unerschöpflich. Gepaart mit den ungewöhnlich eingängigen Melodien beleuchtet diese Anthologie ein ungemein spannendes Genre der französischen Musikgeschichte. Hinreißend und mitreißend musiziert. Wie immer bei Alpha enthält das Booklet die Gesangstexte (und wie immer nur in englischer Übersetzung) und eingehende kunsthistorische Betrachtungen zu den Reproduktionen auf den jeweiligen Covers. Tontechnisch herausragend produziert und discographisch wertvoll ediert. Empfehlenswert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Si tu veux apprendre les pas à danser: Airs & ballets en France avec Lully

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
3
01.09.2005
Medium:
EAN:

CD
3760014199059


Cover vergössern

Boesset, Antoine
Guédron, Pierre
Moulinié, Éstienne


Cover vergössern

Dirigent(en):Dumestre, Vincent


Cover vergössern

Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Alpha Classics:

  • Zur Kritik... Singende Sphinx: Auf dieser gelungenen Produktion präsentiert das Ensemble intercontemporain mit kompetenten Solisten Werke von Bartók und Ligeti. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
  • Zur Kritik... Wer die Sehnsucht kennt: Barbara Hannigan und Reinbert de Leeuw tauchen tief ins Wiener Fin de Siècle ein. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Die Oper der Oper: Ein großer musikalischer Spaß zum dreißigjährigen Jubiläum von Le Concert Spirituel. Weiter...
    (Prof. Dr. Michael Bordt, )
blättern

Alle Kritiken von Alpha Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Erik Daumann:

  • Zur Kritik... Packende Symphonik: Sakari Oramo legt, trotz diskographisch enormer Konkurrenz, mit Elgars Erster Symphonie eine Referenzaufnahme vor. Weiter...
    (Erik Daumann, )
  • Zur Kritik... Fern der tödlichen Realität: Flautando Köln lässt die Tudor-Rose erblühen ? nicht in der Farbe des Blutes, sondern im Zeichen eines differenzierten Blicks auf eine musikalisch reiche Epoche. Weiter...
    (Erik Daumann, )
  • Zur Kritik... Rustikale Schönheiten: Die tschechische Aufnahme des 'Spalicek' von Martinu überzeugt durch farbig-markante Spielfreude aller Beteiligten. Weiter...
    (Erik Daumann, )
blättern

Alle Kritiken von Erik Daumann...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Er-Hörung vor dem Beethoven-Jahr: Wolfgang Mitterer gießt Alltagsgeräusche in Kunst. Dann schneiden Holzarbeiter streng nach einer Partitur und Hackbrettspieler klettern mitten in eine Sägemaschine. In 'Nine In One' bringt er auf seine unorthodoxe Weise Beethoven zum Klingen. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Intime Virtuosität: Felix Blumenfelds Klaviermusik in vorbildlicher Wiedergabe auf einem frühen Steinway-Flügel. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Nordischer Impressionismus: Oramo kann Lemminkäinen: Sibelius-Fans dürfen aufhorchen. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte) Class aktuell (2/2019) herunterladen (4851 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Antonín Dvorák: String Quartet B 57 in E major op.80 - Finale. Allegro con brio

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich