> > > Herbeck, Johann von: Symphonie Nr. 4 d-Moll (Orgelsymphonie)
Donnerstag, 6. Oktober 2022

Herbeck, Johann von - Symphonie Nr. 4 d-Moll (Orgelsymphonie)

Im Schatten der Grossen


Label/Verlag: NCA - New Classical Adventure
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Hamburger Symphoniker unter der Leitung Martin Haselböcks präsentieren Herbecks Werke in einem amalgamierten, runden, etwas dunklen Klang und agieren dabei musikalisch differenziert.

Gestalten wie der 1831 geborene Johann von Herbeck werden von der Musikgeschichte trotz vielfältiger Begabungen immer wieder an den Rand gedrängt: Zwar wirken sie prägend in ihrem konkreten Lebensumfeld, erscheinen den Zeitgenossen als seriöse ‚Kandidaten’ für die langfristige Überlieferung ihrer Kunst – allein der musikalische Geschmack, das sich wandelnde ästhetische Empfinden und nicht zuletzt der Erfolg der Rivalen entscheiden häufig anders. So blieb auch für den halb autodidaktisch gebildeten Österreicher zwischen Schubert, Brahms, Liszt, Wagner und Bruckner kein Platz. Zu Lebzeiten erwarb sich Herbeck einen glänzenden Ruf als musikalischer Organisator: Er leitete den Wiener Männer-Gesangverein, arbeitete als Gesangsprofessor am Wiener Konservatorium, war Direktor der Hofoper und leitete schließlich die Konzerte der Gesellschaft der Musikfreunde. Darüber hinaus profilierte er sich als Anwalt vergessener Werke – die Uraufführung Schuberts unvollendeter h-Moll-Symphonie verantwortete Herbeck – und Förderer bedrängter Kollegen: Anton Bruckner verdankte einen Teil seiner spärlichen Erfolge in der Öffentlichkeit dem Einsatz Herbecks.

Zur Musik

Wie ist nun die Musik Herbecks zu beschreiben? Klar scheint beim Hören bald, dass er sich als Komponist auf der Höhe der Zeit befand: Er gestaltet eine geschlossene, dichte Klanglichkeit, füllt seine Themen mit gefälligen, freilich nicht sonderlich originellen Ideen, handhabt die musikalischen Mittel souverän, instrumentiert eher konventionell und bedient in seinen im Vergleich zu denen mancher Zeitgenossen eher knapp dimensionierten Sätzen eine breite Palette des Ausdrucks. Herbeck integriert in seine musikalische Welt als klare Basis das Erbe der Wiener Klassiker, besonders Schuberts Musikverständnis scheint eine wichtige Rolle zu spielen. Daneben stehen Brahmssche Momente der kompositorischen Durchdringung, tauchen in den breit angelegten Satzschlüssen immer wieder Brucknersche Klänge auf, prägt jedoch auch der Rückgriff auf das Formenpaar ‚Präludium und Fuge’ das symphonische Werk Herbecks.

Dass diese eher gemischte und zwischen den großen ästhetischen Schulen der Zeit changierende Ansatz Herbecks dennoch überzeugt und mit einem eigenen Charme für sich einnimmt, verrät den potenten Gestalter hinter der Musik, dem es gelang, in häufig atemberaubend kurzen Arbeitsphasen erstaunlich kompakte Werke zu vollenden.

Überzeugende Ersteinspielung

Die Hamburger Symphoniker unter der Leitung Martin Haselböcks präsentieren Herbecks Werke in einem amalgamierten, runden, etwas dunklen Klang und agieren dabei musikalisch differenziert. An mancher Stelle wäre eine größere Durchsichtigkeit in der Präsentation feinstruktureller Elemente wünschenswert gewesen, hätte die klangliche Disposition – vielleicht auch technisch – etwas dezidierter sein können.

Jedoch verleiht Haselböck der Musik die nötige Größe, vermittelt er den ihr eigenen Eindruck. Auch den zwischen einzelnen Sätzen wechselnden Gegensatz von verspielter Schubertscher Leichtigkeit und der dichten Klangballung nach dem Vorbild Bruckners arbeitet Haselböck überzeugend heraus.

Herbecks vierte Symphonie trägt den Beinamen ‚Orgelsymphonie’, weil sie unter Einbeziehung einer großen Orgel aufzuführen ist. Für die neu geschaffene Ladegast-Orgel des Musikvereinssaals konzipiert, fungiert die ‚Königin der Instrumente’ hier jedoch lediglich als ‚Magd’ des dramatisch erhöhten Klangeffekts – immerhin schuf Herbeck diese Verbindung zwischen symphonischem Orchester und Orgel neun Jahre vor dem nicht nur in dieser Hinsicht bekannteren und erfolgreicheren Camille Saint-Saëns.

Martin Haselböck und dem Label ‚NCA’ gelingt mit der Reihe der Ersteinspielungen der Werke Herbecks ein Lückenschluss im Umfeld von Brahms, Bruckner und anderen, der uns weiteren Aufschluss über die Vielfalt des Komponierens zu jener Zeit abseits der großen Heroen gibt und doch gleichzeitig auch verdeutlicht, was den Unterschied ausmacht: Nur ästhetisch entschiedene, kompromisslose Künstler von außergewöhnlicher Strahlkraft finden langfristig den Weg ins Repertoire der Konzerthäuser. Doch sollte auch dem scheinbar weniger eindrucksvollen Johann Ritter von Herbeck dieser Zugang nicht länger verwehrt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Herbeck, Johann von: Symphonie Nr. 4 d-Moll (Orgelsymphonie)

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
NCA - New Classical Adventure
1
18.01.2008
61:36
Medium:
EAN:
BestellNr.:

SACD
4019272601507
60150


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Herbeck, Johann von
 - Symphonische Variationen F-Dur -


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Dirigent(en):Haselböck, Martin
Orchester/Ensemble:Hamburger Symphoniker
Interpret(en):Peyrot, Irénée


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NCA - New Classical Adventure

20 Jahre NCA

Als im Jahre 1992 das Klassiklabel NCA ins Leben gerufen wurde, dachte niemand daran, dass man heute das 20-jährige Jubiläum feiern könnte. In zwei Jahrzehnten wurde ein Katalog geschaffen, der mehr als 150 Produktionen umfasst und zum Besten gehört, was die Klassik zu bieten hat.

NCA steht für neue Interpretationen bekannter Werke, steht für eine erfolgreiche Auseinandersetzung mit Musik in den verschiedensten, vielleicht auch ungewohnten Besetzungen, steht für auserlesene, oft zu Unrecht selten oder bisher noch nie eingespielte Werke in allen Stilistiken der klassischen Musik, was insgesamt zum Markenzeichen des Labels wurde und ist damit die ideale Ergänzung für den Plattenschrank eines Klassikliebhabers werden.Dabei ist selbstverständlich Grundvoraussetzung eine hohe künstlerische und technische Qualität der Einspielungen.

Bei NCA findet sich keine Trennung des Repertoires, sondern alle Einspielungen dienen gleichberechtigt dem einen Zweck, das Phänomen ?Musik? im Sinne eines Mosaiks ganzheitlich (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) entstehen zu lassen.

Viele Einspielungen aus sämtlichen Genres der klassischen Musik wurden von der Fachpresse hochgelobt und mit diversen Preisen ausgezeichnet. Viele berühmte und weltbekannte Künstler zeugen von der höchsten Qualität der Produktionen. Ein besonderes Augenmerk gilt der Förderung junger und aufstrebender Künstler, um ihnen ein Sprungbrett in die weite Welt der Klassik zu bieten.

Wenn Sie Lust auf klassische Abenteuer im besten Sinne des Wortes haben, dann sollten Sie sich NCA nicht entgehen lassen!

Klaus Feldmann
A&R Managing Director


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