> > > Strauss, Richard: Arabella
Samstag, 26. September 2020

Strauss, Richard - Arabella

Arabellissima


Label/Verlag: ORFEO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Neben diesen beiden sei aber auch der Rest der Besetzung nicht verschwiegen, denn der braucht sich wahrhaftig nicht zu verstecken.

Wenn es den Archetyp von Straussens Arabella gibt, die Sängerin, die diese Rolle wie keine andere geprägt hat, dann muss in der Diskussion darüber zwangsläufig der Name Lisa Della Casa fallen. In den 1950er- und 60er-Jahren war wohl kaum eine andere Sängerin in dieser Rolle so präsent und auch so kompetent wie die Schweizerin. Gefeiert und immer wieder hoch gelobt wurden ihre Leistungen in den großen Strauss- und Mozart-Partien, so dass irgendjemand – vielleicht ein Rezensent? – ihr den Titel ‚Arabellissima’ verlieh. Nicht zu unrecht, wie man auch heute noch auf den Platteneinspielungen hören kann, die aus dieser Zeit existieren. Die berühmteste Konstellation Della Casa/Fischer-Dieskau als Arabella/Mandryka erlebte ihre Premiere bei den Salzburger Festspielen 1958 und sollte in dieser Zusammenstellung noch lange Zeit als ein Kernstück der Münchner Opernfestspiele gelten. Unter Joseph Keilberth und den Wiener Philharmonikern entstand seinerzeit ein bis zum heutigen Tage beeindruckendes Tondokument, das nun auf drei CDs bei Orfeo neu aufgelegt wurde und beweißt, dass diese Arabella auch im reinen Audio-Format ein wahrer Hochgenuss ist.

Im Mittelpunkt der Aufführung stehen wie schon erwähnt Lisa Della Casa und Dietrich Fischer-Dieskau, ein Traumpaar aus reifem Mädchen und stürmischem, volkshaftem Grundbesitzer. Della Casas Sopran ist von ausgesprochen harmonischer Färbung, der in sehr direkter Form daherkommt, hierin fügt sich ihre Stimme wunderbar mit Fischer-Dieskaus gradlinigen Interpretation zusammen, der einen wunderbar natürlichen Charme in seine Stimme legt, zu keiner Zeit Pathos vorschiebt sondern einen bodenständigen Mandryka gibt, dessen Eifersucht und Herzensschmerzen im letzten Akt wahrlich ergreifend zu nennen sind. Bei Della Casa sind es vor allem die ruhigen Momente, die einen erschaudern lassen, wie zum Beispiel ihr frühes ‚Aber der Richtige…’, welches von solch betörender Klangschönheit und strahlender Klarheit ist, dass man es immer und immer wieder hören möchte.

Neben diesen beiden sei aber auch der Rest der Besetzung nicht verschwiegen, denn der braucht sich wahrhaftig nicht zu verstecken. Vor allem Otto Edelmann als Graf Waldner weiß seine Rolle mit einem guten Schuss Wiener Blut köstlich auszugestalten und gefällt durch gepflegte Launigkeit und intelligente Deklamation.

Hat man sich dann bis zum Ende der Arabella hindurchgehört, so findet man noch Straussens Vier letzte Lieder, die 1958 am Tag nach der Arabella-Aufführung in Salzburg zum Vortrag kamen. Gesungen ebenfalls von Lisa Della Casa, die sich erneut als Straus-Sängerin ersten Ranges ausweist, diesmal unter der Leitung von Karl Böhm, der es gewohnt bedächtig angehen lässt, damit aber genau den richtigen Ton und lyrische Tiefe dieser Werke trifft.

Zum Klang der Aufnahmen ist zu sagen, dass es sich hier wie gesagt um Live-Mitschnitte handelt, die allerdings bis auf einige wenige Knackser keine wirklich störenden Nebengeräusche enthalten. Natürlich ist alles in Mono aufgenommen und entspricht in keiner Weise den Opernproduktionen heutiger Tage, aber das, so meine ich, versteht sich von selbst.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Daniel Röder,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Strauss, Richard: Arabella

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ORFEO
3
01.07.2005
Medium:
EAN:

CD
4011790651323


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Strauss, Richard


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Dirigent(en):Böhm, Karl
Keilberth, Joseph
Orchester/Ensemble:Wiener Philharmoniker
Interpret(en):Meyer, Kerstin
Köhrer, Eta
Weber, Karl
Stern, Georg
Melchert, Helmut
Ruesche, Kurt
Rothenberger, Anneliese
Casa, Lisa della
Malaniuk, Ira
Edelmann, Otto


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ORFEO

Erschienen die ersten Aufnahmen des 1979 in München gegründeten Labels noch in Lizenz bei RCA und EMI, produziert und vertreibt ORFEO seit 1982 unter eigenem Namen. Durch konsequente Repertoire- und Künstlerpolitik konnte sich das Label seit seinem aufsehenerregenden Auftritt am Anfang der Digital-Ära dauerhafte Präsenz auf dem Markt verschaffen. Nicht nur bekannte Werke, sondern auch weniger gängige Musikliteratur und interessante Raritäten - davon viele in Ersteinspielungen - wurden dem Publikum in herausragenden Interpretationen zugänglich gemacht. Dabei ist es unser Bestreben, auch mit Überraschungen Treue zu klassischer Qualität zu beweisen.
Der Musik der Moderne wird mit den gleichen Qualitätsstandards Beachtung geschenkt - in exemplarischen Neuaufnahmen wie in Mitschnitten bedeutender Uraufführungen. Wichtige Akzente setzen dabei die Serien Edition zeitgenössisches Lied, die bis in die unmittelbare Gegenwart vorstößt, und Musica Rediviva mit Werken verbotener oder zu Unrecht vergessener Komponisten.
Zu den Künstlern zählen die besten Sängerinnen und Sänger, Instrumentalisten, Orchester und Dirigenten der letzten drei Jahrzehnte. Die Förderung aufstrebender Künstler der jüngeren Generation war und ist ORFEO stets ein Anliegen. Viele, die heute zu den Großen der Musikszene zählen, errangen bei uns ihre ersten Schallplattenerfolge.
Mit der Serie ORFEO D'OR wird auf die große interpretatorische Vergangenheit zurückgegriffen; legendäre Aufführungen u.a. aus Bayreuth, München, Wien und Salzburg werden dokumentiert. Hierbei wurde von Anfang an besonderer Wert auf sorgfältige Edition gelegt; durch - das dürfte auf dem Markt für historische Aufnahmen heute sehr selten sein - offizielle Zusammenarbeit mit den Künstlern, Erben und Institutionen hat ORFEO D'OR jeweils exklusiven Zugriff auf die besten erhaltenen Originalquellen.
Unser Ziel: Die Faszination, die klassische Musik ausüben kann, über die Generationen lebendig nahe zubringen.


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