> > > Schönberg, Arnold: Drei Klavierstücke, Op. 11
Samstag, 5. Dezember 2020

Schönberg, Arnold - Drei Klavierstücke, Op. 11

Kaum zu hören


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Ergebnis ist erwartungsgemäß. Die Musik, die man zu hören bekommt ist im herkömmlichen Sinne wenig spektakulär, nicht im geringsten sensationell, nicht erwärmend oder zum träumen.

Eine Art Kompendium der Atonalität zu zwei Händen ist, was BIS-Records von Roland Pöntinen eingespielt veröffentlicht. Genau genommen handelt es sich um reine Klavierstücke der Wiener Schule um Arnold Schönberg. Zu hören sind daher von Schönberg selbst die Opera 11,19, 23, 25 und 33 und die Sonate für Klavier Opus 1 vom Schönbergschüler Alban Berg sowie einige Fragmente beider Komponisten. Die Kompositionen liegen nach ihrem Entstehungsdatum also am Beginn der Schönberg’schen Atonalität, exemplifizieren fort bis zur Zwölftönigkeit und darüber - bis ins Spätwerk – hinaus.

Der eigentliche Anspruch, den diese Literatur an den Spielenden nun stellt, ist nicht eine Komplikation im technischen Sinne. Schwer greifbare oder zügig-aufbrausende Passagen sind in Schönbergs Musik kaum zu finden. Akkuratesse ist hingegen eine der Hauptanforderungen, der sich Pöntinen stellen muss.

Das Ergebnis ist erwartungsgemäß. Die Musik, die man zu hören bekommt ist im herkömmlichen Sinne wenig spektakulär, nicht im geringsten sensationell, nicht erwärmend oder zum träumen. Der erste Höreindruck vermittelt Verwirrung und Desorientierung, so man nicht mit der Musik Schönbergs vertraut ist. Hinzu kommt, dass die Beschränkung auf das Soloinstrument Klavier einen wesentlichen Aspekt in den Hintergrund rückt, der für alle neuen Wiener von großer Bedeutung war: die Klangfarbe. Diese klangliche Komponente, die dem Orchester oder der Orgel vorbehalten bleibt, lässt sich schwerlich ausgleichen durch die häufig wechselnden Tempi und Dynamik.

Roland Pöntinen wagt hier mit einigem Mut, Akzente zu setzen. Sein Spiel ist nicht dramatischer als die Musik, doch gewinnt der reine Höreindruck an Struktur durch gekonnte Phrasierung. Dies beweist einiges Verständnis und Fingerspitzengefühl für die schwer zugängliche Schönberg’sche Weise. Nichtsdestotrotz handelt es sich um sehr schwierigen Stoff, der noch dazu kaum zu vermitteln ist, da ihm, wie erwähnt die Komponente der Klangfarbe fehlt, was die Impression eigentlich auf die Akkorde minimiert, die nicht auch nicht gerade das sind, was der mitteleuropäische Hörer als Fest für die Ohren bezeichnen würde.

Nach Thomas Manns „Doktor Faustus“ sollte man Schönbergs Musik eher lesend genießen als sie hörend zur Kenntnis nehmen. Es benötigt ein gut trainiertes Ohr, die eigentliche Machart der Kompositionen akustisch zu durchschauen. Lesend funktioniert das schon etwas besser. Bei den Klavierwerken lässt sich diese Feststellung geradezu verabsolutieren; Sie ist kaum zu hören.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Christoph Mann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schönberg, Arnold: Drei Klavierstücke, Op. 11

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
21.09.2005
Medium:
EAN:

CD
7318590014172


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Berg, Alban
Schönberg, Arnold


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Interpret(en):Pöntinen, Roland


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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