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Donnerstag, 6. Oktober 2022

Dowland, John - George Whitehead's Almand

Musik & Konzept


Label/Verlag: signum classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Klangbild, das dem Hörer bereits seit langem vertraut ist, gelangt auch in dieser Einspielung zur vollen Ausprägung.

Auch seit langem berühmte Ensembles der Musikszene kommen heute kaum mehr darum herum, ihren neu erscheinenden Platten stimmige Konzepte zu Grunde zu legen, sie in interessante Kontexte einzubetten und die vielfach bekannte Musik in ein neues Licht zu rücken. Im Falle der jüngsten Veröffentlichung der englischen King’s Singers handelt es sich im die Verschränkung der Musik mit einer textlichen Ebene, die ihre gedanklichen Ursprünge in einem Ereignis des Jahres 1605 findet: Im Mai jenes Jahres versuchten katholische Eiferer in einer Verzweiflungstat, das House of Lords in die Luft zu sprengen. Ein fiktiver, mit den Worten der Schriftstellerin Deborah Mackay berichtender William Byrd, zu jenem Zeitpunkt bereits langjährig am Königshof in London tätig, spricht über die Gefahren, denen bekennende Katholiken wie er selbst in jenen Jahren in der englischen Gesellschaft ausgesetzt waren, welche Risiken die auf sich nahmen, die die Messe feierten und ihr Glaubensbekenntnis in die Öffentlichkeit trugen.

Folgerichtig bildet denn auch eine wenige Jahre zuvor entstandene, vierstimmige Messvertonung Byrds den musikalischen Rahmen der Platte: Eingelagert sind verschiedene vokale Kompositionen englischer Zeitgenossen, die in verschiedener Beziehung zu ihrer Heimat und aus differierenden Konfessionen auf die Vorgänge um den ‚Gunpowder Plot’ geblickt haben (könnten). So kommen Werke von John Dowland, Richard Dering, Peter Philips und Thomas Weelkes zu Gehör. Dieser charakteristische Querschnitt durch die Eigenheiten der musikalischen Spätrenaissance Englands versammelt klanglich eindrucksvolle Stücke, die sich um das Werk Byrds gruppieren, der mit seiner Kompositionsweise den intellektuellen und künstlerischen Kern des Unternehmens ausmacht. Hinzu gesellt sich eine Auftragskomposition des 1957 geborenen Francis Pott, dessen Stück in kommentierender Haltung und von den Grundlagen des Komponierens um 1600 ausgehend zu einer druckvollen Expressivität findet.

Überlegene Interpreten

Dass die King’s Singers musikalisch nichts mehr beweisen müssen, bedarf eigentlich keiner Erwähnung: In allen Genres vokalen Musizierens haben sie seit ihrer Gründung 1968 eindrucksvolle Beispiele ihrer Kunst geliefert, haben sie ihre stimmliche Potenz und musikalische Stilsicherheit immer wieder neu bestätigt. Doch sind wahrhaft große Künstler durch den Wunsch angetrieben, sich stets neuen Herausforderungen zu stellen. Zudem haben sich die King’s Singers in den Jahrzehnten ihres Bestehens beständig personell erneuert, so dass es für die einzelnen Mitglieder durchaus um den Nachweis der Reife gehen kann und dabei doch gleichzeitig der typische Klang des Ensembles durch alle Veränderungen hindurch stabil zu halten ist.

Das Klangbild, das dem Hörer bereits seit langem vertraut ist, gelangt auch in dieser Einspielung zur vollen Ausprägung: In einer sehr hellen Grundierung versammeln sich die Einzelstimmen zu einer extremen Ausgewogenheit, ohne ihre charakteristischen Eigenfärbungen zu vernachlässigen. Dennoch stehen die homogene Musikalität, die gemeinsame Empfindung im Mittelpunkt des Musizierens. In der Interpretation der kompositorisch hochklassigen Musik vereinen die Sänger stimmliche Schlagkraft mit ausgesuchter Delikatesse. Dabei bilden Erfahrung und Frische die Basis der Ensembleleistung, die die Sänger zu beispielhaften Interpretationen befähigt. Dass auch solistische Passagen überzeugend und kraftvoll geraten, rundet den Eindruck ab, kann denjenigen, der das vielfältige aufgenommene Werk der Formation aus dem Bereich der populären Musik kennt, aber nicht überraschen. Zwischen agiler Beweglichkeit und lyrischer Dehnung sind die Tempi angelegt, in erstaunlicher Breite agieren die sechs Sänger im dynamischen Bereich. Hinzu kommt eine absolut perfekte Intonation, die als eines der Markenzeichen des Ensembles bezeichnet werden kann.

Bei aller geistigen Durchdringung und konzeptionellen Tiefe sind es die ureigenen musikalischen Fähigkeiten der King’s Singers, denen die Platte ihren frischen Eindruck verdankt – es sind echte Musikanten am Werk, die die vielschichtigen Stücke nicht nur mit dem Kopf auffassen. Auch hierin offenbaren sich gestalterische und musikalische Reife.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dowland, John: George Whitehead's Almand

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
signum classics
1
01.04.2007
Medium:
EAN:

CD
0635212006122


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Byrd, William
Dering, Richard
Dowland, John
Philips, Peter
Pott, Francis
Weelkes, Thomas


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signum classics

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