> > > Si tu veux apprendre les pas à danser: Airs & ballets en France avec Lully
Donnerstag, 27. Februar 2020

Si tu veux apprendre les pas à danser - Airs & ballets en France avec Lully

Drei Unbekannte, aber nicht mehr lange


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sei es im Vokalen, sei es im Instrumentalen, Le Poème Harmonique trifft stets den adäquaten Ton der unglaublich breit gefächerten ?airs?.

Alte Musik. Klingt dieser Begriff nicht paradox angesichts der Tatsache, dass gerade diese Musik im Laufe der letzten Jahre durch herausragende Ensembles einen enormen Qualitätsschub im Hinblick auf ihre Ausführung erlebt hat? Wir erleben gerade eine Zeit, in der musikwissenschaftliche Erkenntnis schneller denn je in die musikalische Praxis umgesetzt wird. Talentierte Ensembles touren regelrecht mit Alter Musik-Programmen durch die Lande und produzieren Aufnahmen mit Unbekanntem, wenig oder noch nie Gehörtem. Vincent Dumestre und sein Ensemble Le Poème Harmonique ist so ein Ensemble, das auf Spurensuche geht und jene Unbekannten aufspürt, die von großen Namen verdeckt werden. Wie zum Beispiel war es um die Musik am französischen Hof vor Lully bestellt? Le Poème Harmonique gibt auf drei CDs beredte Auskunft.

Keine Kleinmeister

Während der Regierung von Henri IV und Louis XIII waren es Pierre Guédron, Anthoine Boesset und Estienne Moulinié, die das musikalische Geschehen bei Hof bestimmten. Guédron folgte Claude Le Jeune als ‚Compositeur de la Chambre du Roy’ an den Hof Henri IV. Guédron starb 1620 und sein Schwiegersohn Boesset wurde sein Nachfolger als ‘Surintendant de la musique de la chambre’ für Louis XIII. Estienne Moulinié arbeitete für des Königs jüngeren Bruder, Gaston von Orléans. Alle drei waren wahrlich keine Kleinmeister (ohnehin ein grauenhafter Begriff), selbst wenn ein wesentlicher Beitrag zur Hofmusikgestaltung in den so genannten ‚airs de cour’ bestand. Diese sind eine spezifisch französische Eigenart: vier- oder fünfstimmige Stücke, die entweder unbegleitet oder aber mit Violen und Lauten begleitet wurden. Die oftmals einprägsamen Melodien fanden gar Verbreitung außerhalb des Hofs, nicht zuletzt durch Drucke, die wiederum nur das spärlichste an musikalischer Information preisgeben. Die Bandbreite dieser ‚airs’ ist sehr groß. Sie reicht von ihrer Aufführung als Teil der ‚ballets du cour’ und in den Salons bis hin zu Trinkliedern und Liebesliedern und so manchen zotigen Einlagen. Das breite Spektrum spiegelt sich in dieser Anthologie wieder.

Differenziert

Sei es im Vokalen, sei es im Instrumentalen, Le Poème Harmonique trifft stets den adäquaten Ton der unglaublich breit gefächerten ‚airs’. Die Dürftigkeit des existierenden Notenmaterials verlangt einmal mehr improvisatorisches Talent und dies beweisen die Instrumentalisten auf ganz bestechende Weise. Gewollt modern ist hier nicht etwa das, was instrumental improvisiert wird. Der Effekt basiert hier nicht auf einem anachronistischen Verunklaren der Faktur der Musik durch Beigaben unserer Zeit, nein der Effekt beruht auf der Frische und dem Witz, dem Elan und der musikantischen Interaktion des Ensembles. Die Vokalisten Claire Lefilliatre, Bruno Le Levreu, Jean-Francois Novelli und Arnaud Marzorati sind wahre Stimmkünstler, fangen die Stimmungen der unterschiedlichen Texte differenziert ein, modellieren Textur wie auch das eigene Timbre je nach Inhalt der Texte. Melancholische Schwere, anzügliche Andeutungen, laszive Zotigkeit – das emotionale Repertoire scheint unerschöpflich. Gepaart mit den ungewöhnlich eingängigen Melodien beleuchtet diese Anthologie ein ungemein spannendes Genre der französischen Musikgeschichte. Hinreißend und mitreißend musiziert. Wie immer bei Alpha enthält das Booklet die Gesangstexte (und wie immer nur in englischer Übersetzung) und eingehende kunsthistorische Betrachtungen zu den Reproduktionen auf den jeweiligen Covers. Tontechnisch herausragend produziert und discographisch wertvoll ediert. Empfehlenswert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Si tu veux apprendre les pas à danser: Airs & ballets en France avec Lully

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
3
01.09.2005
Medium:
EAN:

CD
3760014199059


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Boesset, Antoine
Guédron, Pierre
Moulinié, Éstienne


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Dirigent(en):Dumestre, Vincent


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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